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Jung und alt

Im Team gemeinsam erfolgreich

11.12.2017
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Von Andreas Nagel / In vielen Apotheken gehören sowohl ältere als auch jüngere Mitarbeiter zum Team. Aus dem Lebensalter und der Dauer der Betriebszugehörigkeit ergeben sich oft unterschiedliche Denk- und Arbeitsweisen. Wenn sie einige Regeln beachten, können altersgemischte Teams die Stärken der verschiedenen Generationen vereinen und eine stabile Gemeinschaft bilden.

In der Apotheke treffen, wie in vielen anderen Arbeitsumfeldern auch, Mitarbeiter aus verschiedenen Generationen aufeinander. In der Regel lassen sich heute vier Altersgruppen unterscheiden: Die Babyboomer (Jahrgänge 1950 bis 1964), die Generation X (1965 bis 1980), die Generation Y (1981 bis 1995) und die Generation Z (Jahrgänge ab 1996). Da diese Generationen in unterschiedlichen Umfeldern aufgewachsen sind, unterscheiden sich ihre Wert- und Arbeitsvorstellungen oft deutlich voneinander. Diese Einteilung in Generationen versucht, die Hauptmerkmale der jeweiligen Altersklasse darzustellen. Natürlich wird es in jeder Altersgruppe auch immer Mitarbeiter geben, die andere als die genannten typischen Merkmale aufweisen.

Bei den Babyboomern handelt es sich um die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit. Diese Generation hat die Berufstätigkeit stark in den Mittelpunkt ihres Lebens gestellt, um persönlichen Wohlstand und sozialen Aufstieg zu erreichen und den Begriff Workaholic geprägt. Das Motto »Leben, um zu arbeiten« beschreibt das Lebensgefühl dieser Generation. Wichtige Werte und Eigenschaften sind Disziplin, Pflichtbewusstsein, Loyalität, Beständigkeit und Fairness. Gegen Ende des Berufslebens bemüht sich diese Generation nun zunehmend um Entschleunigung.

Die Generation X stellt die Berufstätigkeit nicht mehr so stark in den Vordergrund, sondern versucht vielmehr, Berufs- und Privatleben miteinander in Einklang zu bringen und dadurch ein hohes Maß an Lebensqualität zu erreichen. So entstand der Begriff Work-Life-Balance. Das Motto »Arbeiten, um zu leben« kennzeichnet diese Generation. Mitarbeiter der Generation X sind technisch versiert, sehr individualistisch und streben beruflich und privat nach hohen Freiheitsgraden.

Beruf und Privatleben

Für die Generation Y soll Arbeit vor allem Sinn machen, Spaß bringen und Abwechslung bieten. Berufs- und Privat­leben werden nicht mehr streng voneinander getrennt, sondern verschmelzen zunehmend. Aus Work-­Life-Balance wird hier Work-Life-Blending: »Arbeit und Leben verbinden«. Mitarbeiter der Generation Y möchten private Angelegenheiten auch während der Arbeitszeit regeln können, sind dafür aber auch bereit, in der Freizeit zu arbei­ten oder telefonisch erreichbar zu sein. Das Handy am Arbeitsplatz und eine durchgehende Onlinepräsenz sind Ausdruck dieser Einstellung. Diese Mitarbeiter legen großen Wert auf Selbstverwirklichung, sind aber auch gute Teamplayer, die in der realen und digitalen Welt stark vernetzt sind. Sie sind selbstbewusst, flexibel und an­passungsfähig und stehen Veränderungen aufgeschlossener gegenüber als die vorangegangenen Genera­tionen. Sie sind technikorientiert, haben wenig Respekt vor Autoritäten und bevorzugen Tätigkeiten, bei denen sie mit Menschen gleicher Wellenlänge zusammenarbeiten. Sie möchten, dass ihre Leistung im Team wahrgenommen und anerkannt wird.

Klare Strukturen

Die Jüngeren, die Generation Z, differenzieren wieder stärker zwischen Arbeit und Privatleben. Feste Ab­grenzungen und klare Strukturen sind erwünscht. Selbstverwirklichung wird nicht nur bei der Arbeit, sondern vor allem in der Freizeit gesucht. Die Vielzahl der beruflichen und privaten Möglichkeiten führt dazu, dass diese Mitarbeiter viele Varianten ausprobieren möchten. Die Bindung an einen bestimmten Arbeitgeber oder an Kollegen ist geringer als bei vorangehenden Generationen und zeigt sich beruflich insbesondere in einer höheren Wechselbereitschaft. Gehaltshöhe und Arbeits­platzsicherheit sind für diese »Generation der Erben« oft nicht mehr vorrangig, da materieller Wohlstand oft bereits durch das Elternhaus gegeben ist. Die Generation Z ist mit Computern­, Internet und Smartphones aufgewachsen. Diese Technologien ge­hören fest zu ihrem Leben und werden am Arbeitsplatz und im Privatleben fast ununterbrochen genutzt.

