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Kritische Einschätzung

Biozide in Periodenunterwäsche

Periodenslips sollen nachhaltig sein, weil sie wiederverwendbar sind und Müll, beispielsweise durch Tampons oder Slip-Einlagen, vermeiden. Ein Kritikpunkt ist jedoch, dass in manchen Produkten Biozide enthalten sind.
dpa
14.01.2022  12:30 Uhr

Periodenslips als nachhaltige Alternative zu Tampons und Binden – das versprechen Anbieter, die den Markt erobern. Anders als Wegwerfprodukte können die Höschen nach dem Waschen wiederverwendet werden. Doch weil sie nicht immer bei 60 Grad in die Maschine können, nutzen manche Hersteller Biozide, die Pilze und Bakterien abtöten sollen, zum Beispiel Silberchlorid oder Silbernitrat. Hygiene- und Umweltexperten sehen das kritisch.

»Es ist erschreckend, dass die Hersteller teilweise sehr intransparent mit Informationen dazu umgehen«, so Fenja Kramer, Gründerin eines Nachhaltigkeitsmagazins, das die Produkte von elf Herstellern getestet hat. Dabei bestehe eine Kennzeichnungspflicht für biozidbehandelte Waren, sofern mit der Biozidfunktion und Bezeichnungen wie »antibakteriell«, »bakterienhemmend« oder »mit Geruchsschutz« geworben werde.

»Inzwischen gibt es unendlich viele Produkte, die mit Bioziden ausgestattet sind: Sportsocken, Funktionsunterwäsche oder auch Klobrillen, PC-Tastaturen, Putztücher und Mund-Nasen-Masken sind auf dem Markt«, erläutert Biologin Susanne Smolka vom Verein Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN Germany). Eine genaue Übersicht fehle. Ab 2022 werde es eine Meldepflicht über den Absatz von Bioziden geben, die zumindest Anhaltspunkte zu den verwendeten Mengen geben könnte.

Das Bundesumweltministerium warnt vor möglichen Folgen von Bioziden in Kleidung wie allergischen Reaktionen, einer Beeinträchtigung der natürlichen Bakterienflora sowie einer Resistenzentwicklung bei Krankheitserregern. »Generell sollte man mit Bioziden ausgerüstete Textilien nicht verwenden, da es nicht zwingend nötig ist«, sagt Marcus Gast, Experte für wassergefährdende Stoffe im Umweltbundesamt. Eine 60-Grad-Wäsche mit Bleichmittel entferne Krankheits- und geruchsbildende Keime hinreichend.

Risikobewertung von Bioziden in Slips fehlt

Auch Dirk Bockmühl zweifelt am Nutzen der Biozide in Slips: »Es gibt Bereiche, in denen Biozide sehr sinnvoll eingesetzt werden, zum Beispiel in der Medizin bei Wundauflagen«, sagt der Hygiene-Experte, Vorstandsmitglied der Fachgruppe Chemie des Waschens in der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Im Haushaltsbereich sei der Einsatz nicht sinnvoll – speziell bei den Slips wögen sie die Nutzerinnen womöglich auch in falscher Sicherheit.

Ob von den Bioziden ein direktes Risiko für die Frauen ausgeht, ist bisher unklar. Auch am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurde noch keine gesundheitliche Bewertung solcher Wäsche durchgeführt. »Solange keine Bewertung – weder auf gesundheitliche Risiken noch auf Wirksamkeit – durchgeführt wurde, sehen wir den Einsatz biozider Stoffe, insbesondere in direktem Hautkontakt, kritisch«, heißt es vom Institut.

»Es gibt keinerlei Studien darüber, ob die Biozide, die in manchen Menstruationsslips verwendet werden, auch die gesunde Bakterienflora im Intimbereich negativ beeinflussen können«, sagt Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte.

Experten warnen auch vor den potenziellen Folgen von Bioziden für die Natur. Bei jeder Wäsche kann ein kleiner Teil der Substanzen mit dem Waschwasser über die Kläranlagen in Gewässer gelangen. Experten des staatlichen Schwedischen Chemikalienamtes KEMI haben untersucht, wie schnell beispielsweise Silberchlorid ausgewaschen wird: Bereits nach drei Wäschen bei 40 Grad war in 7 von 16 Stoffproben mehr als die Hälfte des Biozids entwichen.

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