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Alter, Vorerkrankung, Übergewicht

Das ist über die Covid-19-Risikofaktoren bekannt

Bei 80 Prozent der Infizierten Menschen verläuft eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 glimpflich. Sie entwickeln keine oder nur milde Symptome wie trockenen Husten und Fieber. Doch etwa 20 Prozent der Infizierten entwickeln Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge so schwere Verläufe, dass sie hospitalisiert werden müssen. Was sind die Risikofaktoren für einen solchen schweren Verlauf?
Christina Hohmann-Jeddi/dpa
08.06.2020  11:32 Uhr

 Laut RKI zählt neben einem höheren Alter eine Reihe von chronischen Erkrankungen, bei denen das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf erhöht scheint. Fachgesellschaften plädieren dafür, genauer zu differenzieren.

Alter

Bekannt ist, dass das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf ab einem Alter von etwa 40 Jahren leicht und ab 50 bis 60 Jahren merklich ansteigt. Fast neun von zehn an Covid-19 gestorbenen Patienten (86 Prozent) waren laut RKI 70 Jahre alt oder älter. Wegen des weniger gut reagierenden Immunsystems können ältere Menschen nach einer Infektion schwer erkranken. Ein noch höheres Risiko sehen Experten, wenn neben einem hohen Alter auch Vorerkrankungen vorliegen.

Lungenerkrankungen

Covid-19 galt anfangs vor allem als Lungenerkrankung, weshalb Patienten mit chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen als besonders gefährdet angesehen wurden. Das gilt aber nicht für alle Erkrankungen, schrieb die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie Ende April in einer Stellungnahme. Demnach haben etwa gut therapierte Asthma-Patienten kein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe und auch die Therapie mit inhalativen Steroiden stellt wohl keine Gefahr dar. Anders ist die Situation bei Menschen mit der chronischen obstruktiven Lungenkrankheit COPD, interstitielle Lungenerkrankungen inklusive Lungenfibrosen und Lungentumoren. Bei ihnen gebe es Hinweise, dass sie ein Risiko für schwere Covid-19-Verläufe darstellen. Für Mukoviszidose könnte noch keine solide Einschätzung getroffen werden. Zigarettenrauchen wird ebenfalls vom RKI als Risikofaktor aufgeführt – auch wenn die Datenlage dazu noch «schwach» sei. Die DGP empfiehlt dennoch dringend, das Zigaretterauchen zu beenden.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Patienten mit Vorerkrankungen am Herzen wie eine koronare Herzerkrankung oder Vorhofflimmern werden eindeutig der Risikogruppe für schwere Krankheitsverläufe zugeordnet. Eine Infektion mit einem Virus stelle für das Herz eine zusätzliche Belastung dar und könne zur Überforderung führen, warnt das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung. Zudem ist bekannt, dass das Coronavirus Thrombosen, Herzmuskelentzündungen und Herzrhythmusstörungen auslösen kann, was das Herz-Kreislauf-System zusätzlich beeinträchtigt.

Bluthochdruck

In der RKI-Liste findet sich auch Hypertonie als Risikofaktor. Einer großen Datenbasis aus den USA zufolge, die mehr als 24.000 Covid-19-Todesfälle in New York umfasst, ist die Hypertonie sogar mit 53 Prozent die am häufigsten vertretene Vorerkrankung überhaupt. Diese Häufung ist nicht verwunderlich, da Bluthochdruck in der Bevölkerung und vor allem bei älteren Menschen häufig auftritt.

Eine aktuelle Analyse zeigt jedoch, dass Hypertoniker tatsächlich ein erhöhtes Sterberisiko haben: In der retrospektiven Beobachtungsstudie von chinesischen Forschern um Chao Gao mit 2877 hospitalisierten Covid-19-Patienten aus Wuhan hatten Hypertoniker eine doppelt so hohe Mortalität wie Patienten ohne Bluthochdruck (»European Heart Journal«). Außerdem hatten hypertone Covid-19-Patienten ohne antihypertensive Therapie ein deutlich erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu Patienten unter einer Bluthochdruck-Therapie (7,9 versus 3,2 Prozent). Bei der Behandlung machte es der Untersuchung zufolge keinen Unterschied, ob die Patienten ACE-Hemmer oder andere Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) erhalten hatten.

