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Brustkrebs
Chancen und Risiken der Mammographie

Definierte Zielgruppe

Einen Anspruch auf das Screening haben in Deutschland alle zwei Jahre Frauen in der Altersgruppe zwischen 50 und 69 Jahre. Nur für diese Altersgruppe liegt zweifelsfrei ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis der Mammographie vor. Für Frauen zwischen 30 und 50 Jahren sieht das gesetzliche Früherkennungsprogramm sonst nur einmal jährlich eine Tastuntersuchung von Brust und Achselhöhlen vor.

»Haben jüngere Frauen ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs, zum Beispiel wegen familiärer Veranlagung, sollten sie mit ihrem Arzt besprechen, ob für sie bereits früher eine Mammographie sinnvoll ist. Ist diese medizinisch indiziert, übernehmen selbstverständlich die gesetzlichen Krankenkassen auch hier die Kosten«, sagt die Expertin vom Krebsinformationsdienst.

Vom systematischen Screening werden Frauen unter 59 nicht erfasst, da der Nutzen für sie nicht erwiesen ist. »Bei den meisten Frauen in diesem Alter ist das Gewebe der Brust noch vergleichsweise dicht und hormonell bedingten monatlichen Veränderungen unterworfen«, erklärt Hiller. Die Mammographie ist daher rein statistisch weniger zuverlässig. Auch wird die Untersuchung wegen der Strahlenbelastung nicht für jüngere Frauen empfohlen. »Bei jüngeren Frauen vor der Menopause reagiert das Brustgewebe empfindlicher auf die Strahlung. Da es zudem dichter ist, muss eine höhere Strahlendosis aufgewendet werden«, so die Expertin. Zudem bekommt eine Frau auf die Lebenszeit gerechnet mehr Strahlendosis ab, je früher sie mit regelmäßigen Mammographien anfängt. Obwohl die Röntgendosis einer Mammographie allgemein als eher niedrig gilt, ist nicht auszuschließen, dass über 20 Jahre lang stattfindende, regelmäßige Untersuchungen bei maximal einer von 1000 Frauen dazu beitragen kann, dass Brustkrebs entsteht.

Ergänzen, nicht ersetzen

Zu beachten ist auch, dass die Mammographie nicht bei allen Frauen gleich genau ist. Allgemein gilt: Je dichter das Brustgewebe, desto schwieriger ist die Mammographie zu beurteilen. Frauen, die oral verhüten oder sich einer Hormonersatztherapie unterziehen, haben meist ein dichteres Brustgewebe. Bei ihnen können häufiger zur Abklärung auffälliger Befunde Maßnahmen wie die Ultraschalldiagnostik oder eine kernspintomographische Untersuchung notwendig sein als bei Frauen, die keine Hormone nehmen. »Diese Verfahren sind wichtig als ergänzende Untersuchung«, erklärt Hiller. »Ersetzen können sie die Mammographie aber nicht, da für sie bislang nicht gezeigt werden konnte, dass sie das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, verringern.« Auch sind die Qualitätsanforderungen nicht vergleichbar hoch wie bei der Mammographie.

Wichtig bei der Mammographie wie bei allen anderen Früherkennungsuntersuchungen ist: Die Teilnahme an dem Angebot ist freiwillig. Wer die Untersuchung nicht durchführen lässt, hat keine unangenehmen Folgen für den Versicherungsschutz zu fürchten.

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