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Coronavirus

Das Alphabet der Varianten

Unter Beobachtung

In Deutschland ist für die molekulare Surveillance das Robert-Koch-Institut (RKI) verantwortlich. Seit der 29. Kalenderwoche 2021 (22.7.2021) veröffentlicht das Institut jeden Donnerstag in seinem Wochenbericht zu Covid-19 auch Daten zum Vorkommen von sogenannten »Variants of Concern« (VOC, besorgniserregende Varianten) und »Variants of Interest« (VOI, unter Beobachtung stehende Varianten) in Deutschland.

»Als VOC ordnen wir neue Virusvarianten ein, für die es bereits konkrete Hinweise auf eine erhöhte Übertragbarkeit des Virus unter Menschen, auf schwerere Erkrankungsverläufe (zum Beispiel vermehrte Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle) oder eine verminderte Wirksamkeit von Medikamenten oder Impfstoffen gibt«, berichtete Wölfel. Wegen dieser Veränderungen sind die VOCs global von Bedeutung für die öffentliche Gesundheit.

»Als VOI wird wiederum eine Virusvariante bezeichnet, wenn sie neue besondere Eigenschaften aufweist, die sie von anderen bekannten Varianten erheblich unterscheidet«, erzählt der Mediziner. »Das können Veränderungen sein, die es dem Virus erleichtern, in menschliche Zellen einzudringen.« Ein weiteres Beispiel für solch eine »interessante«, weil möglicherweise gefährliche Eigenschaft sei es, wenn ein mutiertes Virus weniger empfindlich gegen die Wirkung von Antikörpern ist, die nach einer früheren Infektion oder Impfung gebildet wurden. Damit eine Variante als VOI klassifiziert wird, muss sie zudem in mehreren Ländern mit steigenden Fallzahlen oder anderen offensichtlichen epidemiologischen Auswirkungen assoziiert sein. Bei den Definitionen spricht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von »Arbeitsdefinitionen« (working definitions), da diese im Laufe der Zeit möglicherweise angepasst werden müssen.

Darüber hinaus beobachtet das RKI für Deutschland noch sechs weitere Varianten, die noch keine Namen bekommen und von der WHO auch noch nicht als VOI eingestuft worden sind. Diese Varianten haben noch eine geringe globale Verbreitung, wurden aber bereits hierzulande detektiert und weisen Mutationen auf, die mit einer erhöhten Übertragbarkeit und/oder veränderten Immunantwort in Zusammenhang gebracht werden. Derartige Varianten werden als VOI-D bezeichnet.

Einstufung WHO-Nomenklatur Pangolin-Nomenklatur Erstmaliger Nachweis Aminosäure-Austausche im S- Protein
VOC B.1.1.7 Alpha GB, Sept. 2020 del69/70, del144, N501Y, A570D, D614G, P681H, T716I, S982A, D1118H
VOC B.1.351 Beta Südafrika, Mai 2020 L18F, D80A, D215G, R246I, K417N, E484K, N501Y, D614G, A701V
VOC P.1 alias B.1.1.28.1 Gamma Brasilien, Nov. 2020 L18F, T20N, P26S, D138Y, R190S, K417T, E484K, N501Y, D614G, H655Y, T1027I, V1176F
VOC B.1.617.2 Delta Indien, Okt. 2020 T19R, del157-158, L452R, T478K, D614G, P681R, D950N
VOI B.1.427/B.1.429 Epsilon USA, März 2020 S13I, W152C, L452R, D614G
VOI P.2 Zeta Brasilien, Apr. 2020 S477N, E484K, D614G, V1176F
VOI B.1.525 Eta Angola, Dez. 2020 Q52R, A67V, del69/70, del144/145, E484K, D614G, Q677H, F888L
VOI P.3 Theta Philippinen, Jan. 2021 del141/143, E484K, N501Y, D614G, P681H, E1092K, H1101Y, V1176F
VOI B.1.526 Iota USA, Nov. 2020 L5F, T95I, D253G, E484K, D614G, A701V
VOI B.1.617.1 Kappa Indien, Okt. 2020 G142D, E154K, L452R, E484Q, D614G, P681R, Q1071H
VOI-D C.37 Lambda Peru, Aug. 2020 D614G, T859N, F490S, L452Q, T76I, G75V, del247/253
VOI-D A.23.1 Nicht vergeben Uganda, Okt. 2020 F157L, V367F, Q613H, P681R
VOI-D A.27 Nicht vergeben Frankreich, Dez. 2020 T95I, del144/145, E484K, D614G, P681H, D796H
VOI-D B.1.1.318 Nicht vergeben Großbritannien, Feb. 2021 T95I, del144/145, E484K, D614G, P681H, D796H
VOI-D B.1.620 Nicht vergeben Nov. 2020 P26S, del69/70, V126A, del144/145, S477N, E484K, D614G, P681H, T1027, D1118H
VOI-D B.1.617.3 Nicht vergeben Indien, Feb. 2021 T19R, L452R, E484Q, D614G, P681R
VOI-D C.36.3 Nicht vergeben Feb 2021 Q677H, A899S, D614G, R346S, L452R, W152R, S12F, del69/70
Übersicht über aktuelle VOCs und VOIs in Deutschland
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