Vorteile gemischter Teams

Altersgemischte Teams profitieren von unterschiedlichen Kenntnissen und Sichtweisen ihrer Mitglieder. Junge Mitarbeiter verfügen über aktuelles Fachwissen, hohes technisches Know-how und bringen neue Ideen in die Apotheke. Ältere Kollegen haben durch ihre langjährige Berufstätigkeit ein umfangreiches Praxis- und Erfahrungswissen. Wenn Jung und Alt im Team zusammenarbeiten, ergänzen sich diese Fähigkeiten. Es entstehen kreative Ideen und bessere Lösungen als in Teams mit gleichaltrigen Mitarbeitern, weil Fragestellungen und Probleme aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden.

Es gibt aber auch Nachteile: In alters­gemischten Teams besteht ein erhöhtes Konfliktpotenzial durch unter­schiedliche Denk- und Arbeitsweisen oder durch abweichende Vorstellungen über den zwischenmenschlichen Umgang – manchmal allein durch pauschale Vorurteile gegenüber den anderen Altersgruppen. Während jüngere Mitarbeiter einen informellen, lockeren Ton bevorzugen, sind ältere Kollegen eher einen förmlichen Umgang gewohnt. Ältere Mitarbeiter haben­ gelegentlich auch das Gefühl, von jüngeren Mitarbeitern durch neue Ideen an die Seite gedrängt zu werden. Für sie sind diese Ideen oft unbequem, weil dadurch gewohnte Arbeitsweisen verändert werden sollen. Umgekehrt haben jüngere Mitarbeiter häufig den Eindruck, dass ihre Ideen und Ver­besserungsvorschläge von älteren Kollegen ausgebremst oder nicht ernst genommen werden. Etwa: »Frau Müller weiß alles besser, obwohl sie hier gerade erst angefangen hat.« Jungen­ Mitarbeitern fehlt meist die Erfahrung und Routine der älteren Mit­arbeiter und »Anfängerfehler« müssen dann von älteren Kollegen korrigiert werden. Umgekehrt haben ältere Mitarbeiter oft Defizite im Umgang mit elektronischen Medien und müssen jüngere Kollegen diesbezüglich um Unterstützung bitten.

Akzeptanz und Toleranz

Damit die Zusammenarbeit gelingt, müssen die Teammitglieder zunächst ihre Unterschiede akzeptieren. Dis­kutieren Sie zum Beispiel doch einmal in einer Mitarbeiterbesprechung die Merkmale der einzelnen Generationen, um Unterschiede transparent zu machen, Vorurteile abzubauen und um zu zeigen, wo die einzelnen Altersgruppen voneinander lernen können. Jeder Mitarbeiter kann dabei die eigene Sichtweise einmal kritisch überdenken, ohne die Perspektive des Kollegen voreilig als altmodisch oder als zu modern­ abzutun. Anschließend kann über Maßnahmen zum Wissens- und Erfahrungsaustausch diskutiert werden, etwa regelmäßige Mitarbeiter­besprechungen.

Jüngere Mitarbeiter sind manchmal der Meinung, dass ältere Kollegen nicht mehr ausreichend lern- und leistungs­fähig sind. Das ist nicht in jedem Fall richtig. Ob und wie sich die Leistungsfähigkeit eines Menschen im Alter verändert, ist individuell unterschiedlich. Oft brauchen ältere Mitarbeiter bei Veränderungen lediglich eine etwas­ längere Einarbeitungszeit (zum Beispiel im Umgang mit der EDV). Es wäre aber falsch, pauschal eine geringe Lern- und Ver­änderungsbereitschaft zu unterstellen.

Gute Ideen

Umgekehrt sollten ältere Mit­arbeiter die Ideen und Verbesserungsvorschläge jüngerer Mitarbeiter nicht voreilig als Besserwisserei abtun, sondern eher als gut gemeinte Ideen eines engagierten Mitarbeiters betrachten. Ältere Mitarbeiter sollten es zudem vermeiden, allzu häufig von früher zu sprechen. Aussagen wie »Früher war das alles besser!« oder »Zu meiner Zeit …« oder »Wenn Sie erst mal in meinem Alter sind ...« kommen bei jungen Kollegen meist nicht gut an. Gleiches gilt für abwertende Kommentare, die mit dem Einleitungssatz »Die Jugend von heute …« beginnen.

In vielen Apotheken hat es sich bewährt­, im Team gemeinsam verbindliche Verein­barungen für eine harmonische Zusammenarbeit zu erarbeiten. Diese Teamregeln sollten schriftlich fixiert, von allen Teammitgliedern unterschrieben und im Pausenraum auf­gehängt werden. Daneben bieten auch gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Ausflüge oder Feiern die Möglichkeit, Kollegen persönlich besser kennenzulernen und besser zu verstehen. /