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Detox

Den Körper »entgiften«

Detox liegt voll im Trend – Säfte, Tees und allerhand Pillen sollen den Körper von Giftstoffen befreien. Was hat es damit auf sich und muss der Körper wirklich aktiv entgiftet werden?
Franziska Horvat
15.03.2022  09:00 Uhr

Sogenannte Entgiftungskuren – auf neudeutsch Detox-Kuren – sollen den Körper beim Entgiften unterstützen. Anhänger solcher Methoden sind der Meinung, dass sich durch Umweltbelastungen, aber auch durch eine ungesunde Lebensweise, schädliche Stoffe in Form von »Schlacken« im Körper ansammeln. Detox-Kuren könnten hier Abhilfe schaffen und den Körper von Altlasten befreien. Entgiftungsdiäten werben mit einer breiten Palette an gesundheitsfördernden Wirkungen. Sie sollen beispielsweise das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit steigern, das Immunsystem stärken, Hilfe bei Stress bieten, beim Abnehmen helfen oder vor Krankheiten schützen. Anleitungen für Detox-Diäten finden sich massenhaft in Zeitschriften, Internetforen und sozialen Netzwerken, genauso Rezepte für selbstgemachte Detox-Tees, -Brühen, -Smoothies, -Latte oder für ein Black Detox-Getränk mit Aktivkohle. Es gibt verschiedene Entgiftungskuren, die Empfehlungen sind vielfältig und unübersichtlich. Die meisten Methoden setzen darauf, fast ausschließlich Flüssigkeiten aufzunehmen wie Säfte oder Tees. Wenn feste Nahrung erlaubt ist, so ist sie in der Regel naturbelassen und schonend zubereitet.

Zur Reinigung des Körpers hat auch die Produktgruppe der Nahrungsergänzungsmittel einiges zu bieten. Die angebotenen Kapseln oder Pulver enthalten verschiedene Pflanzenextrakte und sind zum Teil mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert. Beispiele für Inhaltsstoffe sind Mariendistel, Aloe Vera, Zeolith, Chlorella, Flohsamen, Kurkuma, Calcium und Magnesium. Auch Produkte zur Darmreinigung stehen hoch im Kurs.

Das schafft die Leber

Es besteht kein Zweifel daran, dass der Körper täglich mit vielen Substanzen in Berührung kommt, die eine schädigende Wirkung haben können. Die Chemikalien und Schadstoffe kommen zu einem großen Teil aus dem Essen. Problematische Substanzen sind zum Beispiel Pestizide, Tierarzneimittel, Schwermetalle, Weichmacher, Zusatzstoffe oder Acrylamid – die Liste ist lang. Während Hersteller Stoffe wie Pestizide, Arzneimittel oder Zusatzstoffe gezielt bei der Produktion von Nahrungsmitteln einsetzen, gelangen Schwermetalle aus der Umwelt in die Nahrung. Bei einer Untersuchung im Jahr 2016 konnte das Umweltbundesamt beispielsweise bei bis zu 60 Prozent der getesteten Personen das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat im Urin nachweisen.

Der Körper nimmt regelmäßig Giftstoffe in gewissen Dosen auf. Er verfügt jedoch über zahlreiche Möglichkeiten, schädliche Substanzen wieder loszuwerden. Leber, Darm und Nieren spielen dabei die Hauptrolle, aber auch Haut und Lunge sind wichtige Entgiftungsorgane.

Der Körper nimmt schädigende Substanzen jedoch nicht nur von außen auf. Auch im Stoffwechsel fallen Stoffe an, die unschädlich gemacht werden müssen, zum Beispiel Gallenfarbstoffe oder Steroidhormone. Der Körper muss die meisten Stoffe zunächst umwandeln, damit er sie ausscheiden kann. Viele Gewebe, aber vor allem die Leber, sind zur sogenannten Biotransformation fähig. Hierbei werden Stoffe, die der Körper so nicht ausscheiden kann, durch chemische Prozesse in Stoffe überführt, die den Körper verlassen können. Zahlreiche Enzymkomplexe helfen bei dieser körpereigenen Entgiftung. Das ermöglicht die Ausscheidung der Moleküle über den Darmtrakt oder die Nieren. Auch das Lymphsystem übernimmt eine wichtige Entgiftungsfunktion, da es Nähr- und Abfallstoffe transportiert und in den Lymphknoten Krankheitserreger und Fremdkörper entsorgt.

