PTA-Forum online
Zwei, die sich ergänzen

Chlorid: Perfekt als Duo mit Natrium

Chlorid gehört zu den Mengenelementen und ist meist gemeinsam mit Natrium in Lebensmitteln in Form von Natriumchlorid (NaCl) als Kochsalz enthalten. Beide Elemente funktionieren als Team mit gemeinsamen Aufgaben im menschlichen Organismus. Anders als Natrium, das als Kation vorliegt (Na+), gilt Chlorid (Cl-) als eines der wichtigsten negativ geladenen Ionen (Anionen) im Körper.
Kerstin Pohl
09.09.2020  10:15 Uhr

Aufgaben und Funktionen

Der menschliche Organismus enthält circa 1,2 g Chlorid pro Kilogramm Körpergewicht. Davon sind 70 Prozent in der extrazellulären Flüssigkeit sowie 30 Prozent in der intrazellulären Flüssigkeit und im Bindegewebe enthalten.

Der Stoffwechsel von Chlorid ist eng verknüpft mit dem von Natrium, daher ähneln sich auch die Funktionen im Körper. Chlorid reguliert den Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt, hält mit Natrium die Gewebespannung aufrecht und beeinflusst zudem den Blutdruck. Darüber hinaus ist das Element in enzymatische Prozesse einbezogen.

Aber nicht nur mit Natrium besteht eine enge Zusammenarbeit: auch der Kalium-, und der Calciumstoffwechsel werden wesentlich durch Chlorid geregelt. 

Eine Funktion, die dem Chlorid allein vorbehalten ist, ist die Bildung der Salzsäure im Magen (HCl) zusammen mit Wasserstoff. Diese wird dort in speziellen Zellen, den sogenannten Belegzellen des Magens, gebildet und ist ein wichtiger Bestandteil des Magensaftes. Diese Magensalzsäure ist zum einen notwendig für die Verdauung. Zum anderen schützt sie vor pathogenen Erregern. 

Wie viel braucht der Mensch?

Die Referenzwerte für Chlorid basieren auf den Schätzwerten für Natrium, da beide Mineralstoffe fast immer zusammen in Lebensmitteln auftreten und abhängig vom Lebensalter variieren.

Eine Ausnahme ist die Empfehlung für Säuglinge: hier richtet sich der Referenzwert nach dem Gehalt der Muttermilch.

Alter Chlorid (mg/Tag)
Säuglinge
0 bis unter 4 Monate 300
4 bis unter 12 Monate 450
Kinder und Jugendliche
1 bis unter 4 Jahre 600
4 bis unter 7 Jahre 750
7 bis unter 10 Jahre 1150
10 bis unter 13 Jahre 1700
13 bis unter 15 Jahre 2150
15 bis unter 19 Jahre 2300
Erwachsene
19 bis unter 25 Jahre 2300
25 bis unter 51 Jahre 2300
51 bis unter 65 Jahre 2300
65 Jahre und älter 2300
Schwangere 2300
Stillende 2300
Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr

Woran erkennt man einen Mangel?

Da Chlorid zusammen mit Natrium in verarbeiteten Lebensmitteln fast immer vorkommt, tritt ein Mangel durch zu geringe Zufuhr über die Nahrung nicht auf. Da die Zufuhr an Kochsalz und damit an Chlorid generell zu hoch ist, ist eher das Gegenteil der Fall.

Zu größeren Verlusten an Chlorid kann es jedoch durch sehr starkes Schwitzen oder Erbrechen kommen, wobei die Symptome – unter anderem Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen und Krämpfe - denen des Natrium-Verlustes gleichen.

Defizite in der Chlorid-Versorgung sind außerdem bei chronischen Nierenkrankheiten und Nierenversagen, bei der sehr seltenen Chlorid-Diarrhö als angeborene Chloridresorptionsstörung oder bei der Einnahme von Diuretika (harntreibende Medikamente) zu beobachten.

Die Symptome eines Chlorid-Mangels sind Hypotonie, Herzrhythmusstörungen (Tachykardie) und erhöhte pH-Werte im Blut (metabolische Alkalose).

Wer gehört zu einer Risikogruppe?

