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Bei Symptomen sofort handeln

Covid-19 kann Schlaganfall begünstigen

Auch wenn die Daten spärlich und weitere wissenschaftliche Untersuchungen erforderlich sind: Zwischenzeitlich gilt es als gesichert, dass das neue Corona-Virus nicht nur zu Atemwegserkrankungen und Lungenentzündungen, sondern – bei schweren Verläufen – auch zu Schlaganfällen führen kann. Darauf hat die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), anlässlich des bundesweiten »Tags gegen den Schlaganfall« am 10. Mai hingewiesen.
Christiane Berg
08.05.2020  12:00 Uhr

Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen mache das Virus auch vor dem zentralen Nervensystem nicht Halt. So habe eine Untersuchung aus China mit 214 Covid-19-Betroffenen ergeben, dass 78 Patienten, also mehr als jeder Dritte, neurologische Symptome zeigten. Von diesen Patienten wiederum hatten fünf einen Schlaganfall.

Auch eine aktuelle niederländische Studie verdeutliche, dass Covid-19-Erkrankungen bei Intensivpatienten zu vermehrten thromboembolischen Komplikationen wie ischämischen Schlaganfällen führen können, so die DSG. Eine Untersuchung aus New York City zeige zudem, dass auch junge Patienten betroffen seien.

»Ein Schlaganfall ist die Folge einer Minderdurchblutung oder einer Blutung im Gehirn. Da bei einer schweren Infektion oft auch das Blutgerinnungssystem beeinflusst wird, könnte die Entstehung von Schlaganfällen durch das Covid-19-Virus begünstigt werden«, unterstrich Professor Wolf-Rüdiger Schäbitz, Mitglied im Vorstand der DSG.

Bekannt ist unter anderem, dass Patienten mit schweren respiratorischen Verläufen höhere Blut-Spiegel an D-Dimeren aufweisen. Als Spaltprodukte von Fibrin, das bei der Blutgerinnung durch enzymatische Einwirkung von Thrombin auf Fibrinogen entsteht, gelten diese D-Dimere als Hinweis auf eine Gerinnungsaktivierung. Zudem sind im Rahmen von SARS-Infektionen histologisch Vaskulitiden nachgewiesen wurden, die ebenfalls als Schlaganfall-Ursache diskutiert werden. Häufig kommen auch Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Hypertonie ins Spiel.

Auch in Corona-Zeiten sofort ins Krankenhaus

Ob mit oder ohne Covid-19: »Ein Schlaganfall ist stets ein medizinischer Notfall. Betroffene sollten sich schnellstmöglich in Behandlung begeben«, betonte Professor Helmuth Steinmetz von der DSG. Wird vermutet, dass viele Menschen trotz entsprechender Symptome aus Angst vor Ansteckung nicht die Klinik aufsuchen, so sei diese Sorge unbegründet. Das Infektionsrisiko sei gering. »Wer zögert, sich bei den ersten Anzeichen eines Schlaganfalls in ein Krankenhaus einliefern zu lassen, riskiert im schlimmsten Fall sein Leben«, warnte Steinmetz.

»Wer zögert, sich bei den ersten Anzeichen eines Schlaganfalls einliefern zu lassen, riskiert sein Leben.«
Professor Helmuth Steinmetz, Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft

Viele Kliniken melden 20 bis 30 Prozent weniger Schlaganfall-Patienten. »Das ist besorgniserregend, denn oft folgt selbst einer vorübergehenden Attacke ein schwerer Schlaganfall«: Das sagte auch der Vorstand der Deutschen Schlaganfall-Hilfe, Dr. Michael Brinkmeier, in einer Meldung zum bundesweiten »Tag gegen den Schlaganfall«. Aufklärung sei jetzt besonders wichtig.

Per App gegen den Hirninfarkt

Anlässlich des Aktionstages am 10. Mai mit dem diesjährigen Motto »Die digitalen Helfer kommen« hat die Deutsche Schlaganfall-Hilfe ihre App »FAST-Test« zur Bewertung der Symptome herausgebracht. FAST steht für Face (Gesicht), Arms (Arme) und Speech (Sprache), die bei Schlaganfällen betroffen sein können, sowie schließlich Time – für die Zeit, die im Notfall drängt.

Denn: »Time is brain«. Durch die Beantwortung von drei Fragen können Laien einen Schlaganfall-Verdacht prüfen und direkt den Notruf 112 auslösen. Die App ist dreisprachig deutsch, englisch und türkisch und mit einer Audiofunktion ausgestattet. Sie ist kostenlos erhältlich über den Suchbegriff »Schlaganfallhilfe« im Apple Store und im Google Play Store.

Eine aktuelle Online-Umfrage der Schlaganfall-Hilfe habe gezeigt, dass viele Schlaganfall-Patienten Gesundheits-Apps gegenüber aufgeschlossen sind. Rund 86 Prozent fänden eine »App auf Rezept« von ihrem Hausarzt gut oder würden sie zumindest ausprobieren. Die Hälfte der Betroffenen nutze ihr Smartphone bereits für Gesundheits-Apps. Bewegungsprogramme (63 Prozent) lägen dabei ganz vorn, gefolgt von Blutdruck- (55 Prozent), Ernährungs- und Entspannungs-Apps (je 47 Prozent). Bereits 43 Prozent arbeiten mit Apps zur Unterstützung ihrer Therapie, zum Beispiel für Sprachübungen.

Apps ersetzen keinen Arztbesuch und bei Verdacht auf einen Schlaganfall sollte man immer sofort den Notarzt rufen. »Doch gerade chronisch kranke Patienten können in ihrem Krankheitsmanagement von ihnen profitieren«, sagte Brinkmeier.

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