Wirkung nicht belegt

Behauptungen rund um Detox sind oft nicht konkret. Es ist nicht beschrieben, welche Giftstoffe genau gemeint sind, wie Schlacken aussehen oder wie sie aus dem Körper entfernt werden sollen. Das macht es schwierig, überhaupt einen wissenschaftlichen Nachweis zu erbringen. Insgesamt liegen keine aussagekräftigen Humanstudien vor, die einen gesundheitlichen Vorteil von Detox-Kuren oder Nahrungsergänzungsmitteln nachweisen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) existieren keine Ansammlungen von Schlacken und Ablagerungen von Stoffwechselprodukten. Nicht verwertbare Stoffe scheidet der Körper über Leber, Nieren, Darm, Haut und Atmung aus. 

Allerdings gibt es tatsächlich giftige Stoffe, die sich in Fettgewebe, Blut und Muttermilch anreichern können, darunter hormonell wirksame Schadstoffe wie Phthalat-Weichmacher oder Bisphenol A. Sie stecken unter anderem in Verpackungen, Konserven, Plastikgeschirr und Thermopapier. Viele dieser Stoffe stehen im Verdacht, Brust- oder Hodenkrebs auszulösen oder an der Entstehung von Allergien, Fortpflanzungsproblemen und Verhaltensstörungen beteiligt zu sein. Auch toxische Schwermetalle wie Blei oder Quecksilber können sich im Körper ansammeln, wenn man ihnen in hoher Konzentration oder über lange Zeit hinweg ausgesetzt ist. Für zahlreiche Stoffe ist derzeit jedoch nicht genau bekannt, wie sie auf den Körper wirken und ob eine Ansammlung langfristig zu gesundheitlichen Problemen führt. Experten gehen zudem davon aus, dass sich die Effekte mancher Stoffe im Körper gegenseitig verstärken können. Wissenschaftliche Belege, dass Detox hier helfen kann, fehlen jedoch.

Nicht auf Dauer

Bei Tees, Gemüsesäften oder grünen Smoothies in normalen Mengen sind in der Regel keine gesundheitlichen Probleme zu erwarten. Einzelne Elemente einiger Detox-Diäten entsprechen sogar den Ernährungsempfehlungen. Beispielsweise spricht nichts gegen eine gemüse- und obstreiche Ernährung mit möglichst frischen Zutaten, wie das zum Beispiel beim Basenfasten der Fall ist. Bei einer höheren Zufuhr in Form von Saft oder Smoothie gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass diese zwar Energie liefern, aber kaum sättigen. Außerdem geht dabei ein Teil der Ballaststoffe verloren. Eine Detox-Diät könnte auch als Einstieg in ein verändertes Essverhalten dienen. Wer allerdings längere Zeit extrem fastet oder sich sehr einseitig ernährt, riskiert Nährstoffmängel. Außerdem sind solche radikalen Diäten nicht nachhaltig und es besteht die Gefahr, ein gestörtes Essverhalten zu entwickeln.

