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Bach-Blüten-Therapie

Blümchen für die Seele

In der heutigen schnelllebigen Zeit mit ihrer Flut an Informationen und fast grenzenlosen Möglichkeiten suchen immer mehr Menschen in der Naturheilkunde Hilfe gegen seelische und psychische Beschwerden. Die 38 Blütenessenzen des Dr. Bach versprechen, das Gleichgewicht zwischen Körper und Seele wieder herzustellen. Zunächst in Großbritannien verbreitet, hat die Therapie auch hierzulande zahlreiche Anhänger.
Edith Schettler
12.11.2019  09:30 Uhr

In den letzten Jahren seines Lebens entwickelte der Mediziner Dr. Edward Bach (1886-1936) das nach ihm benannte alternativmedizinische Behandlungsverfahren. Schon in früheren Jahren hatte sich Bach mit der Homöopathie und Kräuterheilkunde beschäftigt. Sein Grundgedanke war, »dass Krankheit in ihrem Ursprung nicht materiell ist«.

Nach Ansicht Bachs entstehen Krankheiten aus einer Disharmonie des seelischen Zustandes. Jede gesundheitliche Störung sei darin begründet, dass Seele, Körper und Geist nicht im Einklang miteinander sind. So entstünden Störungen, die sich schließlich zu Krankheiten entwickeln können. Jedes Leiden könne nur dann von Grund auf geheilt werden, wenn sich Seele, Körper und Geist wieder im Einklang befinden.

Entsprechend der Lehre Bachs wohnen bestimmten Pflanzen gewisse feinstoffliche Informationen inne, die in individueller Weise schwingen. Diese sollen sich durch Sonnenenergie oder Hitze auf ein Trägermedium wie zum Beispiel Wasser übertragen. Die Schwingungen dieser Pflanzen entsprechen nach Ansicht Bachs denen des harmonischen Seelenzustandes des Menschen. Er definierte 38 seelische oder charakterliche Störungen und ordnete ihnen jeweils eine Pflanze zu, deren Energiefeld seiner Meinung nach am besten mit dem gestörten Energiefeld des Kranken in Resonanz tritt. Dabei sind diese Pflanzen aus heutiger Sicht recht willkürlich gewählt und keine Parallelen zur Phytotherapie erkennbar.

Die Blüten dieser Pflanzen sammelte Bach an besonderen Tagen in der Nähe seines Wohnhauses in Mount Vernon in Oxfordshire, wo sich heute das Dr. Edward Bach Centre befindet. Für die Original Bach®-Blüten sollen die Grundstoffe noch heute dort gesammelt werden. Nach der Ernte kommen die Blüten in eine Glasschale mit Wasser, die für vier Stunden in der Sonne steht. In dieser Zeit sollen die feinstofflichen Informationen aus den Blüten in das Medium Wasser übergehen. Wenn die Blüten beginnen zu welken, ist der Vorgang abgeschlossen. Holzige Teile und die Blüten der Pflanzen, die zu einer Zeit erscheinen, in der das Sonnenlicht zu schwach ist, müssen in Wasser für etwa 30 Minuten kochen und anschließend in der Sonne im Freien abkühlen. Der Extrakt wird mit der gleichen Menge Alkohol versetzt und gilt als Muttertinktur. Diese ergibt nach 240-facher Verdünnung die bekannten »stock bottles« – allerdings nicht wie die homöopathischen Arzneimittel durch Potenzieren über mehrere Stufen, sondern durch einmalige Verdünnung.

Einfache Selbsttherapie

Für den Patienten ist es recht simpel, das passende Mittel zu seinen Beschwerden zu finden. Die Symptome sind in sieben große Gefühlsgruppen eingeteilt: Ängstlichkeit, Einsamkeit, Unaufmerksamkeit gegenüber der Umgebung, Mutlosigkeit und Verzagtheit, leichte Beeinflussbarkeit, übermäßiges Engagement für andere und Unsicherheit. Innerhalb einer Gruppe sucht der Patient nach den Symptomen, die im Moment am besten auf ihn zutreffen. Kann er sich nicht entscheiden oder sind seine Befindlichkeiten vielschichtiger, ist es auch möglich, mehrere Blütenessenzen einzunehmen. Mehr als fünf sollten es allerdings nach Auffassung der Bach-Blüten-Therapeuten nicht sein. Diese Empfehlung orientiert sich an der Rescue®-Mischung, die aus fünf Blütenessenzen besteht: Impatiens, Star of Bethlehem, Cherry Plum, Rock Rose und Clematis. Auch die Einnahme ist denkbar einfach: Zwei Tropfen der gewählten Essenz (von Rescue® vier Tropfen) in ein Glas Wasser geben und schluckweise trinken, bei Bedarf wiederholen. Will er mehrere Essenzen einnehmen, gibt der Patient je zwei Tropfen in eine 30-ml-Mischflasche und füllt mit stillem Mineralwasser und einem Teelöffel Alkohol oder Essig auf. Davon nimmt er mindestens viermal pro Tag vier Tropfen ein.

Das Dr. Edward Bach Centre in Mount Vernon versteht sich als Bewahrer der Therapiegrundsätze Bachs. Die Akademie des Centers, die Dr. Edward Bach Foundation, bildet Bach-Blüten-Berater aus. Nach Abschluss des vollständigen Seminarzyklus darf sich jeder Absolvent beim Bach Centre als Berater (»Practitioner«) registrieren lassen. Heilpraktikerschulen und private Institute bieten ebenfalls Kurse an, die oftmals nur aus wenigen Unterrichtsstunden bestehen. Eine staatliche Zulassung und anerkannte Prüfungen für Therapeuten gibt es nicht.

Die Firma Nelsons GmbH produzierte von Anfang an, damals noch unter dem Namen Nelsons Homoeopathic Pharmacy, die stock bottles für Edward Bach. Sie sieht sich daher als alleiniger Hersteller der Original Bach®-Blüten. Rechtlich gesehen gelten die Essenzen als Lebensmittel, einzig die Firma Nelsons vertreibt ihre Produkte ausschließlich über Apotheken und verleiht ihnen damit eine gewisse Exklusivität. Andere namhafte Hersteller von Bach-Blüten sind die Firmen Healing Herbs GmbH in England, Murnauer Markenvertrieb GmbH in Deutschland und Lemon Pharma International BVBA in Belgien. Daneben sind zahlreiche Blütenessenzen auf dem Markt, die nicht der klassischen Lehre Bachs entsprechen.

Für die Wirksamkeit der Blüten-Therapie gibt es keinerlei wissenschaftliche Beweise, jedoch ist der Placebo-Effekt gerade auf dem Gebiet der beanspruchten Indikationen nicht zu unterschätzen. So können Bach-Blüten durchaus in akuten Stresssituationen und Lebenskrisen eine gewisse Hilfe sein. Eine falsch gewählte Essenz richtet keinen Schaden an, es sei denn, ihre Einnahme verhindert eine notwendige schulmedizinische Therapie. 

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