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Rhinosinusitis

Nase frei, Kopf frei

12.12.2016
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Von Elke Wolf, Ingelheim / Die Drainage und Belüftung gelten als ein wesentliches therapeutisches Ziel von akuten Nasen- nebenhöhlenentzündungen. Genauso wie die Schmerzhemmung, um das Druckgefühl im Kopf zu nehmen. Antibiotika sind meist nicht indiziert. Wie sieht also die leitliniengerechte Therapie der akuten unkomplizierten Rhinosinusitis aus?

Mit einem gewöhnlichen grippalen Infekt fängt es an. Nach einigen Tagen gesellt sich dann zu der verstopften Nase ein schmerzhaftes Druckgefühl im Stirn- und Wangenbereich, besonders beim Bücken. Wässriges oder eitriges Sekret läuft aus der Nase, nicht selten auch nach hinten in den Rachenraum. Mitunter ist auch der Geruchssinn beeinträchtigt, genauso wie das Hörvermögen aufgrund eines mangelhaften Druckausgleichs. Die Entzündung hat dann nicht nur die Nasenhaupthöhle, sondern auch ihre Nebengänge erfasst. Durch Obstruktion staut sich Sekret, was letztendlich das Gewebe entzündet. Die Schleimhaut atrophiert, die mukoziliäre Clearance und damit die Ventilation sind gestört. In neun von zehn Fällen ist eine akute Rhinosinusitis zumindest in der Anfangsphase viral bedingt.

»Bei diesem Beschwerdebild ist in der Regel von einem viral bedingten Infekt auszugehen. Zum Arztbesuch sollten Apotheker raten, wenn nach fünf Tagen keine Linderung eintritt oder die Symptome länger als zehn Tage anhalten«, informierte Professor Dr. Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden, bei einer Pressekonferenz von Boehringer Ingelheim.

Laut der aktuellen europäischen Leitlinie zur Behandlung der Rhinosinusitis (EPOS) steht die schnelle Symptomlinderung im Fokus der Therapie. »Nach der EPOS-Leitlinie stellen bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren Analgetika/nicht steroidale Antirheumatika, Dekongestiva, bestimmte pflanzliche Sekretolytika und Nasenspülungen mit isotoner Kochsalzlösung die therapeutischen Optionen dar«, fasste Klimek zusammen.

Für den Einsatz eines entzündungshemmenden Analgetikums spricht die Pathogenese der Rhinosinusitis; Symptome wie Halsschmerzen, Nasenob­struktion und -sekretion oder Niesen sind Ausdruck einer Entzündung der Schleimhaut. Lokale ­(Tramazolin, Oxymetazolin, Xylometazolin) und systemische (Pseudo­ephedrin, Phenylephrin) Dekongestiva kommen gegen die als besonders lästig empfundene nasale Obstruktion zum Einsatz. Das Analgetikum/NSAR und das Dekongestivum in einer Fixkombination zusammenzustellen, bezeichnete Klimek insofern als sinnvoll, als dass bei einer akuten Rhinosinusitis ein verstopfter Nasenbereich oft von Kopfschmerz und Druckgefühl begleitet wird. »Die schnelle Besserung möglichst vieler Symptome ist mit ­einem Wirkstoff allein nicht zu erreichen. Die Anwendung eines Kombipräparates ermöglicht dies.«

Die europäische Leitlinie favorisiert die systemische Gabe der abschwellend wirkenden Arzneistoffe. Klimek: »Werden die Dekongestiva oral eingenommen, hat das prinzipiell den Vorteil, dass auch eine Wirkung auf die Ostien und eine Belüftung der Nebenhöhlen erzielt wird. Topika zeigen keine Wirksamkeit bei verstopften Nebenhöhlen.« Die europäische Leitlinie empfiehlt für die Selbstmedikation oral Pseudoephedrin (wie in Boxagrippal®).

Klimek machte darauf aufmerksam, dass Patienten mit schweren kardiovaskulären Erkrankungen »sowohl lokale als auch systemische Dekongestiva zurückhaltend einsetzen sollten. Bei einer gut eingestellten Hypertonie hingegen spricht nichts gegen den Einsatz dieser Wirkstoffe«.

Neben der antientzündlichen Therapie sprechen sich die Leitlinien für eine sekretolytische Behandlungskomponente mit definierten pflanzlichen Extrakten aus. Ein Mischdestillat aus rektifizierten ätherischen Ölen, eine standardisierte Fünfer-­Primel-Fixkom­bination oder auch Pelargonium-Extrakte sind in der Lage, die Drainage und die Belüftung im Nasennebenhöhlenbereich zu verbessern. »Empfehlen Sie stets Pflanzenextrakte, mit denen auch die klinischen Studien durchgeführt wurden«, rät Klimek. /