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Anti-Pollution-Präparate

Schutz gegen Schmutz

11.12.2017
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Von Elke Wolf / Es liegt was in der Luft: Und das ist für unseren Teint nicht unbedingt rosig. Feinstaub, Ozon und Abgase strapazieren zunehmend unsere Haut und lassen sie vorzeitig altern. Sogenannte Anti-Pollution-Präparate sollen der Haut helfen, der Luftverschmutzung zu trotzen.

Nirgendwo werden höhere Luftschadstoff-Konzentrationen gemessen als in Megacitys wie Tokio, New York oder London. In vielen asiatischen Metropolen wie Peking oder Singapur gehört Smog zum Alltag. Verglichen damit hält sich die Luftverschmutzung in deutschen Groß­städten noch in Grenzen, doch auch hierzulande klettern die Schadstoffwerte weiter in die Höhe.

Hotspot in Deutschland ist aufgrund seiner Kessellage Stuttgart. Aber etwa auch Hamburg hat aufgrund der vielen Kreuzfahrtschiffe und Frachter zu­mindest in Elbnähe ein massives Feinstaubproblem, wie Dermatologen und Umweltexperten um Professor Dr. Jean Krutmann, Direktor des Leibniz-Instituts für Umweltmedizinische Forschung (IUF) in Düsseldorf, herausgefunden haben­. Seit den 1980er-Jahren begleitet das IUZ Studien, in denen die Kon­sequenzen der Luftverschmutzung für die Haut analysiert werden. Krutmann weist da­rauf hin, dass auch ländliche Regio­nen betroffen sind, weil der Wind die schädlichen Partikel weiterträgt.

 

Die Faktoren, die bei der Hautschä­digung durch Um­welt­einflüsse eine Rolle spielen, sind Feinstaubpartikel, freie Radi­kale und UV­-Strahlung. Feinstaub und freie Radikale entstehen bei Ver­brennungspro­zessen von Autos, Indus­trieanlagen und Kraftwerken. Die Wissenschaftler des IUZ haben herausgefunden, dass die Haut besonders stark auf Ruß rea­giert, also jener Feinstaub aus dem Auspuff eines Dieselmotors. Weitere Schadstoff­quellen sind Zigaretten und in Innenräumen offene Kamine, Fotokopierer und Laserdrucker. Trifft dann noch UV-Strahlung auf die Stickoxide aus Auto- und Fabrikabgasen, flüchtige orga­nische Verbindungen sowie Kohlen­monoxid, werden diese sogenannten Vorläufergase durch photochemische Reaktionen in Ozon umgewandelt.

 

Die Umweltgifte greifen den Schutzmantel der Haut direkt an. Gerade Feinstaub, dessen Partikel einen Durchmesser unter 10 Nanogramm haben und für uns unsichtbar sind, setzt sich leicht in die Hautporen. Dort ist er besonders reaktiv: Die Partikel reagieren mit der obersten Hautschicht, die reich an Lipiden ist, und es werden freie Radikale gebildet. Das bedeutet massiven oxidativen Stress für die Zellstrukturen.

 

Dadurch leidet die Schutzbarriere der Haut, der natürliche transepidermale Wasserverlust erhöht sich und die Kollagen- und Elastinproduktion gehen zurück. Das sieht man der Haut an: Sie wird trocken und fahl, zeigt Fältchen und Hyperpigmentierungen. Rötungen zeugen von Mikroent­zündungen, die in der obersten Hautschicht ablaufen. Eine Studie des IUF belegt, dass Frauen, die im Alltag einer hohen Luft­verschmutzung ausgesetzt waren, 20 Prozent mehr Pigmentflecken im Gesicht (vor allem auf den Wangen) bekamen­ als Frauen in un­belasteter Umgebung.

