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Blutspende

Potenzial ungenutzt

12.12.2016
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Von Verena Arzbach / In Deutschland spenden rund 3 Prozent der Bevölkerung Blut. Es könnten allerdings mehr sein: Berück­sichtigt man die gesetzlichen Vorgaben, eigneten sich rund 33 Prozent als Spender. Welche Möglichkeiten der Spende gibt es? Wer darf überhaupt Blut spenden und wer ist wann ­ausgeschlossen?

Blut ist lebenswichtig: Es transportiert Sauerstoff und Nährstoffe, wehrt Krankheitserreger ab und verschließt Wunden. Blut mit all seinen Bestandteilen kann bisher nur im menschlichen Körper gebildet werden; einen vollwertigen, künstlich herstellbaren Blutersatz gibt es nicht. Viele Kranke und Verletzte sind daher auf eine Blutspende angewiesen.

Nach Angaben des Blutspendedienstes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wird der größte Anteil des gespendeten Blutes, etwa 19 Prozent, zur Behandlung von Krebspatienten benötigt. Danach folgen Herzerkrankungen, Magen-Darm-Krankheiten und Sport- beziehungsweise Verkehrsunfälle. Der Bedarf an Blut steigt - vor allem infolge des medizinischen Fortschritts, denn die Transfusionsmedizin macht viele Operationen oder Transplantationen möglich. Experten prognostizieren zudem, dass der demografische Wandel in den kommenden Jahrzehnten den Bedarf weiter erhöhen wird. Schon jetzt ­klagen die Blutspendedienste über vorübergehende Engpässe bei der Versorgung mit Blutprodukten, so etwa während der Sommerferien, da dann die Zahl der Spender sinkt.

Vollblut und Plasma

Die DRK-Blutspendedienste decken in Deutschland einen Großteil des Blut­bedarfs ab. Daneben gibt es Kliniken und private Anbieter, bei denen ebenfalls gespendet werden kann. Am weitesten verbreitet ist die sogenannte Vollblutspende. Die daraus hergestellten Blutprodukte kommen meist in ­Kliniken bei Bluttransfusionen zum Einsatz. Es gibt aber auch die Möglichkeit, Blutplasma zu spenden. Daraus werden zum Beispiel Plasmapräparate für Patienten mit Gerinnungsstörungen gewonnen. Zudem wird Plasma auch bei Operationen, nach schweren Verbrennungen oder einem Schock verwendet.

Bei einer Blutspende werden maximal 10 Prozent des zirkulierenden Blutvolumens (rund 500 ml) entnommen. Bei der Plasmaspende ist es etwas mehr, je nach Körpergewicht bis zu 850 ml. Die Plasmaspende erfolgt mittels Plasmapherese: Das Blut wird zentrifugiert und so in seine festen und flüssigen Bestandteile aufgetrennt. Dem Spender werden anschließend die zellulären Anteile des Blutes wieder zugeführt.

Weil dies für den Körper schonender als eine herkömmliche Blutspende ist, darf häufiger gespendet werden: 45 Mal innerhalb eines Jahres darf ­Plasma entnommen werden, bei der normalen Blutspende ist die Anzahl auf vier (Frauen) beziehungsweise sechs Spenden (Männer) pro Jahr beschränkt. Zwischen zwei Blutspenden muss ein Mindestabstand von acht Wochen ­liegen. Bei der Blutspende und bei der späteren Verwendung der Blutkon­serve ist die Blutgruppe des Spenders re­levant, bei der Plasmaspende spielt diese wiederum keine Rolle. Das DRK zahlt aus ethischen Gründen keine ­Aufwandsentschädigung für Spenden, bei anderen Anbietern gibt es dagegen häufig einen kleineren Geldbetrag.

Wer darf und wer nicht

Rechtliches rund um die Blutspende regelt in Deutschland das Transfusionsgesetz. Zudem haben die Bundesärztekammer und das Paul-Ehrlich-Ins­titut umfangreiche Richtlinien erstellt, wer Blut spenden darf und wer nicht. Vor der Blutspende wird ein Arzt dies im Gespräch mit dem Spender überprüfen. So sind etwa bestimmte Personengruppen zeitweise oder dauerhaft von einer Blutspende ausgeschlossen. Mögliche Gründe für eine vorübergehende Sperre sind beispielsweise Infektionen des Spenders, die durch Blut übertragen werden können. Die Dauer der Sperre hängt dabei von der Krankheit ab: Nach Durchfall­erkrankungen sollte zum Beispiel vier Wochen lang kein Blut gespendet werden, Impfungen mit Lebendimpfstoffen führen ebenfalls zu einer Sperre von vier Wochen. Nach einer Hepatitis­A-Infektion muss der Spender dagegen vier Monate pausieren. Und wer in ein Gebiet reist, in dem Malaria verbreitet ist, darf anschließend sechs Monate nicht spenden.

