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»Echte Notfallsituation«

Das sagt Drosten zur vierten Welle

Der Virologe Christian Drosten erwartet in der Corona-Pandemie »einen sehr anstrengenden Winter« und hält auch neue Kontaktbeschränkungen für denkbar. »Wir haben jetzt im Moment eine echte Notfallsituation«, sagte der Leiter der Virologie in der Berliner Charité angesichts der Lage auf den Intensivstationen im NDR-Podcast »Das Coronavirus-Update«. »Wir müssen jetzt sofort etwas machen.«
dpa
10.11.2021  16:30 Uhr

Dabei müsse man auch Maßnahmen diskutieren, »die wir eigentlich hofften, hinter uns zu haben«, sagte Drosten. »Wir müssen also jetzt die Infektionstätigkeit durch Kontaktmaßnahmen wahrscheinlich wieder kontrollieren – nicht wahrscheinlich, sondern sicher.« Er schränkte allerdings auch ein, dass es juristisch schwer sein könnte, breite allgemeine Kontaktmaßnahmen durchzusetzen.

»Man könnte statt auf Kontaktbegrenzungen auf die Boosterimpfungen setzen«, sagte Drosten. »Das ist etwas woran ich auch wirklich glaube.« Allerdings gehe das nicht so schnell. Zuerst müsse man die Ältesten zum dritten Mal impfen, um Todesfälle zu verhindern. Bei jüngeren Menschen sei der Booster »ein Rettungsanker für den Übertragungsschutz«. Langfristig müsse das »ideelle Ziel« sein: »eine dreifach komplett durchgeimpfte Bevölkerung«.

Testen nicht die Lösung

3G – also Zugang für Geimpfte, Genesene und Getestete – reicht nach Drostens Einschätzung nicht aus, um die Zahl der Infektionen ausreichend zu reduzieren. Der Merksatz laute: »Testung schützt vor Ansteckung nicht.« Wer nicht geimpft sei und mit einem negativen Test zu einer Veranstaltung oder zur Arbeit gehe, könne sich dort anstecken, weil auch Geimpfte das Virus weitergeben können.

»Testung schützt vor Ansteckung nicht.«
Christian Drosten, Leiter der Virologie in der Charité Berlin

2G schließe zwar die »Hintertür« der Testmöglichkeit, habe aber den Nachteil, dass sich die Kontakte ins Private verlagerten. Da auch Geimpfte den Erreger weitergeben können, »wird das Virus zu denen einfach nach Hause kommen«. Drosten ist der Ansicht, »dass die Vorschläge, die politisch auf dem Tisch liegen, genau da nicht wirken, wo unsere Sorgenzonen in der Gesellschaft sind«. Die jüngsten Beschlüsse in Bayern oder Sachsen sind seiner Einschätzung nach «keine Garantie, dass das wirklich dazu führt, dass dieser Inzidenzanstieg durchbrochen wird».

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