 

Die gute Nachricht: Mit konsequenter Reinigung und der geeigneten Pflege lassen sich Umweltschäden vorbeugen. Je gründlicher die Haut gereinigt, wird desto weniger feine Partikel bleiben an der Ober­fläche haften. Die konsequente Gesichtsreinigung ist deshalb das A und O. Die IUF-Experten empfehlen, die Haut gleich nach dem Nachhausekommen zu reinigen und nicht erst vor dem Zubett­gehen. So lasse sich die Schadstoffbelastung verringern.

 

Nach der Reinigung kommen Anti-Pollution-Präparate zum Einsatz. Der englische Begriff »pollu­tion« kann mit »Belastung« oder »Umweltverschmutzung« übersetzt werden. Zubereitungen unter dieser Auslobung sind zwar erst wenige Monate bis Jahre auf dem Markt, ergänzen aber mittlerweile die Produktpalette vieler Kosmetikserien. Anti-Pollu­tion-Präparate arbeiten nach zwei Wirkprinzipien: Entweder verhindern ihre Inhaltsstoffe das Anheften der Schadstoffpartikel aus der Luft an die Haut oder sie enthalten Antioxidanzien, die das durch freie Radikale ausgelöste Stresslevel der Haut reduzieren können.

 

Das Anheften verhindern etwa Extrak­te aus Sonnenblumenkernen, weißem Tee, Efeu, die Braunalge Fucus serratus oder auch Forsythosid B aus Andorn (wie Age-Defense Treatment Lotion with White Tea von Origins, Skintelligence Skin Protection Mask von Reviderm, Daily Superfoliant von Dermalogica, Anti Pollution Day Cream von Dr. Schrammek). Sie sind reich an Phenolsäuren, die in der Lage sind, mit den eigentlich schädlichen Metallionen einen Komplex zu bilden und diese zu binden, damit sie für die Hautbarriere unschädlich werden.

Barriere stärken

Präparate, die Chiasamen-, Mandel-, Koriandersamen- und Jojobaöl ent­halten (wie Reinigungsöl & Maske Anti-Pollution- und Detox-Effekt von Frei Öl®), oder solche mit »Lotus­effekt« (wie Life Plankton Sensitive Emulsion von Biotherm) verhindern das An­haften von Feinstaub dank einer­ Kombination aus hautähnlichen Lipiden und Polymeren aus Plankton, die sich wie ein Schutzschild auf die Haut legt. Je besser die Haut mit Lipiden und Feuchthaltefaktoren versorgt­ ist, desto effektiver kann sie als Schutzschild wirken. Auch Niacinamid, Plankton und Bifidus-Pro­biotikum-Extrakt (wie Slow Âge von Vichy, Life Plankton Sensitive Emul­sion von Biotherm) sind in der Lage, die natürliche Barrierefunktion wieder herzustellen.

 

Andere Anti-Pollution-Zubereitungen zie­len darauf ab, den oxidativen Stress zu reduzieren. Das ist das Aufgaben­gebiet von Antioxidanzien. Hoch konzentriertes Vitamin C und E, Idebenon, grüner Tee, Phytinsäure der Reiskleie, Baicalin aus der Baikalwurzel, poly­phenolhaltiger Extrakt aus dem Wiesen­knöterich, Eben­holz- oder Orangen­extrakt (wie Slow Âge von Vichy­, Multi-­Defense Feuchtigkeitscreme von Neutrogena, Vine[Activ] von Caudalíe­, Hydra-Essentiel Gel Sorbet Désaltérant­ von Clarins) fangen freie Radikale ab, bevor sie ihre kollagen­ab­bauende Wirkung entfalten können. Zudem ist es sinnvoll, eine Pflege zu wählen­, der ein Lichtschutzfaktor zu­gesetzt ist.

 

Damit wird klar: Es gibt zwar wirk­same Zubereitungen, die die Haut vor den negativen Umwelteinflüssen bewahren. Das kann auch das IUF anhand von Studien dokumentieren. Aber die Inhaltsstoffe verfolgen kein neues Wirkprinzip. Antioxidanzien- oder Lipid­-reiche Pflege gibt es schon länger auf dem Markt. Neu ist lediglich die Vermarktung als »Neutralisierer von Umweltschadstoffen«. /