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Selbstheilungskräfte aktivieren

Ayurvedisch essen nach den Doshas

Die Ernährung spielt im Ayurveda eine bedeutende Rolle und ist bei Krankheiten eine feste medizinische Säule. Sie richtet sich nach der individuellen Konstitution des Menschen und soll die Selbstheilungskräfte stärken. Dafür müssen keine aufwendigen Rezepte her.
Andrea Pütz
04.05.2021  08:30 Uhr

Der ayurvedische Speiseplan wird nicht an strenge Richtlinien, sondern an die eigenen Bedürfnisse angepasst. Dafür braucht es keine eigenständigen Rezepte. Ayurvedisch Kochen kann jeder erlernen und in seinen Alltag integrieren. Wer nach dem ayurvedischen Prinzip seine Gesundheit stärken möchte, sollte aber ein paar Basics verinnerlichen.

Die Verdauung ist ein zentrales Thema im Ayurveda. So ist beispielsweise die richtige Nahrungsmenge wichtig, damit die Verdauung störungsfrei läuft. Um diese für sich auszuloten, stellt man sich das Magenvolumen in vier Teilen vor: Die feste Nahrung darf zwei Teile einnehmen und die flüssige wie Suppen und Getränke einen. Das vierte Viertel bleibt frei. Eine gute Idee ist es daher, beim Essen in sich hineinzuhorchen und nicht bis zur vollständigen Sättigung zu essen.

Zwischenmahlzeiten belasten laut ayurvedischer Lehre den Stoffwechsel und die Verdauung. Nur wer sehr viel Energie verbrennt, der kann auch am Vormittag und Nachmittag einen gesunden, kleinen Snack zwischen den Hauptmahlzeiten einnehmen. Ansonsten gilt: Morgens ist das Frühstück leicht, da die Verdauung noch nicht voll in Fahrt ist. Mittags darf es eine volle Hauptmahlzeit sein, denn die Verdauungskraft ist auf dem Höhepunkt. Abends steht etwa drei Stunden vor dem Schlafengehen eine leichte, warme Mahlzeit auf dem Plan. Käse, Joghurt und säuerliche Speisen sind dann tabu, da sie nach ayurvedischer Philosophie die »Transportkanäle« beeinträchtigen.

Ein- bis anderthalb Stunden vor und nach dem Essen sollte nicht getrunken werden, damit das »Verdauungsfeuer« (Agni) nicht erlischt. Verdauungsfördernde Tees bilden die Ausnahme. Als verdauungsunterstützend gilt es ebenso, zu den Mahlzeiten schluckweise ein Glas warmes Wasser zu trinken. Zur Flüssigkeitsversorgung werden bevorzugt stilles Mineralwasser, warmes Leitungswasser, Ingwerwasser oder Kräuter- und Gewürztees empfohlen. Ein Glas warmes Wasser regt zudem als Morgenritual die Verdauung an.

Gekochte, warme Speisen aktivieren den Stoffwechsel und erleichtern die Verdauung, da der Körper die Nährstoffe einfacher aufspalten und verwerten kann. Wer mindestens mittags und abends warme und selbst zubereitete Gerichte isst, der entlastet seinen Organismus. Tagsüber können kleine Mengen Rohkost ergänzt werden, sie bilden aber eher die Ausnahme. Abends dann besser nur leicht verdauliche Speisen.

Clever kombiniert

Nach der Erfahrungsheilkunde wird in der ayurvedischen Ernährung großer Wert darauf gelegt, Nahrungsmittel richtig zu kombinieren. Einige Zusammenstellungen werden gemieden, da sie die Transportfunktionen behindern, das Blut »verunreinigen« und Auslöser von Krankheiten sein können. So soll beispielsweise Milch nie gleichzeitig mit Saurem, Salzigem, Fleisch, Fisch und Blattgemüse verzehrt werden. Mit Honig, Ghee (geklärte Butter) und Butter verträgt sich Milch hingegen gut. Ebenfalls keine gesunde Kombination sind frische Früchte mit gekochten Speisen und saure Früchte mit Joghurt und Käse.

Neben Frische, Regionalität und Saisonalität sollte ein Augenmerk auf die Qualität der Lebensmittel gelegt werden – sie sollten also Bioware sein oder aus dem Eigenanbau stammen, ohne Belastung mit Schadstoffen und Co. Der Theorie zufolge werden somit die körpereigenen Entgiftungsfunktionen entlastet.

Vata, Pitta, Kapha?

Nach der Ayurveda-Lehre hat jeder Mensch eine angeborene »Prakriti«. Dies ist die ihm von der Natur gegebene physische und psychische Konstitution – mit allen Stärken und Schwächen. Diese wird definiert durch ein spezifisches Verhältnis aus den drei sogenannten Dosha-Grundtypen. Doshas sind Kräfte, die das gesunde Gleichgewicht zwischen Körper und Geist regeln. Sie haben einen großen Einfluss auf die individuelle Verträglichkeit von Lebensmitteln und die Gesundheit. Je nach Alter, Lebensphasen, Jahres- und Tageszeit und hormonellen Schwankungen variieren sie. Krankheiten entstehen nach der ayurvedischen Philosophie durch ein anhaltendes Ungleichgewicht der Doshas.

