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Anxiolytika

Das ideale Mittel gibt es nicht

Die Wirksamkeit der Benzodiazepine bei Angststörungen wurde in zahlreichen kontrollierten klinischen Studien nachgewiesen, und verschiedene Vertreter sind auch für die Behandlung von Angstzuständen zugelassen. Vorteilhaft ist der schnelle Wirkeintritt. Der anxiolytische Effekt macht sich sofort nach oraler oder parenteraler Applikation bemerkbar.

Trotzdem spricht vieles gegen eine Verschreibung. Bei Angststörungen handelt es sich meist um chronische Krankheiten, verordnete Arzneimittel sollten sich also für eine längerfristige Therapie eignen.

»Benzodiazepine können schnell abhängig machen, zudem ist eine Toleranzentwicklung zu bedenken«, sagt der Experte. Um dieselbe Wirkung zu erzielen, müssen Patienten die Dosis immer weiter erhöhen. Ein sofortiges Absetzen ist wegen Entzugserscheinungen, zu denen verstärkte Angst und innere Unruhe gehören (Rebound-Effekt), nicht möglich. Patienten müssen die Medikamente langsam und mühsam ausschleichen. Auch sind gerade für ältere Menschen gravierende Nebenwirkungen wie eine verlängerte Reaktionszeit, Stürze, Sedierung, Schwindel, Benommenheit sowie eine Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten zu bedenken. Ein weiterer Nachteil: Auf komorbide Angststörungen wie Depressionen oder Zwangsstörungen haben Benzodiazepine nur eine begrenzte Wirkung.

Generell sollten die Substanzen nur noch Ausnahmefällen vorbehalten sein, zum Beispiel Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen, Kontraindikationen für andere Behandlungsformen oder Suizidalität.

Auch für Notfälle, wenn Patienten schnell Hilfe brauchen, sind Benzodiazepine oft unverzichtbar. Ärzte können sie dann unter sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung zeitlich befristet verordnen. Nach einer Behandlungsdauer von maximal sechs Wochen sollten Patienten die Dosis langsam reduzieren und das Arzneimittel schließlich absetzen. Einzig die langfristige Einnahme von Benzodiazepinen in niedriger Dosierung kann in bestimmten Fällen akzeptabel sein. »Bei manchen älteren Menschen ist der Nutzen fraglich, das gewohnte, niedrig dosierte Arzneimittel um jeden Preis zu entziehen«, sagt Rupprecht.

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