Übergewicht

Dieser Faktor rückt zunehmend ins Blickfeld der Mediziner. Eine ganze Reihe von Studien zeigt, dass eine Adipositas den Verlauf von Covid-19 verkomplizieren kann. So weist zum Beispiel  eine Untersuchung aus Frankreich einen Zusammenhang zwischen dem Body-Mass-Index (BMI) und der Covid-19-Komplikationsrate nach. »Daraus geht klar hervor: Je höher der BMI ist, desto häufiger treten schwere Covid-19-Verläufe auf und desto häufiger sind Patienten auch gestorben«, erklärt Professor Dr. Jens Aberle, Endokrinologe am Hamburger Universitätsklinikum, gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Eine Theorie ist, dass das Immunsystem durch das Fettgewebe chronisch aktiviert und darüber zu dem bei einigen Covid-19-Patienten beobachteten Zytokinsturm beiträgt.

Diabetes

»Es sind bislang zu wenige Zusammenhänge mit Diabetes bekannt, um das Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung abschließend bewerten zu können«, sagt der Sprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft, Professor Dr. Baptist Gallwitz. Statt Diabetes-Patienten pauschal als Risikogruppe einzustufen, plädiert der Tübinger Mediziner dafür, nach Alter und Vorerkrankungen zu differenzieren. Ältere Patienten mit Diabetes Typ 2 wiesen oft auch weitere Risikofaktoren auf. »Das sind sicher Patienten, die bei einer Coronavirus-Infektion ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf haben.« Bei einem gut eingestellten Diabetes Typ 1, der vor allem in der Kindheit auftritt, sei kein erhöhtes Risiko auszumachen. »Das Gleiche gilt auch für jüngere Menschen mit Typ 2 Diabetes ohne eine weitere Begleiterkrankung«, betont Gallwitz  gegenüber dpa.

Eine aktuelle französische Untersuchung zeigt das hohe Sterberisiko bei Diabetikern mit Covid-19. Von 1317 Patienten mit Diabetes, die wegen Covid-19 in ein Krankenhaus kamen, mussten 31,1 Prozent innerhalb von 7 Tagen auf die Intensivstation verlegt werden, 20,3 Prozent wurden beatmungspflichtig und 10,6 Prozent starben innerhalb dieses Zeitraums. Dabei war den Forschern zufolge ein erhöhtes Sterberisiko mit einem erhöhten BMI und schon vorliegenden Spätkomplikationen assoziiert, aber nicht mit einer schlechten Blutzuckereinstellung. Auch die Medikation scheint das Risiko nicht zu beeinflussen. 

Krebserkrankungen

Das RKI listet auch Krebserkrankungen allgemein als Risikofaktor für schwere Verläufe von Covid-19. Diese Einschätzung teilt die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) in einer Leitlinie. Generell sei das Risiko für Krebspatienten, durch eine Infektion mit respiratorischen Viren eine Lungenentzündung zu erleiden, deutlich höher als für Gesunde. Dies gelte wahrscheinlich auch für Infektionen durch SARS-CoV-2. Erhöht wäre das Risiko vor allem bei Patienten mit schwerer Immunsuppression (zum Beispiel nach Stammzelltransplantation) und Lymphozytopenie. Kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei Ansteckung mit SARS-CoV-2 haben Krebspatienten mit einer gut beherrschten Erkrankung oder nach erfolgreich abgeschlossener Erstbehandlung. Eine aktuelle Studie im Fachjournal »The Lancet« mit fast 1000 Krebspatienten, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert hatten, bestätigt dies. Demnach starben 13 Prozent aller Krebspatienten innerhalb von 30 Tagen. Ein fünffach erhöhtes Risiko hatten dabei Patienten mit aktiver Tumorerkrankung.

Lebererkrankungen

Dazu liegen unterschiedliche Einschätzungen vor. Das RKI zählt Patienten mit chronischen Lebererkrankungen zur Risikogruppe. Die Deutsche Leberhilfe ist da vorsichtiger: »Bislang ist unklar, ob Leberkranke generell ein höheres Risiko von schweren Covid-19-Verläufen haben», heißt es in einer aktuellen Stellungnahme. Es gebe aber erste Hinweise, dass Fettleber-Erkrankungen das Risiko schwerer Verläufe erhöhen könnten.

Nierenerkrankungen

Auch hier ist die Situation noch unklar. Nierenerkrankungen werden vom RKI nicht als Risikofaktor aufgeführt, sie sind aber in der Datenbasis zu Covid-19-Todesfällen aus New York eine häufig identifizierte Komorbidität. Den Daten zufolge weisen 10 Prozent der an Covid-19-Verstorbenen eine Nierenerkrankung auf. Laut einer auf dem Preprint-Server »MedRxiv« erschienen Studie ist eine Nierenfunktionsstörung vermutlich  ein Risikofaktor für schwere Verläufe

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