Bei Detox-Produkten wie Nahrungsergänzungsmitteln ist allerdings Vorsicht geboten. Tatsächlich enthalten viele Produkte Bestandteile, die einfach nur entwässernd wirken. Die längerfristige und häufige Verwendung dieser Mittel kann eine erhöhte Ausscheidung bestimmter Mineralstoffe zur Folge haben. Die Inhaltsstoffe können außerdem mit gleichzeitig eingenommen Medikamenten in Wechselwirkung treten, weshalb es wichtig ist, die Einnahme mit einem Arzt zu besprechen. Auch Stoffe, die im Darm Giftstoffe binden sollen, wie Aktivkohle oder Zeolith, können Mineralstoffe aus der Nahrung abfangen und langfristig Nährstoffmängel verursachen. Detox-Produkte auf Zeolithbasis können sogar selbst mit Schwermetallen, besonders mit Blei, belastet sein. Verbraucherzentralen raten davon ab, Detox-Produkte zu verwenden. 

Natürlich entgiften

Einige Enzyme der Biotransformation arbeiten nur in Verbindung mit ihren jeweiligen Cofaktoren. Als Cofaktoren dienen verschiedene Nährstoffe wie Vitamin B1 und B2, Vitamin C sowie die Mineralstoffe Zink und Selen. Selen bindet zum Beispiel verschiedene Schwermetalle und macht sie so unschädlich. Besonders Hülsenfrüchte, Getreide und Nüsse, vor allem Paranüsse, zählen zu den selenreichen pflanzlichen Nahrungsmitteln.

Auch Antioxidanzien spielen eine wichtige Rolle bei der Entgiftung. Sie können freie Radikale abfangen oder Abbauprozesse mit Hilfe von antioxidativen Enzymen steigern. Freie Radikale entstehen in allen menschlichen Zellen, gelangen aber auch durch Umweltgifte und beispielsweise Zigarettenrauch in den Organismus. Ein gewisser Anteil an freien Radikalen ist wichtig für den Körper, ein Übermaß kann jedoch oxidativen Stress verstärken und Zellschäden anrichten. Antioxidanzien, die über die Nahrung aufgenommen werden, sind unter anderem Vitamin C und E, Zink und Selen sowie sekundäre Pflanzenstoffe wie Carotinoide und Flavonoide. Eine vorwiegend pflanzliche Kost mit viel Gemüse und Obst sowie Vollkornprodukten führt zur optimalen Versorgung des Körpers mit den benötigten Nährstoffen und unterstützt damit den Entgiftungsprozess.

Fasten räumt auf

Als ein Mittel, um den Körper zu reinigen, ist auch das Intervallfasten beliebt. Dabei wird tage- oder stundenweise auf Nahrung verzichtet. Was Wissenschaftler zeigen konnten ist, dass beim Fasten eine Art Aufräumprogramm im Körper stattfindet, die sogenannte Autophagie. Dabei werden beschädigte oder fehlerhafte Zellbestandteile ab- und neue Moleküle aufgebaut. Dafür braucht die Zelle Pause von der Verdauung. Fasten entgiftet also nicht auf die Weise, dass vermehrt Giftstoffe ausgeschieden werden, sondern der Nahrungsverzicht führt zum »Reinemachen« in der Zelle. Die wissenschaftliche Datenlage zu den gesundheitlichen Vorteilen ist allerdings noch recht dünn, vor allem fehlen größere und langfristige Studien. Viele Ärzte und Naturheilkundler, die das Fasten intensiv erforschen, berichten aber von positiven Wirkungen unter anderem auf Gewicht, Zucker- und Fettstoffwechsel, Immunsystem und Stimmung.

Prophylaxe leicht gemacht

Mit Detox-Produkten sogenannte Schlacken zu bekämpfen, ist wenig sinnvoll. Effektiver ist es stattdessen, die Aufnahme von potenziell gesundheitsschädlichen Stoffen möglichst gering zu halten. Das lässt sich mit einfachen Maßnahmen im Alltag erreichen (siehe Kasten unten). Außerdem kurbelt tägliche Bewegung körpereigene antioxidative Prozesse sowie Durchblutung und Lymphfluss an und Ausscheidungsprozesse über Atmung, Haut oder den Darm werden gefördert. Wer sich zudem vollwertig ernährt, bekommt ausreichend Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe – beste Voraussetzungen für die Entgiftungsarbeit der Organe.

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