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Morgens oder abends?

Biorhythmik bei Arzneimitteln

Auch die Indikation spielt eine Rolle

Wird dagegen ein »normales« Glucocorticoid spätabends eingenommen, supprimiert das die nächtliche ACTH-Freisetzung. Denn Cortisol- und ACTH-Spiegel hemmen sich durch ihre negative Feedback-Schleife rasch gegenseitig. Genau dieser Effekt ist bei der oben genannten Patientin gewünscht. Ihr Arzt hat bei ihr nämlich einen erhöhten Androgenspiegel im Blut festgestellt. Zur Erinnerung: ACTH regt auch die Synthese von Mineralocorticoiden und Sexualhormonen an. Die Suppression von ACTH soll bei ihr also den Spiegel männlicher Hormone senken. Eine vollständige Unterdrückung der Cortisolproduktion ist dagegen nicht erwünscht, sodass eine niedrige Dosis genügt. Dadurch treten zudem kaum Nebenwirkungen auf.

Hinter dieser Hormonstörung können zahlreiche Ursachen stecken. Häufig äußert sie sich durch Zyklusstörungen, verstärkte Behaarung und/oder Akne. Auch das seltene adrenogenitale Syndrom (AGS) führt zu erhöhten männlichen Hormonen. Bei dieser seltenen genetisch bedingten Hormonbildungsstörung produziert der Körper jedoch insgesamt zu wenig Cortisol. Durch das fehlende Feedback ist die ACTH-Sekretion gesteigert, wodurch in der Folge vermehrt Androgene produziert werden. Daher unterscheidet sich die Therapie: Zusätzlich zur kleineren Dosis am Abend brauchen AGS-Patienten morgens eine höhere Dosis Glucocorticoid, die den Cortisolmangel ausgleicht.

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