  • Vata besteht aus den Elementen Luft und Raum und ist verantwortlich für Bewegung, Atmung, Nervensystem sowie Lebensenergie, Kreativität und Begeisterung. Eine Dysbalance kann etwa zu Nervosität und Schlaflosigkeit führen.
  • Kapha wird aus den Elementen Erde und Wasser gebildet und steht für die Struktur und Stabilität des Körpers und psychisch für Zufriedenheit, Ruhe und Geduld. Ein Ungleichgewicht kann etwa zu Übergewicht und Gier führen.
  • Pitta setzt sich aus den Elementen Feuer und Wasser zusammen und steht für Stoffwechsel, Verdauung und einen scharfen Intellekt und Durchsetzungsstärke. Ist Pitta nicht im Gleichgewicht, können Wut und Verdauungsstörungen die Folge sein.

Wer gesundheitliche Beschwerden hat und sich gezielt nach der Lehre des Ayurveda ernähren möchte, der sollte zuerst seinen Konstitutionstyp bestimmen (lassen). Dies gelingt entweder mithilfe eines guten Ratgebers oder Ayurveda-Experten. Mit Art und Menge der Nahrungsmittel und Gewürze kann man dann gezielt sein Dosha stärken. Das hält nicht nur gesund, sondern trägt auch zur Heilung bei – im Sinne von »Ernährung als Medizin«.

Gut gewürzt ist halb gewonnen

In der ayurvedischen Ernährungslehre existieren sechs Geschmacksrichtungen, die ebenfalls den fünf Elementen zugeordnet sind: süß (Erde, Wasser), sauer (Erde, Feuer), salzig (Wasser, Feuer), scharf (Feuer, Luft), bitter (Luft, Raum) und herb beziehungsweise adstringierend (Luft, Erde). Als besonders gesund und ausgewogen gilt im Ayurveda eine Mahlzeit, wenn sie alle sechs Geschmacksrichtungen vereint.

Diese Geschmacksrichtungen haben einen großen Einfluss auf die Dosha-Balance und die Gesundheit, denn sie wirken unterschiedlich auf den Körper. So soll beispielsweise »Süßes« wie Früchte, Kürbis, Süßkartoffeln und Honig und stärkehaltige Lebensmittel wie Getreide den Körper beruhigen, stärken und stabilisieren.

»Scharfes« wie Chili, Ingwer, Senf und Kresse stimuliert hingegen den Körper, stillt Schmerzen und treibt den Schweiß. Aus diesem Grund enthalten anregende ayurvedische Teemischungen oder die »Golden Milk«, auch Kurkuma-Latte genannt, Gewürze wie Ingwer, schwarzen Pfeffer, Zimt, Kardamom und Kurkuma. »Bittere« Lebensmittel wie Löwenzahn, Kurkuma und Spinat sollen das Blut reinigen und entgiften und damit den gesamten Körper stärken.

Eine große Rolle in der ayurvedischen Küche spielen die Gewürze. Für die Inder sind Gewürze göttliche Nahrung. Sie besitzen nach ihrer Heilslehre große Kräfte, die gesund machen und Heilung bringen. Als die zehn Königsgewürze der ayurvedischen Küche werden Nelken, Kurkuma, Ingwer, Kardamom, Koriander, Kreuzkümmel, Muskat, Pfeffer, Safran und Zimt bezeichnet.

Im Ayurveda werden Vata-Typen eher süße, saure und salzige Nahrungsmittel empfohlen. Pitta-Typen profitieren von einer Tendenz zu süßen, bitteren und herben Speisen, Kapha hingegen von scharfem, bitterem und herbem Geschmack. Mit einer individuell auf den Dosha-Typ abgestimmten Gewürzmischung (Churna) kann die Gesundheit noch intensiver gestärkt werden. Ein im Ayurveda häufig verwendetes Churna ist Triphala, was so viel bedeutet wie »aus drei Früchten bestehend«. Es besteht zu gleichen Teilen aus den Pflanzen Amalaki, Bibhitaki und Haritaki. Diese Mischung soll die drei Doshas harmonisieren und die Verdauung verbessern.

Neben dem Geschmack ist auch die Zubereitung der Speisen zu überdenken. So sollten beispielsweise Vata-Typen drei warme, gekochte Speisen pro Tag bevorzugen. Selbst ein Apfel wird dadurch besser verdaut. Vor allem Dosha-Mischtypen wird angeraten, bei gesundheitlichen Beschwerden einen Experten aufzusuchen. Dieser wird erkennen, welche »Kräfte« aus dem Gleichgewicht sind und kann dann noch zielgerichteter Ernährungsempfehlungen aussprechen.

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