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Stresstest

Corona-Krise setzt der Psyche zu

Problem: Einsamkeit

Große Sorge macht sich Mühlig um viele allein lebende ältere Menschen oder Alleinerziehende, die die Doppelbelastung Homeoffice und Kinderbetreuung nicht verkraften. Ältere seien in der derzeitigen Situation psychisch besonders gefährdet, auch weil sie nicht immer von Internet-Kommunikation profitierten. Es fehle am geübten Umgang mit der Technik. Auf sie müsse zugegangen werden, durch Anrufe, Kontakt- und Hilfsangebote, so Mühlig.

So erhöht sich zum Beispiel in Zeiten der Corona-Krise die Nachfrage bei einer Berliner Hotline für einsame Senioren. Das Anrufaufkommen sei zuletzt stark angewachsen, sagte die Initiatorin des sogenannten Silbertelefons, Elke Schilling, der Nachrichtenagentur dpa. An einzelnen Tagen hätten fünfmal mehr Menschen angerufen als zuvor. Man sei dabei, die Kapazitäten aufzustocken.

Im Vergleich zu Zeiten vor der Krise riefen nun auch etwas jüngere Menschen an, die noch keine lange Zeit der Einsamkeit hinter sich haben, so Schilling. Es handle sich um eigentlich noch fitte und bewegliche Senioren. Angesichts der Einschränkungen im öffentlichen Leben und der Aufrufe, soziale Kontakte einzuschränken, machten sie nun aber die Erfahrung, allein zu sein. Hinzu komme die Unberechenbarkeit der weiteren Entwicklung. Es gebe bei Anrufern auch Ängste, selbst mit dem Coronavirus infiziert zu sein, so Schilling.

Für Struktur und Stabilität sorgen

Um einen »Lagerkoller»« entgegen zu wirken, rät Mühlig, den üblichen Tagesrhythmus beizubehalten, Struktur zu schaffen und emotionale Stabilität. Spaziergänge und anderweitige Bewegung an der frischen Luft stärkten das Immunsystem und sorgten für verbesserten die Durchblutung der Lunge. Auch Indoor-Training für 15 bis 30 Minuten täglich helfe der Immunabwehr und beim Stressabbau: von Kniebeugen bis Tai-Chi. Und es brauche Regel für das Zusammenleben und den Haushalt - gemeinsame Zeit und auch die Möglichkeit, sich zurückzuziehen.

Der Ruheforscher Weeß rät außerdem, sich nur bei glaubwürdigen Quellen über den Stand der Pandemie zu informieren. »Vermeiden Sie aber eine exzessive Nutzung der Medien. Setzen Sie sich bewusst ein zeitliches Limit für Fernsehen und Social Media.« Die ständige Beschäftigung mit der Lage und das Warten auf Nachrichten erhöhten die psychische Belastung.

»Das Allerwichtigste ist, sich nicht verrückt zu machen», mahnt Mühlig. Vielmehr sollte man sich vor Augen führen, dass die Situation von begrenzter Dauer ist, Gesellschaft und Einzelpersonen die Herausforderungen bewältigen werden. »Dazu braucht es vor allem Zuversicht und Grundoptimismus, der auf einer sachlichen und realistischen Beurteilung der Lage beruht.«

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