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Covid-19-Nachweis

Welche Coronatests gibt es und wie gut sind sie?

PCR, Antigen- oder Antikörpertest? Im Schnellverfahren oder selbst durchgeführt? Bei der Vielzahl der Coronatests, von denen aktuell die Rede ist, kann man durchaus den Überblick verlieren. Noch darf in Apotheken nicht auf das Coronavirus getestet oder Selbsttests an Endverbraucher abgegeben werden. Das könnte sich jedoch ändern. Nicht erst dann sollten PTA die verschiedenen Testverfahren unterscheiden können.  
Katja Egermeier
20.11.2020  16:00 Uhr

Der PCR-Test

  • Auf was wird getestet?
    Der PCR-Test (Polymerase-Kettenreaktion) wird eingesetzt, um eine akute Infektion mit SARS-CoV-2 im Moment der Probenentnahme nachzuweisen. Er kann Viren in sehr geringen Konzentrationen nachweisen.

  • Wie läuft ein PCR-Test ab?
    Der PCR-Test funktioniert über einen Abstrich aus dem Mund-Rachen-Raum. Vor allem in der frühen Phase der Erkrankung werden Abstriche aus den oberen Atemwegen verwendet. Standard ist hier der Nasen-Rachen-Abstrich. Dabei werden mit einem langen Wattestäbchen, dem sogenannten Virustupfer, Proben der Schleimhaut aus den oberen Atemwegen entnommen.

    In späteren Phasen kann außerdem die Untersuchung der Sekrete aus den unteren Atemwegen klinisch geboten sein, zum Beispiel Sputumproben.

  • Wo werden PCR-Tests durchgeführt?
    Die Nasen-Rachen-Abstriche werden in Hausarztpraxen, Kliniken oder Testzentren genommen und für die eigentliche PCR-Testung in  ein Labor geschickt.

  • Wie lange dauert ein PCR-Test?
    Die reine Testzeit im Labor dauert vier bis fünf Stunden, bis zur Ergebnismitteilung vergehen meist ein bis zwei Tage.

  • Wie zuverlässig sind PCR-Tests?
    Der PCR-Test ist der bislang zuverlässigste Test. Mit einer Sensitivität zwischen 95 und 100 Prozent bei einem Nasen-Rachen-Abstrich gilt er als Goldstandard unter den Testverfahren.

  • Zahlt die Krankenkasse den PCR-Test?
    Entscheidet sich der behandelnde Arzt für einen PCR-Test, werden die Behandlungs- sowie die Laborkosten von der Krankenkasse übernommen.

  • Wann wird per PCR getestet?
    Die Kriterien, wann ein potenziell Infizierter getestet wird, werden fortlaufend angepasst – zuletzt am 3. November. Ein Flussschema des Robert-Koch-Instituts (RKI) dient hierbei als Empfehlung; letztendlich liegt die Entscheidung jedoch bei den behandelnden Ärzten.

  • Was hat es mit sogenannten PCR-Schnelltests auf sich?
    PCR-Schnelltests basieren auf dem gleichen Prinzip wie die laborbasierten Tests, sind jedoch wesentlich teurer und weniger zuverlässig. Es können nur drei Ergebnisse angezeigt werden – positiv, negativ oder unklar –, aber keine Aussage über die Viruskonzentration. Ihr Einsatz ist dadurch begrenzt. Auch erfordern die PCR-Schnelltests Abstriche durch fachlich geschultes Personal und sind nicht für zu Hause geeinget. Von Vorteil ist diese Testmethode jedoch beispielsweise für Testungen in Notaufnahmen, Ambulanzen oder Pflegeeinrichtungen.

Der Antigentest 

  • Was wird getestet?
    Der  Antigentest ist ein Schnelltest, der wie ein PCR-Test darauf ausgerichtet ist, eine aktive Coronavirus-Infektion festzustellen. Das geschieht durch den Nachweis von SARS-CoV-2-Eiweißen. Dazu werden die Proben aus dem Nasenrachenraum auf einen Teststreifen mit SARS-CoV-2-spezifischen Antikörpern gegeben. Sind die SARS-CoV-2-Proteine in ausreichender Konzentration vorhanden, binden sie an die Antikörper und zeigen ein positives Ergebnis.

