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Zwischen den Extremen
Bipolare Störung behandeln

Oft weitere Erkrankungen

Manisch-depressive Erkrankungen beginnen meist im frühen Erwachsenenalter, können aber auch im späteren Leben erstmalig auftreten. Schätzungsweise drei Prozent der Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens daran – Frauen und Männer etwa gleich häufig. Eine eindeutige Ursache ist bislang nicht bekannt. Vermutlich besteht eine biologisch bedingte Disposition. Zum Ausbruch gelangt die Erkrankung aber erst, wenn andere Faktoren hinzukommen, wie etwa ein belastendes Lebensereignis. Häufig leiden Menschen mit bipolarer Störung zusätzlich an einer anderen psychischen Erkrankung, wie Angst-, Zwangs- oder Suchterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen oder ADHS.

Ob tatsächlich eine bipolare Störung vorliegt, kann ein Psychiater erst nach einem ausführlichen diagnostischen Gespräch entscheiden.

Episoden möglichst verhindern

Ziel der Therapie ist es, die Krankheitszeichen der aktuellen Phase zu reduzieren und neuen Episoden vorzubeugen. Ärzte unterscheiden dabei zwischen der Akut- und der Erhaltungstherapie. In der Regel werden verschiedene Therapien miteinander kombiniert. An erster Stelle steht die medikamentöse Behandlung, die oft durch eine Psychotherapie ergänzt wird. Hinzukommen können unterstützende Therapieverfahren wie Ergo-, Bewegungs- oder Kunsttherapie oder die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe.

Basis der medikamentösen Behandlung bipolarer Erkrankungen sind die sogenannten Stimmungsstabilisierer. Dies ist kein pharmakologischer Begriff – er wurde vielmehr von Ärzten und Patienten in der praktischen Anwendung geprägt und wird mittlerweile auch in der Fachliteratur verwendet. Zu dieser Gruppe zählen vor allem Carbamazepin, Lithium und Valproat. Die Arzneistoffe kommen sowohl in der Akut- als auch in der Erhaltungstherapie zum Einsatz. Sie begleiten den Patienten oft ein Leben lang.

In der Akutbehandlung einer Depression oder Manie reichen Stimmungsstabilisierer allein oft nicht aus. In der manischen Phase haben sich atypische Neuroleptika wie Aripiprazol, Olanzapin oder Quetiapin, sowie in der Notfalltherapie kurzzeitig Haloperidol bewährt. Sie können mit einem Stimmungsstabilisierer kombiniert werden. Leidet der Patient unter starker Unruhe, verordnen Ärzte häufig zeitlich begrenzt zusätzlich ein Benzodiazepin. Interessant ist eine Substanz, die auch Fachleute zunächst wohl nicht in der Behandlung der Manie vermuten würden: Allopurinol. Das Gichtmittel hat sich hier in Kombination mit Lithium oder Valproat als wirksam erwiesen.

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