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Blutzucker im Fokus

Autofahren mit Diabetes

Mit Diabetes Auto fahren ist heute in aller Regel kein Thema mehr. Gute Schulung, die mit den Jahren wachsende Erfahrung des Diabetikers mit seiner Krankheit und schnelle Blutzucker-Mess-Systeme garantieren immer mehr Sicherheit. Damit Diabetiker sicher fahren, im Folgenden einige praxisnahe Tipps.
Isabel Weinert
29.10.2020  16:00 Uhr

Diabetiker, die Medikamente einnehmen, die Unterzuckerungen als Nebenwirkung auslösen können, und solche, die Insulin spritzen, müssen vor einer Autofahrt immer ihren Blutzucker messen. Warum? Bei Werten unter 70 mg/dl sind sie unterzuckert und dürfen erst mit dem Auto starten, wenn der Zucker wieder auf Normalniveau liegt. Denn Hypoglykämien beeinflussen Konzentration und Reaktionsfähigkeit deutlich.

Um mit Diabetes Auto fahren zu können, muss man Symptome einer Unterzuckerung aber auf jeden Fall auch gut erkennen können. Klassisch sind plötzliche Müdigkeit, plötzliches häufiges Gähnen, zittriges, fahriges Gefühl, Heißhunger, Stimmungswechsel. Sinken die Werte weiter, können deutliche Sehstörungen auftreten. Von Diabetiker zu Diabetiker äußern sich Unterzuckerungen meist etwas unterschiedlich, nach langer Krankheitsdauer oft nur in subtilen, kaum merklichen Symptomen. Als Diabetiker muss man deshalb immer genau darauf achten, wie sich Symptome verändern.

Unterzuckerung wahrnehmen

Diabetiker mit einer sogenannten Unterzucker-Wahrnehmungsstörung müssen auf das Autofahren verzichten, bis sie wieder in der Lage sind, niedrige Werte zu spüren. Dazu gibt es bei Diabetologen spezielle Trainings.

Hat ein Diabetiker über längere Zeit hohe Blutzuckerwerte, und der Arzt senkt sie dann mittels einer anderen Therapie, so kann der Diabetiker bereits bei Blutzuckerwerten Unterzucker-Symptome verspüren, bei denen diese normalerweise noch gar nicht auftreten, also zum Beispiel schon bei 120 mg/dl, eigentlich einem prima Wert. In diesem Fall sollten sich Menschen mit Zuckerkrankheit beim Autofahren nicht am Blutzuckerwert, sondern immer an den Symptomen orientieren, denn sie machen die Eigen- und Fremdgefährdung aus. Bleibt die Blutzuckereinstellung dann über mehrere Wochen gut, rutscht auch die Unterzucker-Symptomgrenze immer weiter nach unten – wie es bei einem gut eingestellten Diabetes normal ist.

Therapieumstellung und Traubenzucker

Bei einer Therapieumstellung, etwa beim Wechsel von oralen Antidiabetika zu Insulin oder von einem Insulin auf ein anderes, gilt besondere Vorsicht beim Autofahren. Am besten verzichtet man solange, bis der Arzt sein »Go« gibt.

Traubenzucker, am besten in Form von Täfelchen oder als Glucosegel, gehört immer ins Auto, und zwar vorne, griffbereit für den Fahrer. Weil das Öffnen der Traubenzucker-Täfelchen aus ihrer Hülle in aller Regel beider Hände bedarf, am besten immer schon einige vorher ausgepackte in ein leicht zu öffnendes Kästchen oder in eine Tüte legen. Wer vor der Fahrt ausprobiert, mit welchem Behältnis er problemlos an den Traubenzucker kommt, erlebt während der Fahrt keine gefährlichen Überraschungen.

Frischer Traubenzucker und Blutzucker messen

Traubenzucker in Täfelchen härtet mit der Zeit. Irgendwann ist er so hart, dass weder Speichel ihn löst noch Zähne ihn beißen können. Deshalb tauschen Diabetiker nicht verbrauchten Traubenzucker regelmäßig aus, damit sie bei einer Unterzuckerung nicht sprichwörtlich auf Granit beißen.

Damit während der Fahrt nichts schief geht mit dem Blutzucker, steht alle zwei Stunden Blutzuckermessen auf dem Plan und immer dann, wenn man Symptome einer Unterzuckerung spürt. Wer sich zum Messen in den Finger piksen muss, der darf das nicht während der Fahrt tun. Auch wenn manch langjährige Diabetiker meinen, das Prozedere auch am Steuer im Griff zu haben – Finger weg, eindeutig zu gefährlich! Anders sieht es mit einem kontinuierlichen Messsystem aus. Hier kann etwa der Beifahrer den Blutzucker des Fahrers scannen, so dass dessen Aufmerksamkeit nicht abgelenkt wird und er seine Hände am Steuer lassen kann.

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