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»Man sollte vorausschauen«

Corona-Impfung durch PTA?

In der ersten Impfwoche gegen Corona boten 526 Apotheken Impfungen an, durchgeführt von Apothekern. Könnte Impfen gegen Corona und womöglich auch Grippe künftig auch eine Aufgabe für PTA werden? PTA-Forum fragte nach.
Isabel Weinert
16.02.2022  11:00 Uhr

Minou Hansen, Leiterin der Rechtsabteilung der Apothekengewerkschaft Adexa, sieht derzeit keinen Handlungsbedarf: »Im Gesetz zur Stärkung der Impfprävention gegen Covid-19 ist ausdrücklich nur von Apothekern die Rede. Von daher sehe ich keine Rechtsgrundlage dafür, dass PTA in der Apotheke impfen«, so Hansen. Anders könne es sein, wenn die PTA in einer Arztpraxis angestellt werde. Hier könne es nach dem Gesetzeswortlaut die Möglichkeit der Delegation durch Arzt oder Ärztin geben. »Ich gehe aber nicht davon aus, dass es hier viele Fallkonstellationen gibt«, sagt die Rechtsanwältin.

Die Gesetzeslage ist eindeutig, PTA in Apotheken dürfen nicht impfen. Das bestätigt auch die ABDA. Während Ärzte etwa Impfungen an nicht ärztliche Angestellte wie Medizinische Fachangestellte (MFA)  abgeben können, gilt das für Apotheker gegenüber den Angestellten in der Apotheke nicht.

Mittelfristig wünsche sich der Bundesverband PTA (BVpta) jedoch eine andere Perspektive für in Apotheken angestellte PTA, so die erste Bundesvorsitzende des Verbands, Carmen Steves: »Ich sehe das ganz klar so, dass man das Impfen in der Apotheke etablieren und auch ausweiten sollte auf andere Impfungen wie etwa die Impfung gegen Grippe.« Das würde auch in ein übergeordnetes Konzept passen, für das sich der BVpta einsetzt: »Wir vertreten die Meinung, dass es sinnvoll ist, PTA in verschiedene Richtungen weiter zu qualifizieren und im Rahmen einer solchen Weiterqualifizierung sehen wir das Thema Impfen auch bei PTA.« Dazu müsse jedoch auch geklärt werden, wie PTA im Falle von Komplikationen eingebunden werden sollten. Hier sieht Steves Apothekerinnen und Apotheker in der Verantwortung. »Auch in Zukunft wird es ja selbst mit Weiterqualifizierungen so sein, dass PTA nicht alleine arbeiten, das heißt, eine Apothekerin, ein Apotheker ist ohnehin vor Ort. Auf diese Weise sollte sich auch eine Notfallsituation abdecken lassen.«

Ob die Vorstellungen des BVpta und einiger weiterer Unterstützer der Impfungen durch PTA in den Reihen der Apothekerinnen und Apotheker vom Gesetzgeber womöglich irgendwann umgesetzt werden, hängt laut Steves auch am zu erwartenden Gegenwind. »Wenn es viele Gegenstimmen gibt, etwa auch aus der Ärzteschaft, dann wird es schwieriger«, sagt sie und bedauert: »Das behindert den Fortschritt in der interprofessionellen Arbeit, die Nutzung von Infrastruktur und Wissen der Apotheken«. Steves hofft darauf, dass sich die Einstellung in Teilen der Ärzteschaft noch ändern wird. Das sei sicher noch ein Weg, aber »man sollte vorausschauen«.

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