In Deutschland leiden etwa 20 Millionen Erwachsene unter einer Hypertonie. Neueren Studien zufolge sind auch Kinder und Jugendliche betroffen. Das ist fatal, da Hypertonie als Risikofaktor für das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt. Gerade Menschen mit einem erhöhten Blutdruck wird daher empfohlen, sich an die Empfehlung der täglichen Kochsalzzufuhr von maximal 6 Gramm pro Tag zu halten. Dadurch wird auch automatisch die Zufuhr an Chlorid reglementiert.

Wie kommt es in den Körper?

Durch die Kombination mit Natrium ist auch Chlorid in fast allen Lebensmitteln entweder natürlicherweise oder durch Zusatz von Kochsalz enthalten. 1 Gramm Kochsalz besteht aus 0,4 g Natrium und 0,6 g Chlorid. Der Chlorid-Gehalt lässt sich somit leicht aus dem Gesamt-Kochsalz-Gehalt berechnen.

Generell gilt, genau wie bei Natrium: je weniger ein Lebensmittel verarbeitet ist, desto geringer ist der Chlorid-Gehalt. Ost- und Gemüse haben nur sehr geringe Chlorid-Gehalte bis zu 100 mg pro 100 g. Fisch und Eier können hingegen bis zu 200 mg Chlorid pro 100 g enthalten. Größere Natrium- und Chlorid-Mengen finden sich beispielsweise in verarbeiteten Fischprodukten, Knäckebrot, Käse und Wurstwaren.

Mineralwässer enthalten – je nach Quelle – unterschiedliche Mengen an Natrium und Chlorid. Der Gesamt-Kochsalzgehalt in einem Mineralwasser lässt sich hier wiederum durch die Formel »Chloridgehalt x 1,66« berechnen.

Im Gegensatz zu Natriumchlorid haben Natriumcarbonat und Natriumhydrogencarbonat keinen Einfluss auf den Blutdruck. Deshalb sollte bei der Auswahl eines Mineralwassers vorrangig auf den Chloridgehalt geachtet werden. Enthält ein Mineralwasser weniger als 300 mg Chlorid, also etwa 0, 5 g Kochsalz pro Liter, ist es für Hypertoniker geeignet, die sensitiv auf Kochsalz reagieren.

Lebensmittel
mit geringem Chlorid-Gehalt Gemüse, Obst, unverarbeitete Nüsse
mit hohem Chlorid-Gehalt verarbeitete Lebensmittel wie Brot, Wurstwaren, Fischkonserven, Fertigsaucen

Für Sportler interessant: viele spezielle Sportler-Getränke oder isotonische Getränke enthalten deutlich mehr Kochsalz als ansonsten üblich. Das können bis zu 700 mg pro Liter sein, was circa 1,7 g Kochsalz entspricht.

Achtung, Wechselwirkung!

Die Einnahme von Diuretika wie zum Beispiel Furosemid, Etacrinsäure oder Hydrochlorothiazid kann zu Elektrolytstörungen mit veränderten Natrium- und Kalium- und somit auch veränderten Chloridwerten führen. So geht die sogenannte Hypochlorämie als eine Form der Elektrolytstörung zum Beispiel durch Erbrechen und Durchfall sowie durch eine metabolische Alkalose, Diuretika oder auch eine Chemotherapie mit einer verminderten Konzentration von Chlorid im Blut einher. Gegebenenfalls muss nach ärztlicher Diagnose eine Substitution mithilfe entsprechender Elektrolytlösungen erfolgen.

Falsch dosiert, was nun?

Toxische Wirkungen von Chlorid sind nicht bekannt. Es konnten aber Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System bei einer zu hohen Zufuhr von Kaliumchlorid als Kochsalzersatzmittel beobachtet werden. Dieses Diätsalz enthält statt des Natriums den Mineralstoff Kalium und findet sich im Speisesalz als auch in Nahrungsergänzungsmitteln. Es wird kontrovers diskutiert, inwieweit Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System auf das enthaltene Chlorid zurückführen sind.

Die tolerierbare Chlorid-Menge pro Tag liegt gemäß »Institute of Medicine« (IOM) bei 3,6 Gramm für Erwachsene.

TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa