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Fibrose-Risiko

Covid-19 geht an die Nieren

Covid-19 kann zu empfindlichen Störungen der Nieren mit gravierender Beeinträchtigung der Funktion des Entgiftungsorgans durch Fibrosen führen. »Je schwerer die Covid-19-Erkrankung, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Nieren Schaden nehmen«, warnt Professor Julia Weinmann-Menke in einem aktuellen Statement der DGfN anlässlich des heutigen Weltnierentags.
Christiane Berg
10.03.2022  16:00 Uhr

Studiengemäß seien Verluste der glomerulären Filtrationsrate (GFR) und somit Nierenfunktionsabfälle von 30 oder gar 50 Prozent nach einem kritischen Covid-19-Verlauf keine Seltenheit. Je nach Ausmaß der Covid-19-Erkrankung seien unterschiedlich ausgeprägte Nierenschädigungen zu beobachten. Der Leiterin des Schwerpunktes Nephrologie an der Universität Mainz geht es darum, Menschen für mögliche Covid-19-Folgekomplikationen zu sensibilisieren. Diese seien in den meisten Fällen gut behandelbar, wenn sie rechtzeitig erkannt werden.

Gerade in frühen Stadien chronischer Nierenerkrankungen schlage eine medikamentöse Therapie meist gut an; aber auch in fortgeschrittenen Stadien könnten kritische Blutwerte bei konsequenter, adäquater Behandlung unter Kontrolle gebracht werden.

Nierenkrankheiten verlaufen stumm

Die Crux laut der DGfN: Symptome stellen sich erst ein, wenn die Nierenfunktion gemessen als GFR unter 20 Prozent fällt. Wenn ein Mensch vor einer Covid-19-Erkrankung eine GFR von 80, danach aber nur noch von 50 oder 40 Prozent hat, falle das zunächst nicht auf. Dennoch bestehe dringend Handlungsbedarf. »Wenn keine spezifische medikamentöse Therapie erfolgt, nimmt die Nierenfunktion immer weiter und gegebenenfalls bis hin zur Notwendigkeit der Dialyse oder Nierentransplantation ab.«

Die Fachgesellschaft betont, dass Betroffene und hier insbesondere Patienten mit Bluthochdruck oder Diabetes mellitus, die ein erhöhtes Nierenerkrankungsrisiko besitzen, nach einer Covid-19-Infektion einen Nierencheck durchführen und die Nierenwerte überprüfen lassen sollten, um nicht das Zeitfenster für eine frühzeitige Therapie zu verpassen.

Bereits Ende vergangenen Jahres machte die GFN deutlich, dass Covid-19-Erkrankte studiengemäß ein fast dreifach erhöhtes Lebenszeitrisiko haben, Dialyse-Patient zu werden. Zudem könnten typische Long-Covid-Symptome wie Müdigkeit, verminderte Belastbarkeit, Konzentrationsschwäche oder Kopfschmerzen auf eine Nierenschädigung hindeuten. Die Abklärung der Nierenwerte sei somit von besonderer Bedeutung auch in der längerfristigen Nachsorge von Covid-19-Patienten.

Chronische Nierenkrankheiten unterdiagnostiziert und -therapiert

Auch unabhängig von der Corona-Pandemie steigt die Zahl der Menschen mit chronischer Nierenerkrankung derzeit weltweit an. In Deutschland sind aktuellen Krankenkassen-Auswertungen gemäß bereits circa 9 Millionen betroffen. Drei von vier chronisch Nierenkranken wissen jedoch nichts davon und lediglich zwei von drei Betroffenen mit bekannter chronischer Nierenerkrankung werden adäquat behandelt.

Bleibt bei fortgeschrittener Erkrankung oft nur eine Transplantation oder die regelmäßige Dialysebehandlung, so seien in Deutschland zurzeit ungefähr 80.000 bis 95.000 Menschen auf eine Dialyse angewiesen. Im Klartext, so die DGfN, zeigen die vorliegenden Daten, dass chronische Nierenkrankheiten unterdiagnostiziert und unterbehandelt sind. Das Corona-Virus sei eine besondere Gefahr für das lebenswichtige Entgiftungsorgan: Die DGfN unterstreicht, dass die Covid-19-Schutz-Impfung das Risiko von Folgekomplikationen durch Nierenschäden mindern kann.

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