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Fortschritte bei Diagnostik und Therapie

Brustkrebs hat an Schrecken verloren

Brustkrebs kommt schon lange keinem Todesurteil mehr gleich. Durch Screening-Programme erkennen Ärzte Tumoren früher. Und neue Arzneistoffe tragen ebenfalls zu einer erfolgreichen Therapie bei. Was gibt es Neues aus der Forschung?
Michael van den Heuvel
16.10.2020  16:00 Uhr

Im Jahr 2017 sind laut Statistischem Bundesamt bundesweit 932.272 Menschen gestorben. Brustkrebs, auch Mammakarzinom genannt, steht mit 18.570 Todesfällen bei Frauen auf dem zehnten Platz der Statistik für Todesursachen. Verschiedene Herz-Kreislauf- und Lungen-Erkrankungen sowie Demenzen sind auf den ersten Rängen vertreten.

Brustkrebs als Lebenszeitrisiko beziffern Epidemiologen mit 12,9 Prozent. Das bedeutet: Etwa jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. 81 Prozent aller Patientinnen sind 50 Jahre und älter. Interessant: Es gibt Hinweise, dass sich die Zahl an Mammakarzinomen rückläufig entwickelt. So verringerte sich in den Jahren zwischen 2007 und 2017 die Zahl an stationären Behandlungen um 11,9 Prozent.

Als Fünf-Jahres-Überlebensrate nennt das Robert-Koch-Institut für Frauen 87 Prozent. Die Zehn-Jahres-Überlebensrate liegt bei 82 Prozent. Damit ist Brustkrebs immer noch eine ernste Bedrohung, aber mehr Patientinnen als früher können geheilt werden. Die Fortschritte lassen sich auf eine frühe Diagnostik und auf neue Arzneistoffe zurückführen.

Risikofaktoren im Erbgut

Doch wer ist besonders gefährdet? Schon lange wissen Ärzte, dass das Brustkrebsrisiko von Frauen höher ist, sollten nahe Angehörige zuvor erkrankt sein. Mittlerweile identifizierten Humangenetiker Abschnitte im Erbgut, die mit einer größeren Krankheitswahrscheinlichkeit in Verbindung stehen.

Besonders bekannt sind die Gene BRCA1 und BRCA2 (Breast Cancer Gene 1 and 2). Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an Brustkrebs zu erkranken, liegt bei 72 Prozent (BRCA1-Mutation) beziehungsweise 69 Prozent (BRCA2-Mutation). Und Eierstockkrebs tritt in beiden Fällen bei 44 Prozent der Trägerinnen auf. BRCA ist ein Tumorsuppressorgen, das in der nicht mutierten Form daran beteiligt ist, die Entstehung von Tumoren zu verhindern.

Doch Risiken sind eben keine Gewissheit, was Angelina Jolies Entscheidungen zur Kontroverse gemacht hat. Die US-Schauspielerin gab im Mai 2013 bekannt, sie habe sich aufgrund ihres Risikos einer beidseitigen prophylaktischen Mastektomie unterzogen. Etwa zwei Jahre später kam dann die Meldung, dass Ärzte ihre Eierstöcke und den Eileiter entfernt hätten. Dies führte weltweit zu einem überproportionalen Anstieg an Untersuchungen, auch als »Jolie-Effekt« bezeichnet. Frauen wollten ihr individuelles Krebsrisiko ermitteln lassen.

»Die prophylaktische beidseitige Mastektomie mit Silikonrekonstruktion darf nicht einseitig forciert werden«, kritisierte der Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft in einer Stellungnahme. »Eine ausgewogene Diskussion komplexer medizinischer Maßnahmen, bei der Risiken, Nebenwirkungen und mögliche Folgeschäden nicht ausgeblendet werden dürfen, ist für die Entscheidungsfindung betroffener Frauen unverzichtbar.« Neben BRCA spielen etliche andere Gene als Risikofaktoren eine Rolle. Hundertprozentig zuverlässige Aussagen bieten Untersuchungen des Erbguts derzeit nicht.

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