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Abführen in zwei Schritten

Darmspiegelung: So bereiten Sie sich vor

Eine Darmspiegelung ist ohne Frage die beste Maßnahme, um Darmkrebs und seine Vorstufen so früh wie möglich zu erkennen. Doch damit der Gastroenterologe die Strukturen der Darmwand verlässlich beurteilen kann, muss der Darm gründlich gereinigt sein. Wie bereitet man sich am besten auf die Untersuchung vor?
Elke Wolf
21.01.2021  16:00 Uhr

Die Koloskopie ist unangefochtener Goldstandard bei der Früherkennung von kolorektalen Karzinomen. Ihr großer Pluspunkt: Während des Eingriffs können Polypen nicht nur diagnostiziert, sondern unmittelbar abgetragen werden. »Deren Detektionsrate ist dabei unmittelbar von der Güte der Darmreinigung abhängig. Für eine gute Sicht bei der Endoskopie muss der Dickdarm vollständig von Stuhlresten entleert sein«, erklärt Professor Dr. Alexander Meining, Vorstand Sektion Endoskopie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), im Gespräch mit PTA-Forum.

Wer beim Abführen deshalb nicht gründlich vorgeht, riskiert eine Wiederholungsuntersuchung zu einem späteren Zeitpunkt beziehungsweise wiegt sich in falscher Sicherheit. Eine umfassende Aufklärung des Patienten über die enorme Bedeutung der Darmreinigung hält Meining deshalb für unerlässlich. »Alles, was an Information zusätzlich geleistet wird, egal ob vom Hausarzt oder Gastroenterologen oder bei der Abgabe des Abführmittels in der Apotheke, ist von Vorteil. Die Vorbereitung ist sehr komplex und beginnt bereits fünf Tage vor dem eigentlichen Eingriff.« Gute Erfahrungen hat Meining bei sich an der Uniklinik Würzburg auch mit Erinnerungs-SMS oder mit Koloskopie-Vorbereitungs-Apps gemacht.

Vorzug für PEG

Für die Darmreinigung steht eine Vielzahl von Lavage-Präparaten zur Verfügung. Ihre Wirkstoffe lassen sich im Wesentlichen in zwei Gruppen aufteilen, und zwar Polyethylenglykol (PEG)-basierte Präparate (wie Moviprep®, Endofalk®) sowie Zubereitungen mit anderen osmotisch wirkenden Substanzen wie Natriumphosphat, Natriumpicosulfat, Magnesiumsulfat, Magnesiumoxid und Magnesiumcitrat (wie Citrafleet®, Eziclen®, Picoprep®), entweder allein oder in Kombination.

Die PEG-basierten Präparate wirken aufgrund ihres großen Flüssigkeitsvolumens, das getrunken werden muss. PEG binden Wasser über Wasserstoffbrücken in Form von Hydrathüllen. Dadurch wird mit dem Arzneistoff eine definierte, oral zugeführte Wassermenge in das Kolon transportiert – eben genau jene ein bis zwei Liter, die mit dem Wirkstoff eingenommen werden. Macrogole hydratisieren den Stuhl, verkürzen die Kolontransitzeit und über die Dehnung der Darmwand kommt es zum Defäkationsreflex. Das Trinkpensum konnte im Lauf der Jahre von vier auf rund zwei Liter reduziert werden, da PEG mit Vitamin C/Natriumascorbat kombiniert wurde. Vitamin C entwickelt einen verstärkenden Effekt auf PEG, das Wasser ins Darmlumen zu ziehen. PEG-Lösungen schmecken leicht salzig-seifig, was die Einnahme für manche Anwender auch wegen des Geruchs große Überwindung kostet.

Für Personen, denen es nicht möglich ist, etwa aufgrund von Übelkeit und Erbrechen, die PEG-Lösungen zu trinken, bieten sich die osmotisch wirkenden Abführsubstanzen Natriumphosphat, Natriumpicosulfat, Magnesiumsulfat oder Magnesiumcitrat an. Diese, zumeist angenehmer im Geschmack, bewirken im Darm einen erhöhten osmotischen Druck. Um diesen auszugleichen, strömt Wasser aus dem umliegenden Gewebe in den Darm, was den Stuhl erweicht. Natriumpicosulfat steigert zusätzlich die Darmperistaltik. Im Unterschied zu den PEG-haltigen Abführmitteln wird hierbei das Pulver in einer kleinen definierten Menge Wasser aufgelöst und getrunken. Erst nach einer kurzen Pause von etwa dreißig Minuten stehen dann 1,5 bis zwei Liter klare Flüssigkeit zum Trinken an. Nach mehreren Stunden oder am nächsten Tag wird das Prozedere wiederholt. Wer also mit osmotischen Substanzen abführt, muss insgesamt mehr Flüssigkeit konsumieren (vier statt zwei Liter).

Die DGVS oder etwa die Europäische Gesellschaft für gastrointestinale Endoskopie spricht sich für die PEG-basierten Lösungen zum Abführen aus, und das in Form einer gesplitteten Gabe. Meining: »Das ist derzeit das beste Darmvorbereitungsverfahren. Die PEG-Lösungen reinigen das Kolon gründlicher und sie werden von den Patienten besser akzeptiert.«

Bei der gesplitteten Gabe wird das Abführmittel an zwei verschiedenen Zeitpunkten eingenommen: Ein Teil der Lösung sollte am Nachmittag beziehungsweise am frühen Abend vor der Untersuchung getrunken werden, der zweite am darauffolgenden Morgen. Die Überlegenheit des gesplitteten Einnahmemodus lässt sich Gastroenterologen zufolge damit erklären, dass sich bei der zweiteiligen Gabe die Zeit zwischen der Einnahme der letzten Dosis und der Koloskopie verkürzt. »Die morgendliche Gabe wirkt wie ein Boost für den Darm, sich zu entleeren.« Die zweigeteilte Einnahme empfiehlt sich auch für die salinischen Abführmittel.

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