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Sepsis

Blutvergiftung – unterschätzt und häufig tödlich

Experten nennen die Sepsis den »versteckten Killer«. Zu Recht, denn alle sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an der umgangssprachlich als Blutvergiftung bezeichneten Komplikation einer Infektion. Damit zählt sie mit mindestens 75.000 Todesfällen pro Jahr zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Trotzdem wird die Sepsis nach wie vor unterschätzt – und wäre in vielen Fällen doch vermeidbar.
Katja Egermeier
11.08.2021  15:00 Uhr

Aus diesem Grund startet das Innovationsfondsprojekt »SepWiss« der deutschen Sepsis-Stiftung heute ihre Informationskampagne unter dem Motto »Sepsis ist vermeidbar. Unwissen über Sepsis ist tödlich«. Das Ziel ist es, Risikogruppen Wissen über Frühsymptome und Präventionsmöglichkeiten zu vermitteln und so die Zahl der durch Sepsis verursachten Todesfälle zu senken.

Doch auch wer eine Sepsis überlebt, habe häufig mit Langzeitfolgen wie kognitiven Einschränkungen, schneller Erschöpfbarkeit (Fatigue) oder sogar dem Verlust von Gliedmaßen zu kämpfen, so die Sepsis-Stiftung. Und trotz dieser Folgen sei Sepsis den meisten Menschen weitgehend unbekannt, erklärt Professor Dr. Konrad Reinhart, Projektleiter und Vorstandsvorsitzender der Sepsis-Stiftung. »Und das, obwohl die Erkrankung häufiger vorkommt als Brust-, Prostata- und Darmkrebs zusammen und Menschen häufiger eine Sepsis erleiden als einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.«

Ursachen einer Sepsis

Eine Sepsis (altgriechisch: Gärung) kann jeden treffen. Dabei kann die Ursache nach Angaben der Sepsis-Stiftung sehr banal sein, wie ein aufgeschürftes Knie oder ein Insektenstich. Entgegen weit verbreiteter Meinung entstehe eine Sepsis nicht immer durch eine äußerliche sichtbare und entzündete Wunde – jedoch immer aus einer Infektion. Diese könne auch im Körper stattfinden wie bei einer Infektion der Atemwege, des Bauchraums, der Harnwege, der Herzklappen sowie durch keimbelastete Implantate, Katheter oder Prothesen.

Im Normalfall dämmt unser Immunsystem eine durch Bakterien, Viren oder Pilze verursachte Infektion direkt am Entzündungsherd ein, wie die Stiftung erklärt, und die Infektion nimmt ihren normalen Verlauf. Bei einer Sepsis jedoch durchbrächen die Erreger die lokale Begrenzung und breiteten sich über Lymph- und Blutgefäße auf andere Organe aus. Die Folge: Eine überschießende Immunreaktion, die nicht nur die Erreger, sondern auch körpereigene Zellen und Organe angreift. Ohne das passende Antibiotikum entwickele sich ein septischer Schock, bei dem die Blutversorgung wichtiger Organe ausfalle und diese ihre Funktion einstellten.

Als besonders gefährdet gelten laut Sepsis-Stiftung Menschen über 60 Jahre sowie solche mit Vorerkrankungen der Lunge, der Niere oder des Herzens, einer Immunschwäche oder Diabetes, aber auch Früh- und Neugeborene. Auch wer einmal Sepsis hatte, gehört zu den Risikogruppen, da Überlebende ein erhöhtes Risiko haben, erneut daran zu erkranken. »Es ist extrem wichtig, dass diese Gruppen – aber auch alle anderen Menschen – die Frühsymptome und die Präventionsmöglichkeiten einer Sepsis kennen«, betont Reinhart.

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