  • Wie läuft ein Antigentest ab?
    Für den Antigentest muss ein Abstrich im Nasen-Rachen-Raum vorgenommen werden. Ähnlich einem Schwangerschaftstest muss die Probe anschließend auf den Test aufgebracht werden, der innerhalb von 15 bis 30 Minuten darauf reagiert. 

    Alle zurzeit erhältlichen Antigen-Schnelltests müssen von geschultem, medizinischem Personal unter Berücksichtigung der entsprechenden Arbeitsschutzmaßnahmen durchgeführt werden. 

    Aufgrund der einfacheren Auswertung können Antigentests auch außerhalb eines Labors durchgeführt werden, so zum Beispiel in einer Pflegeeinrichtung, einer medizinischen Einrichtung sowie in Arztpraxen ohne Diagnostiklabor.

  • Wie zuverlässig sind Antigentests?
    Da Antigentests als weniger zuverlässig als PCR-Tests eingestuft werden, eignen sie sich  nur unter bestimmten Voraussetzungen als sinnvolle Ergänzung zu anderen Maßnahmen

    Dazu kommt, dass sich die auf dem Markt verfügbaren Antigentests in ihrer Leistungsfähigkeit stark  unterscheiden . Das Paul-Ehrlich-Institut hat daher in Abstimmung mit dem RKIMindestkriterien für Antigentests festgelegt. Eine Liste der Antigentests , die gemäß Herstellerangaben die Mindestkriterien erfüllen und dementsprechend erstattungsfähig sind, führt d as Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) . Diese wird kontinuierlich dem wachsenden Kenntnisstand angepasst und dementsprechend fortlaufend aktualisiert.

  • Was ist der Vorteil von Antigentests?
    Bei Antigentests wird das Ergebnis schon in kürzester Zeit angezeigt. Sie werden deshalb auch als Antigen-Schnelltests bezeichnet. Durch die Möglichkeit, viel zu testen und Infektionen schnell  zu erkennen, sind sie besonders für Besucher beispielsweise von Pflegeheimen, Krankenhäusern oder anderen medizinischen Einrichtungen geeignet.

Der Antikörpertest

  • Was ist ein Antikörpertest?
    Es handelt sich dabei um einen Labortest (ELISA oder CLIA), der eine Blutprobe auf SARS-CoV-2-spezifische Antikörper im Blut/Serum untersucht. Diese bilden sich etwa ab der zweiten Woche nach Beginn der Krankheitssymptome. Anders als bei einem PCR- oder Antigentest ist ein Antikörpertest deshalb zum Nachweis einer akuten Infektion nicht geeignet. Er weist das Virus erst nach, wenn eine SARS-CoV-2-Infektion schon abgeklungen ist und sagt somit nur aus, ob jemand in der Vergangenheit an Covid-19 erkrankt war.

  • Wie wird getestet?
    Um die Antikörper im Blutserum nachweisen zu können, muss der Testperson beim Arzt oder im Labor Blut abgenommen werden.

    Von Antikörpertests im Schnellverfahren, die als kommerzielle Tests auf dem freien Markt verkauft werden, rät das RKI ab. Diese besitzen nach Angaben des Instituts noch nicht die benötigte Qualität.

  • Wie zuverlässig sind Antikörpertests?
    Antikörpertests sind insgesamt deutlich schlechter und unzuverlässiger als PCR- und Antigentests. Als problematisch erweist es sich schon, den Test zum richtigen Zeitpunkt durchzuführen. Erst einige Wochen nach der Infektion bildet der Körper die besser nachweisbaren Langzeitantikörper IgG. Aus einem zu früh durchgeführten Test ist also kein zuverlässiges Testergebnis zu erwarten. Auch ein zu spät durchgeführter Test kann die Zuverlässigkeit des Ergebnisses beeinflussen, da die Konzentration der Antikörper wieder nachlässt.

  • Zahlt die Krankenkasse?
    Antikörpertests ohne direkten zeitlichen Bezug zu Covid-19-Symptomen werden von den Krankenkassen nicht übernommen. Der Grund: Der Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums vom 9. Juni 2020 zufolge ist noch ungeklärt, inwieweit ein Nachweis von Antikörpern eine Immunität belegt.

  • Wie sinnvoll sind Antikörper-Schnelltests?
    Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät von Antikörper-Schnelltests, die kommerziell angeboten werden, wegen mangelnder Qualität für eine Diagnosestellung ab. Ihr Einsatz sollte sich auf Forschungsprojekte beschränken. 
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