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Spätfolgen

Chronische Erschöpfung nach Covid-19?

Infektionen mit SARS-CoV-2 führen nicht nur zu Erkrankungen der Lunge. Sie können unterschiedliche Folgeerkrankungen nach sich ziehen – teilweise auch über die Zeit der Virusinfektion hinaus. Ein großes Problem stellt auch chronische Erschöpfung dar.
Michael van den Heuvel
30.07.2020  09:30 Uhr
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Beim 30-jährigen Simon S. führte SARS-CoV-2 nur zu leichten, grippeähnlichen Beschwerden. Ein milder Verlauf mit Fieber und Husten als Leitsymptomen tritt laut Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO bei circa 80 Prozent aller Patienten auf. Simon hatte keine Vorerkrankungen und gehörte nicht zu den klassischen Risikogruppen. Seine Beschwerden besserten sich rasch, und der PCR-Test fiel negativ aus. Doch bald darauf verschlechterte sich sein Gesundheitszustand wieder. Er musste zurück zu seinen Eltern ziehen, weil er seinen Alltag nicht mehr bewältigen konnte. Der Fallbericht zeigt: Nach Abklingen der Infektion sind viele Patienten noch lange nicht gesund.

Simon ist kein Einzelfall: Mehr und mehr ehemalige SARS-CoV-Infizierte berichten in Webforen oder Facebook-Gruppen über extreme Erschöpfung. Vermutlich handelt es sich um eine postinfektiöse Fatigue. Das Phänomen ist bekannt, etwa von Patienten mit Influenza. Man findet bei ihnen keine Viren mehr im Blut. Auch Röntgen- oder CT-Untersuchungen verlaufen ergebnislos. Extreme Müdigkeit und Erschöpfung zählen zu den wichtigsten Beschwerden.

Die post-infektiöse Fatigue dauert meist ein bis zwei Wochen, im Extremfall aber auch bis zu fünf Monaten. Sie ist Teil des normalen Regenerationsprozesses. Erst nach sechs Monaten sollte man vom Chronischen Fatigue-Syndrom (CFS) sprechen. Ob SARS-CoV-2-Infektionen auch zum CFS führen, weiß man nicht. Derartige Sorgen sind aber nicht von der Hand zu weisen. Virologen berichten über Erfahrungswerte, die sie während früherer Ausbrüche anderer Corona-Viren sammeln konnten.

Beispielsweise infizierten sich 2003 in Toronto 273 Menschen mit dem SARS-1-Virus. In der Kohorte starben 44 Personen. Die Überlebenden wurden auch nach ihrer Erkrankung in größeren Abständen medizinisch untersucht. Noch drei Jahre später litt jeder Zehnte unter den typischen CFS-Symptomen. Betroffene, darunter waren einige Angestellte im Gesundheitswesen, konnten teilweise nicht mehr arbeiten. Sie berichteten von Müdigkeit, Muskelschwäche, Depressionen und Schlafstörungen. Zu ähnlichen Beschwerden haben MERS-Infektionen geführt. MERS (Middle East Respiratory Syndrome) wird ebenfalls durch ein Coronavirus ausgelöst.

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