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Markteinführung

Zwei Präparate, drei Wirkstoffe

12.12.2016  11:33 Uhr

Von Sven Siebenand / Im Dezember kam mit Zepatier® ein neues Hepatitis-C-Medikament in den Handel. Darin sind gleich zwei neue Wirkstoffe enthalten. Der dritte Neuling ist ein Antikörper, der bei Patienten mit Weichteilsarkomen eine zusätzliche Therapieoption darstellt.

Zepatier® von MSD kommt bei erwachsenen Hepatitis-C-Patienten mit den Genotypen 1 oder 4 infrage. Die übliche Dosis beträgt eine Tablette einmal ­täglich über zwölf Wochen. Die Film­tabletten sind unzerkaut unabhängig von den Mahlzeiten zu schlucken. In ­einigen Fällen kann die Behandlung länger als zwölf Wochen dauern, und das Mittel wird möglicherweise zusammen mit Ribavirin gegeben.

PTA und Apotheker können dazu raten, dass der Patient im Falle von Erbrechen innerhalb von vier Stunden nach Einnahme eine weitere Tablette spätestens acht Stunden vor Gabe der nächsten Tablette einnehmen kann. Tritt das Erbrechen später als vier Stunden nach Einnahme auf, ist keine weitere Dosis erforderlich.

Jede Filmtablette der Fixkombination enthält 50 mg Elbasvir und 100 mg Grazoprevir. Beide Arzneistoffe sind zwar neu, aber Vertreter bekannter Wirkstoffklassen. Elbasvir ist ein Hemmer des Proteins NS5A, das das Hepatitis-C-Virus zur Replikation braucht. Ferner ist NS5A wichtig für den Zusammenbau des Virions. Grazoprevir hemmt das Enzym NS3/A4-Protease, das ebenfalls für die Virusreplikation essenziell ist.

Sehr häufige Nebenwirkungen des neuen Präparats sind Müdigkeit und Kopfschmerzen. Kontraindiziert ist Zepatier bei Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Einschränkung der Leberfunktion. Auch die gleichzeitige Anwendung mit Inhibitoren des organischen Anionen-Transportpolypeptids 1B (OATP1B) ist tabu. Dazu zählen Wirkstoffe wie Rifampicin, Atazanavir, Darunavir, Lopinavir, Saquinavir, Tipranavir oder Ciclosporin. Ebenfalls kontraindiziert ist die gemeinsame Gabe von Zepatier und Induktoren von CYP3A oder P-Glykoprotein wie Efavirenz, ­Phenytoin, Carbamazepin, Bosentan, Modafinil oder Johanniskraut. Die gleichzeitige Anwendung von Zepatier und starken CYP3A-Inhibitoren erhöht die Konzentrationen von Elbasvir und Grazoprevir und wird nicht empfohlen.

Antikörper mit Auflagen

Weichteilsarkome sind bösartige Tumoren, die von Weichgeweben ausgehen. Dazu gehören das Fett-, Muskel- und Bindegewebe sowie Blutgefäße und Nerven. Der neue Antikörper Olaratumab (Lartruvo™) der Firma Lilly ist bei Erwachsenen zugelassen, wenn sich der Krebs in fortgeschrittenem Stadium befindet. Er wird immer mit dem Zytostatikum Doxorubicin kombiniert. Der Einsatz ist auf Fälle beschränkt, in denen eine Operation oder Strahlentherapie nicht infrage kommen und der Patient zuvor noch nicht mit Doxorubicin behandelt wurde.

Olaratumab bindet an den sogenannten Thrombozyten-Wachstumsfaktor-Rezeptor alpha (PDGFRα). Dieses Protein ist bei Krebserkrankungen wie dem Weichteilsarkom in hoher Konzentra­tion vorhanden oder ist überaktiv und führt dazu, dass Zellen kanzerös werden. Indem der Antikörper an PDGFRα bindet, verhindert er, dass andere Sub­stanzen dort andocken. Die Signal­übertragung auf Krebszellen wird damit unterbunden und das Tumorwachstum verlangsamt.

Olaratumab wird infundiert. Währenddessen sind die Patienten auf Anzeichen und Symptome infusionsbedingter Reaktionen zu überwachen, und es sollten geschultes Personal und Ausrüstung für die Notfallreanimation zur Verfügung stehen.

Die empfohlene Olaratumab-Dosis liegt bei 15 mg/kg Körpergewicht. Sie sollte über einen Zeitraum von drei Wochen zweimal, an den Tagen 1 und 8, verabreicht werden. Diese Drei-­Wochen-Zyklen werden fortgesetzt, bis sich die Erkrankung verschlechtert oder die Nebenwirkungen inakzeptabel werden. In bis zu acht Zyklen wird der Antikörper mit Doxorubicin kombiniert, danach geht es mit einer Olaratumab-Monotherapie weiter.

Sehr häufige Nebenwirkungen des Antikörpers sind Übelkeit, Knochen- und Muskelschmerzen, Neutropenie und Mukositis. Lartruvo wurde unter Auflagen zugelassen. Das heißt, dass die europäische Arzneimittelbehörde EMA weitere Nachweise für das Arzneimittel erwartet. Diese wird die EMA jährlich sichten und die Fach- und Gebrauchsinformation dann gegebenenfalls aktualisieren lassen. /

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