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Substitution

Bei Senioren auf Vitamin B12 achten

Ein Mangel an Vitamin B12 verläuft häufig subtil und klinisch unauffällig. Entsprechend selten wird er deshalb labordiagnostisch erfasst. Dabei ist er besonders bei älteren Menschen weit verbreitet. Eine frühzeitige Supplementation kann gegensteuern.
Elke Wolf
21.09.2020  12:30 Uhr

Die Prävalenz von Vitamin-B12-Mangelzuständen steigt mit dem Lebensalter. »40 Prozent aller Heimbewohner haben einen Vitamin-B12-Mangel«, informierte Professor Dr. Marija Djukic, Oberärztin Geriatrie am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende, bei einem Online-Seminar von Wörwag Pharma. Die Zunahme mit dem Alter erklärt sich durch vermehrt auftretende Krankheits- und Medikamenten-bedingte Resorptionsstörungen. Gastrointestinale Erkrankungen, ein Mangel an Magensäure oder an Intrinsic Faktor und die dauerhafte Einnahme von Arzneimitteln wie Protonenpumpenblocker oder Metformin können die Vitamin-B12-Aufnahme erheblich stören und so zu einem Mangel führen, erklärte die Neurologin. »Die Hälfte der über 75-Jährigen hat etwa eine atrophische Gastritis.«

Erste Symptome wie Müdigkeit und Erschöpfung werden meist nicht mit einem Vitamin-B12-Mangel in Verbindung gebracht, sondern auf das Alter geschoben. Wird dieser jedoch nicht rechtzeitig behandelt, können sich depressive Verstimmungen und kognitive Einbußen bis hin zur Demenz entwickeln, sensibilisierte Djukic. Dabei gingen psychiatrische und neurologische Störungen, Depressionen oder Demenz hämatologischen Anomalien häufig um Monate bis Jahre voraus. »Eine der Stolperfallen ist, dass neurologische Symptome in 25 bis 40 Prozent der Fälle auch ohne Anämien möglich sind.« Weiterer Hemmschuh der Diagnose: Ein Eisenmangel kaschiert eine Unterversorgung mit Vitamin B12. Und: »40 Prozent der Menschen mit B12-Mangel haben auch einen Eisenmangel.« Die neurologisch relevanten Folgen sind subakut bis chronisch verlaufende Degenerationen von langen Rückenmarksbahnen, vor allem der Hinterstrangbahnen und der Pyramidenbahn, die sich durch Gangunsicherheit und sensible Defizite besonders in den Füßen äußern können, beschreibt Djukic.

Die Neurologin appelliert, frühzeitig zu supplementieren. Dann seien mit Ausnahme einer seit längerer Zeit bestehenden Demenz alle Auffälligkeiten des Vitamin-B12-Mangels reversibel. Dazu empfiehlt sie ab einem Alter von 65 Jahren eine Supplementierung von 100 µg Vitamin B12 täglich. Bei Personen aus Risikogruppen plädiert sie für Kontrollen des B12-Spiegels alle zwei bis drei Jahre. Ein Wert unter 200 pg/ml sei ein gesicherter B12-Mangel. Dann sei nach gegebenenfalls initialer parenteraler Therapie eine weitere orale Substitution möglich. Mit hoch dosierten Präparaten von 1000 µg (wie B12 Ankermann®) kann ein Mangel gut ausgeglichen werden. 

Auffällige hämatologische Befunde normalisierten sich relativ schnell. Bei neurologisch-psychiatrischen Symptomen sei bisweilen Geduld gefragt, längst nicht immer komme es zur Rückbildung der Beschwerden.

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