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Erschwerte Diagnose 

Depression bei Kindern und Jugendlichen erkennen

Während Fachärzte die Anzeichen einer Depression bei Kindern und Jugendlichen oft erkennen können, ist es für Eltern, Lehrer oder Erzieher nicht immer einfach. Denn vorübergehende Symptome wie Traurigkeit und Niedergeschlagenheit sind durchaus Teil der Pubertät.
Katja Egermeier
21.11.2019
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Wie die Stiftung Deutsche Depressionshilfe mitteilt, gehören leichte depressive Verstimmung bis hin zu schweren depressive Störungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Im Alter zwischen 12 und 17 Jahren leiden demnach 3 bis 10 Prozent, im Grundschulalter 2 Prozent und im Vorschulalter 1 Prozent der Kinder an einer Depression.

Dass eine Depression nicht immer sofort erkannt wird, kann verschiedene Gründe haben. Wie die Deutsche Depressionshilfe erklärt, ist häufig die Abgrenzung von »normaler« und adoleszenter Entwicklung schwierig. Es können auch andere Verhaltensauffälligkeiten im Vordergrund sten, wie gereiztes und aufsässiges Verhalten oder sich die einzelnen, auf einer Depression beruhenden Verhaltensweisen gravierend unterscheiden. Auch aus Furcht vor einer Stigmatisierung suchen sich Betroffene oder deren Familien oft erst spät Hilfe.

Altersgruppe Altersspanne Besonderheiten in der Symptomatik bei Depressionen
Kleinkind 1 bis 3 Jahre Vermehrtes Weinen, ausdrucksarmes Gesicht, erhöhte Reizbarkeit, überanhänglich, Kind kann schlecht alleine sein, selbststimulierendes Verhalten wie Schaukeln des Körpers oder exzessives Daumenlutschen, Teilnahmslosigkeit, Spielunlust oder auffälliges Spielverhalten, gestörtes Essverhalten, Schlafstörungen
Vorschulkind 3 bis 6 Jahre Trauriger Gesichtsausdruck, verminderte Gestik und Mimik, leicht irritierbar, stimmungslabil, auffällig ängstlich, mangelnde Fähigkeit zur Freude, Teilnahmslosigkeit und Antriebslosigkeit, introvertiertes Verhalten, vermindertes Interesse an motorischen Aktivitäten, innere Unruhe und Gereiztheit, unzulängliches oder auch aggressives Verhalten, Ess-und Schlafstörungen
Schulkind 6 bis 12 Jahre Verbale Berichte über Traurigkeit, Denkhemmungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisstörungen, Schulleistungsstörungen, Zukunftsangst, Ängstlichkeit, unangemessene Schuldgefühle und unangebrachte Selbstkritik, psychomotorische Hemmung wie langsame Bewegungen und eine in sich versunkene Haltung, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Suizidgedanken
Pubertät und Jugendalter 13 bis 18 Jahre Vermindertes Selbstvertrauen, Selbstzweifel, Ängste, Lustlosigkeit, Konzentrationsmangel, Stimmungsanfälligkeit, tageszeitabhängige Schwankungen des Befindens, Leistungsstörungen, das Gefühl, sozialen und emotionalen Anforderungen nicht gewachsen zu sein, Gefahr der Isolation und des sozialen Rückzugs, psychosomatische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Gewichtsverlust, Schlafstörungen und Suizidgedanken
Quelle: Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Eine Diagnose sollte stets durch einen Arzt oder Psychotherapeuten erfolgen, erklärt die Deutsche Depressionshilfe. Problematisch sei jedoch, dass sich gerade bei jüngeren Kindern die typischen Symptome wie bei Erwachsenen nicht finden ließen und andere Depressions-Symptome Teil der normalen jugendlichen Entwicklung seien. Es ist aus Sicht der Stiftung daher notwendig, die altersabhängigen Besonderheiten zu beachten und Eltern, Lehrer, Erzieher und weitere Bezugspersonen mit in die Beurteilung einzubeziehen.

Suizidgefahr bei Kindern

Suizide im Kindesalter sind selten, dennoch sind sie eine der häufigsten Todesursachen im Jugendalter. Wie die Deutsche Depressionshilfe mitteilt, besteht bei Jugendlichen mit Depression ein bis zu 20-fach erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten, also für einen Suizidversuch oder einen vollendeten Suizid. Bei einem Suizidversuch stellen Mädchen und junge Frauen die Hauptrisikogruppe dar, an einem vollendeten Suizid sterben dagegen dreimal so häufig Jungen.

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