PTA-Forum online
Arzneistoffe

Neues bei Neurodermitis

11.12.2017
Datenschutz

Von Sven Siebenand / Nach vielen Jahren ohne großen Fortschritt in der Neurodermitis-Behandlung kam im Dezember mit Dupilumab (Dupixent® 300 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze, Sanofi Genzyme) ein Antikörper mit einem hohen Innovationsgrad für die Therapie auf den deutschen Markt. Er wirkt juckreizlindernd und verbessert das Hautbild.

Die Neurodermitis wird auch als atopische Dermatitis bezeichnet und ist eine nicht ansteckende, immunvermittelte, chronische beziehungsweise chronisch-rezidivierende entzündliche Haut­erkrankung. Die Lebensqualität der Patienten ist durch den Juckreiz­ und die Sichtbarkeit der betroffenen Stellen oft eingeschränkt. Gemäß der aktuellen Leitlinie wird die atopische Dermatitis in vier Stufen behandelt. Die vierte Stufe ist durch eine systemische Therapie definiert. Dafür ist in Deutschland der Wirkstoff Ciclosporin A zu­gelassen. Darüber hinaus werden orale Corticoide für eine Kurzzeitanwendung empfohlen.

Nur für Erwachsene

Seit Dezember gibt es nun mit Dupilumab eine neue Behandlungsoption bei erwachsenen Patienten im mittelschweren bis schweren Krankheitsstadium, die für eine systemische Therapie in Betracht kommen. Für Kinder gilt die Zulassung bislang noch nicht, sie wird aber laut Hersteller angestrebt.

Der monoklonale Antikörper greift gezielt­ in pathophysiologisch relevante Prozesse ein. Charakteristisch für Neurodermitis ist eine übermäßige Ausschüttung der proentzündlichen Zytokine Interleukin (IL) 4 und 13. Die Wirkung des neuen Antikörpers beruht auf einer Blockade der IL-4-Rezeptor-α-Untereinheit und verhindert so die Weitergabe der Signale von IL-4 und IL-13. Dies führt zur Besserung des Juckreizes, einem Rückgang der Hautläsionen und einer gesteigerten Lebensqualität.

Als Anfangsdosis erhalten die Patien­ten zwei subkutane Injektionen à 300 mg. Diese sollten an zwei verschie­denen Stellen vorgenommen werden. Danach beträgt die empfohlene Dosierung 300 mg alle zwei Wochen als subkutane Injektion. Die Patienten dürfen sich das Mittel selbst injizieren, wenn sie entsprechend geschult sind.

Den Antikörper sollten sie in den Oberschenkel und den Bauch spritzen. PTA und Apotheker können dazu raten, die Injektionsstellen immer zu wechseln und nicht in empfindliche, verletzte oder vernarbte Hautareale zu spritzen. Bei Patienten, bei denen nach 16 Therapie­wochen kein Ansprechen erkennbar ist, sollte der Arzt den Abbruch der Behandlung in Erwägung ziehen.

Vorsicht bei Wurminfektion

Dupilumab kann durch die Hemmung der IL-4/IL-13-Signal­wege die Immun­reaktion auf eine Wurmerkrankung beeinflussen. Patienten mit einer solchen Helminthose sollten vor dem Start mit dem Antikörper anthelminthisch behandelt worden sein. Wenn der Patient sich während der Dupilumab-Therapie infiziert und nicht auf die Behandlung mit dem Wurmmittel anspricht, muss der Arzt den Antikörper absetzen, bis die Infektion abgeklungen ist.

Im Allgemeinen werden die Dupilumab-Injektionen von den Patienten gut vertragen. In Studien wurden aber sehr häufig Reaktionen an der Injek­tionsstelle beobachtet, zum Beispiel Rötun­gen, Schwellungen oder Juckreiz. Häufig kam es zu Kopfschmerzen, Lippen­herpes und Reaktionen an den Augen, wie Rötung, Trockenheit und Infek­tionen sowie Schwellung der Augen­lider. In der Fachinformation wird ferner darauf hingewiesen, dass Sicherheit und Wirksamkeit der gleichzeitigen Anwendung von Dupixent und Lebend­impfstoffen nicht untersucht sind.

Bei Schwangeren soll der neue Antikörper nur dann zum Einsatz kommen, wenn der potenzielle Nutzen für die Frau das potenzielle Risiko für das Kind rechtfertigt. In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob die Therapie mit Dupilumab unterbrochen oder ob auf das Stillen verzichtet wird. Dupixent ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad Celsius zu lagern. Nach der Entnahme aus dem Kühlschrank sollte das Mittel nach 45 Minuten injiziert werden­, wenn es Raumtemperatur ange­nommen hat. Patienten sollten die Fertigspritze zudem niemals Hitze und direktem Sonnenlicht aussetzen und das Präparat nicht schütteln. /