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Ausdauer und Geduld

Bei Neuropathischen Schmerzen zuversichtlich bleiben

Auswahl treffen

Die ansonsten so bedeutende Analgetikagruppe der nicht steroidalen Antiphlogistika ist bei neuropathischen Schmerzen nicht oder nur gering wirksam. Stattdessen werden vor allem die sogenannten Adjuvanzien aus dem WHO-Schema der Schmerzbehandlung eingesetzt. Die Therapie neuropathischer Schmerzen stützt sich im Wesentlichen auf die Antiepileptika Gabapentin und Pregabalin sowie auf trizyklische Antidepressiva und den selektiven Serotonin-/Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer Duloxetin. Diesen Wirkstoffen ist gemeinsam, dass sie die Schmerzverarbeitung der Nerven verändern und so die Schmerzen positiv beeinflussen. Sie werden allein oder als Kombination von zwei bis drei Wirkstoffen verschiedener Substanzklassen eingesetzt. Welcher Arzneistoff beziehungsweise welche Kombination geeignet erscheint, entscheidet der Arzt unter Berücksichtigung der Stärke der Schmerzen, der individuellen Verträglichkeit und möglicher Wechselwirkungen mit einer bestehenden Therapie des Patienten. Wie lange die Behandlung dauert, ist individuell verschieden. Wenn der Arzt nach einigen Wochen einen Absetzversuch für erfolgsversprechend erachtet, kann das Arzneimittel langsam ausgeschlichen werden. Das heißt, die Dosis der eingesetzten Medikamente wird über mindestens eine Woche schrittweise gesenkt.

Nicht alle Antiepileptika

Gabapentin und Pregabalin binden mit hoher Affinität an eine Untereinheit der präsynaptischen spannungsabhängigen Calciumkanäle und reduzieren den aktivierenden Calciumeinstrom. Damit unterdrücken sie die Freisetzung schmerzvermittelnder Transmitter und die Schmerzweiterleitung. Die Initialdosis wird über ein bis drei Wochen sukzessive erhöht, bis je nach individueller Verträglichkeit die anvisierte Tagesdosis erreicht ist. Als Nebenwirkungen von Gabapentin und Pregabalin können eine Gewichtszunahme auftreten, Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit, periphere Ödeme sowie Gangstörungen und Störungen der Bewegungskoordination.

Gelegentlich wird auch das Antiepileptikum Lamotrigin Off-Label bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt, wenn die Mittel der ersten Wahl nicht oder nicht ausreichend wirken. Gute Erfahrungen gibt es damit beispielsweise bei HIV-Neuropathien.

In Einzelfällen verordnen Ärzte bei neuropathischen Schmerzen auch Carbamazepin oder Oxcarbazepin. Die Substanzen aus der Gruppe der Antiepileptika haben jedoch an Bedeutung verloren, da das Nutzen-Risiko-Verhältnis hier ungünstiger ist als bei den anderen Wirkstoffen.

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