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Morgens oder abends?

Biorhythmik bei Arzneimitteln

Bei Non-Dippern: Antihypertonika besser abends

Auch bei Bluthochdruck lohnt ein genauer Blick auf den Einnahmezeitpunkt der Medikamente. Physiologisch kommt es nachts zu einem Abfall des Blutdrucks und der Herzfrequenz, einem sogenannten »Dipping«. Ist das nicht der Fall, nennen Ärzte diese Patienten »Non-Dipper«. Über das individuelle Blutdruck-Verhalten gibt eine 24-Stunden-Blutdruckmessung Aufschluss. Sie wird insbesondere bei Schlafapnoe, chronischer Nierenerkrankung oder Diabetes mellitus empfohlen.

Fehlt der nächtliche Blutdruckabfall, können Betroffene gut damit beraten sein, ihre Antihypertonika abends statt morgens einzunehmen. Womöglich profitieren sogar alle Blutdruckpatienten von einer abendlichen Einnahme, wie eine spanische Forschergruppe kürzlich herausfand. Denn sie verglichen in ihrer Studie die morgendliche mit der abendlichen Einnahme und stellten dabei fest, dass allein durch die Änderung des Einnahmezeitpunkts eine bessere Blutdruckkontrolle gelingen und das kardiovaskuläre Risiko sinken kann.

Vor dem Hintergrund, dass das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System nachts die maximale Aktivität erreicht, scheint es auf der Hand zu liegen, dass ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Hemmer bei abendlicher Einnahme eine bessere Wirkung entfalten. Anders sieht es bei Betablockern aus: Sie senken den Blutdruck durch Hemmung des gesteigerten Sympathikustonus. Dieser spielt insbesondere tagsüber eine Rolle, sodass bei dieser Wirkstoffklasse meist unverändert eine morgendliche Gabe empfohlen wird. Zudem kann die abendliche Einnahme bei einigen Patienten zu Schlafstörungen und/oder verstärkten Alpträumen führen, da Betablocker den Melatonin-Spiegel senken. Auch Diuretika können den Nachtschlaf empfindlich stören, wenn die abendliche Einnahme nächtlichen Harndrang verursacht. Der ideale Einnahmezeitpunkt sollte also individuell und differenziert mit dem Arzt abgesprochen werden.

Cortisol: Minimum um Mitternacht

Cortisol kann nicht gespeichert, sondern muss in der Nebennierenrinde kontinuierlich neu gebildet und freigesetzt werden. Das kontrolliert das Peptidhormon ACTH (adrenokortikotropes Hormon). Die Cortisol-Konzentration unterliegt einem ausgeprägten circadianen Rhythmus mit einem Minimum um Mitternacht und einem Maximum am Morgen etwa zwischen 6 und 8 Uhr. Die höchste ACTH-Konzentration kann frühmorgens gemessen werden.

Um den endogenen Sekretionsrhythmus bestmöglich nachzubilden, werden therapeutische Glucocorticoide daher üblicherweise morgens eingenommen. Das hatte auch die PTA im Fallbeispiel im Hinterkopf. Einige Rheumatiker leiden dennoch unter ausgeprägter Gelenksteifigkeit und -schwellung beim Aufstehen. Für sie kann verzögert freisetzendes Prednison wie Lodotra® eine Therapieoption darstellen. Es wird gegen 22 Uhr eingenommen, die Wirkung beginnt dann jedoch erst frühmorgens, ohne den ACTH-Anstieg zu beeinflussen.

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