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Fortschritte bei Diagnostik und Therapie

Brustkrebs hat an Schrecken verloren

Risikofaktoren allein reichen in den meisten Fällen aber nicht aus, um besonders gefährdete Frauen zu identifizieren. Gleichzeitig gilt: Je früher Ärzte den Tumor erkennen, desto besser ist die Prognose. Deshalb haben Frauen ab 30 Jahren jährlich Anspruch auf eine Tastuntersuchung. Und Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden alle zwei Jahre schriftlich zum Mammographie-Screening in spezielle Zentren eingeladen. Das Programm wurde ab 2005 langsam aufgebaut und bis 2009 flächendeckend ausgeweitet. Zu Beginn stieg die Zahl an Brustkrebs-Diagnosen dadurch sprunghaft an, und auch viele gutartige Veränderungen wurden erkannt. Ab 2009 sank die Zahl an Neudiagnosen deutlich ab und hat mittlerweile fast das Level vor Beginn des Screenings erreicht. Über die Vor- und Nachteile des Mammographie-Screenings lesen Sie hier.

Liefert eine Mammographie auffällige Befunde, folgen weitere Untersuchungen, allen voran die Stanzbiopsie. Dabei wird mit einer feinen Nadel Gewebe aus dem Knoten entnommen, in Formalin fixiert und vom Pathologen untersucht. Er begutachtet die Zellen nach deren Färbung im Mikroskop. Je schlechter diese differenziert sind, desto schlechter ist die Prognose. Außerdem werden Oberflächenstrukturen auf Krebszellen bestimmt. Für die weitere Behandlung ist entscheidend, ob Östrogen- beziehungsweise Progesteronrezeptoren oder spezielle Rezeptoren für Wachstumsfaktoren (HER2/neu) vorhanden sind.

Computertomographien, Kernspintomographien oder Skelettszintigraphien können erforderlich sein, um das Ausmaß des Tumors und die Lage von Metastasen zu bestimmen. Anhand der Ergebnisse bestimmen Onkologen die Stadien eines Tumors. Entscheidend sind sowohl die Größe des Primärtumors als auch die Zahl befallener Lymphknoten und die Existenz von Metastasen.

Gibt es Alternativen zur Biopsie? Seit Jahren untersuchen Forscher auch die Möglichkeit, Krebs in Blutproben anhand spezieller DNA-Bruchstücke nachzuweisen. Übertriebene Versprechungen in diese sogenannte Liquid Biopsy (Flüssig-Biopsie) hatten ab 2019 zum Heidelberger Bluttest-Skandal geführt. Der Anbieter musste seinen Test zurückziehen. Momentan kann die Liquid Biopsy keine klassischen Verfahren bei Brustkrebs ersetzen. Doch die Forschung läuft weiter.

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