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Infektionsgefahr

Bissverletzungen keine Bagatelle

Bisswunden müssen in jedem Fall richtig behandelt werden, denn tief im Gewebe können sich eingebrachte Keime gefährlich vermehren und zu einer Wundinfektion führen. Das gilt auch für oberflächlich harmlos wirkende kleine Bisse. Andernfalls droht unter Umständen ein Dauerschaden.
Judith Schmitz
17.08.2020  10:00 Uhr

Bissverletzungen sind nicht selten. Für Deutschland fehlen genaue epidemiologische Daten zur Häufigkeit von Tier- und Menschenbissverletzungen, da hierzulande keine Meldepflicht besteht. Anhand dokumentierter Fälle lässt sich jedoch ableiten, dass wohl Hunde (oft der eigene oder der eines Bekannten) und Katzen die meisten Bissverletzungen verursachen. Seltener erfolgen sie durch Menschen, Pferde, Nagetiere oder Schlangen. Häufige Bissstellen sind die Extremitäten (70 bis 80 Prozent) sowie Kopf und Hals (zehn bis 30 Prozent). Kinder werden öfters gebissen als Erwachsene, meist in die Arme oder ins Gesicht.

Professor Michael J. Raschke, Präsident der Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Münster erklärt im Gespräch mit PTA-Forum, dass es sich bei der Bisswunde um eine perforierende Verletzung handle, bei der die Zähne des Täters bis tief in das Gewebe des Opfers eindringen. Das Besondere sei dabei das so genannte Kulissenphänomen, bei dem die unterschiedlichen anatomischen Schichten übereinandergleiten, die Wunde damit quasi wieder verschließen und oft harmlos erscheinen ließen. Anders sehe dies bei der sogenannten Risswunde aus, bei der in das Gewebe gebissen und ein Stück davon rausgezogen wird. Allein schon wegen der Schmerzen seien Betroffene bei solchen Bissverletzungen in der Regel sofort alarmiert und würden zum Arzt gehen – ebenso wie nach einem schweren Sturz oder offenen Bruch, bei denen es blutet und die Körperstelle mit Dreck und Erregern verschmutzt ist.

Bei »normalen« Bisswunden dagegen geschehe der Arztbesuch viel seltener, moniert Professor Raschke: »Die wirkliche Verletzungstiefe und Gefährlichkeit der Bisswunde werden durch den Verschluss oft unterschätzt.« Der Betrachter sehe oberflächlich nur einen kleinen Biss. In die Tiefe sind allerdings etwa mit der physiologischen Mundflora des Täters zahlreiche Keime in das Gewebe des Opfers eingedrungen, die sich dort vermehren und zu schlimmen Infektionen führen können. Besonders gefährlich sind Katzenbisse, weil ihre sehr spitzen Schneidezähne und mit ihnen die Erreger bis zu Sehnenscheide, Gelenken oder Knochen gelangen können. 30 bis 50 Prozent der Katzenbisse verursachen eine Infektion, gefolgt von Bissen durch Menschen (15 bis 25 Prozent) und Hunde (fünf bis 25 Prozent).

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