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Nicht trivial

Beratung zur Antibiotikaeinnahme

Relevante Wechselwirkungen

Eine Interaktion, die dem pharmazeutischen Personal sicherlich sofort in den Sinn kommt, wenn es um Antibiotika geht, ist der mögliche Wirkverlust von oralen Kontrazeptiva. Der Mechanismus und die Relevanz dieser Wechselwirkung sind nicht abschließend geklärt. Einzig für das Antibiotikum Rifampicin ist eine Interaktion belegt, da es ein Enzym aktiviert, das die Kontrazeptiva abbaut. Bei anderen Antibiotika nimmt man an, dass der enterohepatische Kreislauf von Estrogenen (etwa Ethinylestradiol) unterbrochen wird. Diese werden in ihrer konjugierten Form durch Darmbakterien gespalten und danach wieder in ihrer aktiven Form resorbiert. Da Antibiotika die Darmflora schädigen, könnte der Kreislauf gestört und in der Folge mehr Estrogen ausgeschieden werden. Gestagene sind davon übrigens nicht betroffen.

Unbestritten ist aber, dass Nebenwirkungen wie Durchfall oder Erbrechen die Resorption von Arzneistoffen und damit auch orale Kontrazeptiva beeinflussen können. Auf der sicheren Seite sind PTA und Apotheker daher, wenn sie Patientinnen während der Therapie und bis zum Ende des Zyklus eine zusätzliche Barrieremethode zur Verhütung empfehlen.

Eine andere Interaktion betrifft Patienten, die Vitamin-K-Antagonisten (zum Beispiel Phenprocoumon) einnehmen. Bei ihnen ist während der Antibiotikatherapie oft das Blutungsrisiko erhöht – vermutlich, weil weniger Vitamin K2 durch Darmbakterien produziert wird.

Ein sehr hohes Interaktionspotenzial haben Makrolide (zum Beispiel Erythromycin, Clarithromycin) und Telithromycin, da sie ein relevantes Leberenzym (CYP3A4) und einen Effluxtransporter (P-gp) hemmen. Arzneistoffe, die über diese Strukturen verstoffwechselt werden oder sie selbst hemmen oder aktivieren, können in ihren Wirkspiegeln verändert sein oder die Wirkstoffkonzentration des Antibiotikums beeinflussen. Kontraindiziert sind zum Beispiel Statine wie Simvastatin oder Lovastatin. Gegebenenfalls ist mit dem Arzt zu klären, ob ein parallel eingenommenes Arzneimittel abgesetzt oder in der Dosis verändert werden soll.

Antibiotikum Besondere Einnahmehinweise
Ciprofloxacin Filmtabletten – Unabhängig von den Mahlzeiten einnehmen (Einnahme auf nüchternen Magen beschleunigt die Resorption)
– Nicht zusammen mit Milch, Milchprodukten oder mit Mineralstoffen angereicherten Getränken einnehmen
– Bei gleichzeitiger Einnahme von mehrwertigen Kationen wie Calcium, Magnesium, Aluminium, Eisen, Zink oder Antazida: Ciprofloxacin entweder 1 bis 2 Stunden vorher einnehmen oder frühestens 4 Stunden nach diesen Präparaten
– Verlängerte Koffeinwirkung möglich
– Sonne und UV-Licht meiden
– Abweichungen der Blutglukosewerte (Hypo-/Hyperglykämie) möglich, vor allem bei Diabetikern, die ein orales Antidiabetikum oder Insulin anwenden
Cotrimoxazol Tabletten – Nach der Mahlzeit einnehmen
– Auf eine reichliche Flüssigkeitszufuhr achten
– Bei älteren Patienten, Folsäuremangel und Schwangeren: ausreichende Folsäure-Versorgung sicherstellen
– Sonne und UV-Licht meiden
– Geschmacksveränderungen möglich
Doxycyclin ­Tabletten – Mit der Mahlzeit, in aufrechter Haltung und nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen einnehmen (Risiko für Ulzerationen der Speiseröhre)
– Nicht zusammen mit Milch, Milchprodukten oder calciumhaltigen Fruchtsäften einnehmen
– Bei gleichzeitiger Einnahme von mehrwertigen Kationen wie Calcium, Magnesium, Aluminium, Eisen, Zink oder Antazida einen ausreichenden Einnahmeabstand einhalten
– Sonne und UV-Licht meiden
Fosfomycin ­Granulat zum Einnehmen – Granulat in einem Glas Wasser auflösen und sofort austrinken
– 2 bis 3 Stunden vor oder 2 bis 3 Stunden nach der Mahlzeit einnehmen
– Vorzugsweise vor dem Zubettgehen und nach Entleeren der Harnblase einnehmen
Metronidazol Tabletten – Mit oder nach der Mahlzeit einnehmen
– Alkohol vermeiden (Unverträglichkeitsreaktion)
– Geschmacksveränderungen (metallischer Geschmack) möglich
– Urin kann sich dunkel färben (ohne Krankheitswert)
– Eingeschränktes Reaktionsvermögen möglich
Nitrofurantoin Tabletten – Mit oder nach der Mahlzeit einnehmen
– Bei gleichzeitiger Einnahme von Antazida auf Basis von Magnesium oder Aluminiumsalzen und Metoclopramid kann die Resorption vermindert sein
– Urin kann sich braun oder gelbgrün verfärben (häufig ohne Krankheitswert, aber ärztlich abzuklären)
– Eingeschränktes Reaktionsvermögen möglich
– Bei Lungenreaktion (z. B. Atemnot, Husten, Schmerzen in der Brust) und/oder neuropathischen Symptomen (wie Kribbeln) Medikament absetzen und sofort Arzt aufsuchen
Beispiele für besondere Einnahmehinweise bei Antibiotika (Die Hinweise sind eine Auswahl, vollständige Angaben finden sich in der Gebrauchs-/Fachinformation.)

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