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Arzneipflanzenporträt

Schöllkraut

10.12.2018
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Chelidonium majus Familie der Mohngewächse (Papaveraceae)
Weitere Namen: Warzenkraut, Goldwurz, Marienkraut, Teufelsmilchkraut

Merkmale

  • 30 bis 60 cm hohe mehrjährige Staude mit kurzem gelblichem Wurzelstock
  • verzweigter und abstehend behaarter Stängel
  • unpaarig buchtig-gefiederte Blätter, oberseits hellgrün, unterseits blaugrün und bereift
  • orangegelber Milchsaft, der beim Verletzen der Pflanze austritt
  • 1 bis 2 cm große Blüten aus vier gelben Kronblättern und zahlreichen Staubblättern, zu zweit bis zu sechst in endständigen lockeren Dolden stehend
  • Blütezeit Mai bis September
  • zahlreiche kleine eiförmige schwarze Samen in etwa 5 cm langen, schmalen Schoten
  • Samen tragen weißliches, süß-klebriges, öliges Anhängsel (Elaiosom)

Heimat

  • subarktische bis mediterrane Zonen Europas, gemäßigte und subarktische Gebiete Asiens
  • Droge stammt vorwiegend aus Osteuropa

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

getrocknetes Kraut (Chelidonii herba)

Inhaltsstoffe

  • Alkaloide (zum Beispiel Coptisin, Chelidonin, Sanguinarin)
  • Chelidonsäure
  • Kaffeesäurederivate

Medizinische Anwendung

  • ESCOP: leichte Krämpfe im oberen Magen-Darm-Trakt, leichte Gallenbeschwerden sowie dyspeptische Beschwerden wie Blähungen
  • Kommission E: krampfartige Beschwerden im Bereich der Gallenwege und des Magen-Darm-Trakts
  • Der Ausschuss der Europäischen Arzneimittelagentur »Herbal Medicinal Product Committee« (HMPC) stuft das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Schöllkraut als negativ ein.
  • In der Volksmedizin wird der frische Milchsaft des Schöllkrauts zur Behandlung von Warzen verwendet.

Empfohlene Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage

Zubereitung

Wegen möglicher Nebenwirkungen soll Schöllkraut nicht als Tee angewendet werden.

Nebenwirkungen

selten, besonders bei hohen Dosier­ungen Anstieg der Leber­enzymwerte und des Bilirubins bis hin zu arzneimittelbedingter Hepatitis und Leberversagen

Wechselwirkungen

keine bekannt

Kontraindikationen

  • bestehende oder frühere Lebererkrankungen, Gallensteinleiden oder Verschluss der Gallenwege
  • gleichzeitige Einnahme von Arzneimitteln mit leberschädigenden Eigenschaften
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kinder unter drei Jahren

Abgabehinweis

Bei Zeichen einer Leberschädigung (Gelbfärbung der Haut oder Augen, dunkler Urin, entfärbter Stuhl, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Appetitverlust, Müdigkeit) Einnahme sofort beenden und einen Arzt aufsuchen.

Präparate

Kombipräparat: Iberogast®

Außerdem verschiedene Homöo­pathika, zum Beispiel Choleodoron Tropfen Weleda, Hepar-Hevert Lebertabletten/-tropfen, Hepeel® N

Gefahrenhinweise aufgenommen

Nach jahrelangem Streit mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat der Pharmakonzern Bayer im September 2018 eingelenkt: Die Packungsbeilage des Magen-Darm-Mittels Iberogast wird geändert und ein Warn­hinweis zu möglichen Leberschäden durch Schöllkraut aufgenommen. Bereits 2008 hatte das BfArM die Hersteller Schöllkraut­-haltiger Arzneimittel aufgefordert, auf die Gefahr einer Leber­schädigung hinzuweisen und die Einnahme für Schwangere und stillende Frauen vollständig auszuschließen.