PTA-Forum online
Lebererkrankung

Virale Hepatitis: B und D im Fokus

Die Innovationen haben auch ihren Preis, im wahrsten Sinne des Wortes. Zwar wurde das erste DAA Sofosbuvir (Sovaldi®) als Sensation gefeiert, allerdings musste Hersteller Gilead aufgrund der hohen Therapiekosten auch viel Kritik einstecken. Sovaldi wurde als »1000-Dollar-Pille« bekannt, da die Kosten bei der Markteinführung bei rund 1000 US-Dollar (damals etwa 700 Euro) pro Tablette lagen. 19.999 Euro kostete eine Dose mit 28 Tabletten, bei einer zwölfwöchigen Behandlung kam man damit pro Patient auf rund 60.000 Euro. Dazu kamen außerdem noch die Präparate, die zusätzlich zu Sofosbuvir eingenommen werden müssen. Die Kosten für die Behandlung beliefen sich so schnell auf bis zu 100.000 Euro pro Patient.

Inzwischen ist die Behandlung zumindest etwas preiswerter geworden. Mittlerweile gibt es einige DAA-Kombinationspräpate, etwa Harvoni® (Ledipasvir plus Sofosbuvir), Epclusa® (Veltapasvir plus Sofosbuvir) oder Vosevi® (Velpatasvir, Voxilaprevir und Sofosbuvir). Dennoch belaufen sich die Kosten für eine zwölfwöchige Therapie immer noch auf mehrere Zehntausend Euro.

Keine Heilung bei B

Eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie bei der Behandlung der Hepatitis C ist bei der Hepatitis B nicht in Sicht. Hier wird eine Heilung auf absehbare Zeit nicht möglich sein, sind sich Experten einig. Grund ist eine Besonderheit des Virus, das die Behandlung erschwert: Beim Hepatitis-B-Virus (HBV) handelt es sich im Gegensatz zu den anderen Hepatitis-Viren, allesamt RNA-Viren, um ein DNA-Virus. Das bedeutet, die Virus-DNA kann in das Genom des Wirts integriert werden. Die Virus-DNA wird dann bei der Zellteilung des Wirtes weitergegeben und jede Zelle erhält virales Genom. Die Hepatitis B zählt zu den häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt. Weltweit haben nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO etwa 2 Milliarden Menschen eine HBV-Infektion durchgemacht oder durchlaufen aktuell eine. Etwa 3 Prozent der Weltbevölkerung, circa 240 Millionen Menschen, sind chronisch mit HBV infiziert. Übertragen wird das Virus durch sexuellen Kontakt sowie durch Blut und seine Produkte. Besonders gefährdet sind Drogenkonsumenten, die Spritzen, Kanülen oder Röhrchen zum nasalen Konsum gemeinsam benutzen.

Bei einer akuten HBV-Infektion treten bei etwa zwei Drittel der Betroffenen keine oder nur milde grippeähnliche Symptome auf. Rund ein Drittel leidet etwa zwei bis drei Monate nach der Ansteckung unter Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Hautveränderungen. Selten entwickelt sich eine Gelbsucht (Ikterus): Augen und Haut färben sich gelb, der Urin wird dunkler, der Kot heller.

Meist wird eine Hepatitis B jedoch nur per Zufall diagnostiziert, etwa wenn der Arzt bei einer Routineuntersuchung erhöhte Leberwerte feststellt.

Bei etwa 95 Prozent der Erwachsenen heilt die Infektion ohne Folgeschäden wieder vollständig aus. Die Betroffenen sind dann immun gegenüber dem Virus. Doch bei rund 5 Prozent wird die Infektion chronisch. Dann kann sich eine Leberentzündung mit fortschreitender Vernarbung des Gewebes entwickeln. Diese Leberfibrose kann im weiteren Verlauf zu Störungen der Leberfunktion und schließlich zur Leberzirrhose führen. Eine chronische Infektion mit dem Hepatitis B-Virus und eine Leberzirrhose erhöhen zudem das Risiko, an Leberzellkrebs zu erkranken.

Therapieziel bei einer chronischen HBV-Infektion ist es, das Virus dauerhaft unter die Kontrolle des Immunsystems zu bringen. Die Patienten werden dazu zum Beispiel mit Interferon-α oder einem Polymerase-Hemmer wie Entecavir oder Tenofovir behandelt. Wissenschaftler forschen aktuell an weiteren Therapiemöglichkeiten, um das Virus besser in den Griff zu bekommen und die Behandlung für den Patienten zu vereinfachen. In der Entwicklung befinden sich beispielsweise die sogenannten Kapsidinhibitoren, die die Freisetzung neuer Viren aus der Wirtszelle verhindern sollen. Im Gegensatz zu HCV gibt es eine Impfung gegen das Hepatitis-B-Virus. Neben einem monovalenten Impfstoff gegen Hepatitis B (Engerix-B®, HBVAXPRO®) ist auch eine Kombinationsvakzine verfügbar, die zusätzlich vor Hepatitis A schützt (Twinrix®). Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt die HBV-Impfung für alle Säuglinge und Kleinkinder. Zwar ist die Erkrankung bei ihnen selten, aber Säuglinge und Kleinkinder haben mit bis zu 90 Prozent ein extrem hohes Risiko, dass die Infektion bei ihnen chronisch verläuft. Für Kinder von Müttern mit einer chronischen Hepatitis B empfiehlt die STIKO sogar eine Impfung direkt nach der Geburt.

Im Erwachsenenalter sollten sich laut STIKO besonders gefährdete Personengruppen impfen lassen. Dazu zählen Personen mit bestimmten Erkrankungen, beispielsweise HIV-Infizierte und Dialysepatienten, und solche mit erhöhtem Expositionsrisiko, etwa Personal in medizinischen Einrichtungen, Ersthelfer und Personen mit Sexualverhalten mit hohem Infektionsrisiko. Studien zufolge reicht eine erfolgreiche Hepatitis-B-Grundimmunisierung im Erwachsenenalter aus, es sind in der Regel keine weiteren Auffrischimpfungen nötig. Nur bestimmten Patienten, etwa mit Immundefizienz, wird empfohlen, regelmäßig die Antikörpertiter kontrollieren zu lassen.

Mehr von Avoxa