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Retinoide

Besondere Vorsicht

Für PTA, deren Apotheke direkt neben einer Hautarztpraxis liegt, ist dieses Rezept ein vertrauter Anblick. Der Wirkstoff Isotretinoin wird eingesetzt bei Formen der schweren Akne, wenn andere Therapieoptionen keine Besserung gebracht haben. Doch ist dem Arzt bei dieser Verordnung ein Fehler unterlaufen.
Caroline Wendt
08.07.2019
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Datum, Stempel, Unterschrift: Auf den ersten Blick sieht alles gut aus. Sogar eine Dosierung ist auf dem Rezept vermerkt. Und doch darf dieses Rezept so nicht beliefert werden. Finden Sie den Fehler?

Hätten Sie’s gewusst?

Isotretinoin ist ein Vitamin A-Derivat (Retinoid) und stark teratogen. Frauen im gebärfähigen Alter dürfen Isotretinoin-haltige Arzneimittel nur für einen Behandlungszeitraum von 30 Tagen erhalten. Bei der Dosierung »1 x täglich 1 Weichkapsel« reicht die verordnete Packung für 100 Tage. Nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt kann der Apotheker das Rezept auf die Menge von 30 Tabletten ändern und das Rezept mit Datum und Unterschrift abzeichnen.

Im Falle einer Schwangerschaft besteht bei gleichzeitiger Einnahme von Isotretinoin ein extrem hohes Risiko, dass das ungeborene Kind mit schweren Missbildungen, zum Beispiel des zentralen Nervensystems, des Herzens oder der großen Blutgefäße zur Welt kommt. Außerdem ist die Gefahr einer Fehlgeburt stark erhöht. Schwangere Frauen dürfen daher diesen Wirkstoff auf keinen Fall einnehmen.

Sollen Frauen im gebärfähigen Alter zu Behandlung einer schweren Form der Akne ein Isotretinoin-haltiges Arzneimittel erhalten, müssen sie an einem speziellen Schwangerschaftsverhütungsprogramm teilnehmen. Dazu gehört, dass die Frauen mindesten eine, vorzugsweise jedoch zwei sichere Verhütungsmethoden anwenden. Außerdem müssen die Patientinnen monatliche Schwangerschaftstests unter ärztlicher Aufsicht durchführen. Erst wenn ein negatives Testergebnis vorliegt, das nicht älter als drei Tage ist, darf der Arzt eine weite Packung des Akne-Mittels rezeptieren. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rät, dass Schwangerschaftstest, Verordnung und Abgabe von Isotretinoin idealerweise am selben Tag erfolgen sollten.

Trotz der starken teratogenen Wirkung müssen Retinoide bislang nicht auf einem T-Rezept verordnet werden. Ärzte können die normalen Muster-16-Rezepte oder Privatrezepte nutzen. Doch müssen PTA und Apotheker auf eine weitere Besonderheit achten: Das Rezept einer Kundin darf nur innerhalb von sechs Tagen nach dem Tag der Ausstellung abgegeben werden. Die Verordnung eines männlichen Patienten hat hingegen eine Gültigkeit von einem Monat.

Diese Besonderheiten von Verordnungen Retinoid-haltiger Präparate – dazu zählen neben Isotretionin auch die Wirkstoffe Acitretin und Alitretinoin – können im Alltag leicht übersehen werden. Daher hat sich die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände im Dezember 2018 für die Einführung eines Sonderformulars, analog zum T-Rezept, ausgesprochen.

Weitere Informationen

Informationsbroschüre für Patientinnen und Patienten

Leitfaden für Ärzte und Apotheker zur Verordnung und Abgabe von Isotretinoin

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