Heilkraft des Spendens

Das Blutspenden entspricht im Grunde einem Aderlass, eine Therapiemethode, die bis ins 19. Jahrhundert bei vielen verschiedenen Leiden angewandt wurde. In der Naturheilkunde ist der Aderlass eine heute noch gängige Methode, schulmedi­zinisch wird er allerdings nur noch bei wenigen Erkrankungen ein­­­ge­setzt, beispielsweise bei der Polycythaemia vera, ­einer seltenen Erkrankung der myeloischen Stammzellen im Knochenmark, oder der Eisen­speicher­krank­heit Hämochromatose.

Forscher an der Berliner Charité haben ein weiteres Indikationsgebiet aufgetan: Regelmäßiges Blutspenden senkt einer klinischen Studie ­zufolge den Blutdruck bei Hyper­tonie-Patien­ten um durchschnittlich 12,2 mmHg systolisch und 6,9 mmHg diastolisch. Die Probanden hatten vier Mal im Jahr 480 ml Blut gespendet. Warum der kontrollierte Blutverlust diesen Effekt hat, ist allerdings noch unklar.

Dauerhaft von der Spende ausgeschlossen sind etwa Patienten mit bestimmten Virusinfektionen, darunter HIV und Hepatitis C, mit schweren neurologischen Erkrankungen, schwerwiegenden Herz- und Gefäßkrankheiten sowie Krebs. Und auch wer durch sein Sexualverhalten ein im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöhtes Risiko hat, sich mit HIV, Hepatitis B oder C anzustecken, darf nicht spenden. Laut der Richtlinie trifft dies auf homosexuelle Männer beziehungsweise Männer, die Geschlechtsverkehr mit Männern haben, Drogenabhängige, Prostituierte und Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern zu.

Hintergrund dieser Regelung ist, dass es in den 1980er-Jahren in vielen Ländern zu HIV-Infektionen durch Blutprodukte gekommen war. Heute wird das Blut mit zahlreichen labormedizinischen Untersuchungen überprüft, Blutkonserven gelten heute als sehr sicher. Daher wird heute vor allem die Frage, ob ein genereller Ausschluss homo­sexueller Männer von der Blutspende nötig ist, kontrovers diskutiert. Homosexuellen-Verbände halten etwa die Regelung für diskriminierend.

Dass das Verbot in naher Zukunft aufgehoben werden könnte, ist nicht ganz unwahrscheinlich: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hatte im Sommer angekündigt, die Regelung überprüfen zu wollen. Bundesärztekammer, Fachverbände und Wissenschaftler erarbeiten gerade eine entsprechende Richtlinie. Im Nachbarland Frankreich etwa dürfen Homo­sexuelle seit Anfang des Jahres wieder Blut spenden, zunächst allerdings nur, wenn sie ein Jahr lang keinen gleichgeschlechtlichen Sex gehabt haben. Sollte eine Studie ergeben, dass es bei Blutspenden von Homosexuellen keine Risiken gäbe, könnten die Möglichkeiten zur Blutspende dort ausgeweitet werden.

Wer Zweifel hat, dass sein gespendetes Blut für die Behandlung von Patienten geeignet ist, für den gibt es noch die Möglichkeit des anonymen Selbstausschlusses. Das heißt, der Spender entscheidet nach der Spende anonym, ob sein Blut für die Übertragung auf andere Personen freigegeben wird. Hintergrund ist, dass bestimmte Infektionen in der Laboruntersuchung erst nach Wochen erkennbar sind. Wenn also zum Beispiel eine Woche zuvor das Risiko bestand, dass sich der Spender mit HIV infiziert haben könnte, er dies aber bei der Blutspende nicht offen zugeben kann, hat er so nachträglich die Möglichkeit zu verhindern, dass sein Blut andere Menschen gefährdet. /­

Voraussetzungen für Blutspender

Blutspender …

  • sollen mindestens 18 Jahre und höchstens 73 Jahre alt sein, bei der ersten Blutspende nicht älter als 64 Jahre.
  • müssen mindestens 50 kg wiegen.
  • sollten sich gesund fühlen.
  • sollten vor der Spende ausreichend essen und trinken.
  • dürfen in den vergangenen 12 Stunden keinen Alkohol getrunken haben.
  • dürfen in den vergangenen vier Wochen keine Drogen konsumiert haben.


Quelle: DRK, www.blutspende.de