PTA-Forum online
Adexa und BVpta

Der Bedarf an PTA bleibt groß

Der Einsatz für PTA konnte nicht größer sein: Der Bundesverband der PTA (BVpta) und die Apothekengewerkschaft Adexa haben 2019 gekämpft, um das PTA-Reformgesetz im Sinne der PTA mitgestalten zu können. Zufrieden sind beide Organisationen nicht. PTA-Forum sprach mit Andreas May, Adexa-Vorstand, und mit Sabine Pfeiffer van Rijswijk. Sie leitet die Novellierungsgruppe bei BVpta.
Isabel Weinert
29.11.2019
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PTA-Forum: Wie bewerten Sie den Beschluss des Bundestages über die PTA-Reform Mitte November dieses Jahres?

May: Der Bundestag hat das PTA-Reformgesetz am 14. November in zweiter und dritter Lesung in einer Form beschlossen, die keine Verlängerung der Fachschulzeit enthält. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Bundesrat hier noch in unserem Sinne durchsetzt, das heißt mit einer Verlängerung auf 30 Monate Schulzeit, halten wir mittlerweile für eher gering.

Aus unserer Sicht haben das BMG und die Regierung das Ziel des Gesetzes nicht erreicht, die PTA-Ausbildung grundsätzlich zu modernisieren und den PTA-Beruf nachhaltig zu stärken. Das ist für die Berufsgruppe wirklich bitter! Wenn man beim Berufsbild die Herstellung von Arzneimitteln an erster Stelle nennt und die Prüfung von Ausgangstoffen und Arzneimitteln an zweiter Stelle, aber gleichzeitig die Stunden in der Chemie drastisch kürzt, macht das keinen Sinn. Und für wichtige neue Inhalte ist, trotz solcher Kürzungen, ohne die Verlängerung einfach nicht genug Zeit!

Auch die Kriterien, nach denen PTA künftig ohne Beaufsichtigung arbeiten dürfen, sind aus unserer Sicht viel zu einschränkend und nicht für die Apothekenpraxis geeignet.

Ansonsten sind aber diverse Neuerungen auch in unserem Sinne, zum Beispiel die Befugnis zur Praxisanleitung durch PTA und die engere Verzahnung von Fachschule und Ausbildungsapotheke im Praktikum.

Pfeiffer: Bis zum 14. November haben wir die Chancen sehr gut eingeschätzt, denn wir waren ganz nah dran, dass die drei Jahre Ausbildungszeit umgesetzt werden. Zwar in Form eines Kompromisses, mit einem verlängerten Praktikum und ergänzendem Blockunterricht in der Schule, aber es wäre ein großer Schritt nach vorne gewesen für den PTA Beruf. Nach dem Rückzug der Adexa, die mit diesem Kompromiss nicht einverstanden war, hat sich auch die SPD aus ihrer Initiative für die drei Jahre zurückgezogen, und somit ist im Bundestag nun eine Reform verabschiedet worden, die im eigentlichen Sinn gar keine ist.

PTA-Forum: Was glauben Sie, wie sich der PTA-Beruf generell verändern wird? Welche Inhalte kommen neu hinzu, welche werden unwichtiger?

May: Sicherlich wird die Nutzung digitaler Technologien wichtiger werden – aber unterstützend und nicht als Selbstzweck. Denn die gute persönliche Beratung zu rezeptpflichtigen Mitteln und bei der Selbstmedikation wird weiterhin zu den zentralen Aufgaben von PTA gehören. Wir hoffen, dass PTA durch den möglichen Wegfall der Beaufsichtigungspflicht selbstbewusster arbeiten können und ihnen mehr Wertschätzung entgegengebracht wird.

PTA-Forum: Was würden Sie sich von einer Verlängerung der Ausbildung auf drei Jahre versprechen? Welche Inhalte sollten dann zusätzlich behandelt werden?

Pfeiffer: Grundsätzlich streben wir eine Anpassung des Berufsbildes an andere Gesundheitsfachberufe an, die alle dreijährig ausgebildet werden. Um die zuvor angesprochenen Veränderungen erfüllen zu können und die vorgesehenen erweiterten Kompetenzen im Rahmen einer Arbeit unter Verantwortung, ist aus unserer Sicht eine mindestens dreijährige Ausbildung mit mindestens 3000 Stunden Unterricht und 1200 Stunden praktischer Ausbildung erforderlich, die sich in einem Wechsel von Abschnitten schulischer und praktischer Ausbildung vollzieht.

Es fehlen in der jetzigen Stundenverteilung Stunden für wesentliche Inhalte und damit Kompetenzen, die für die Erfüllung des Ausbildungszieles erforderlich sind: insbesondere Abwicklung digitaler Prozesse, Erfassung von Arzneimittelrisiken und Medikationsfehlern, Abgabe von Arzneimitteln und Medizinprodukten, Beratung bei allgemeinen Gesundheitsfragen, Information und Beratung auch bei apothekenüblichen Waren und die Erbringung apothekenüblicher Dienstleistungen.

PTA-Forum: Welche Rolle spielt die Vergütung im Rahmen der PTA-Ausbildung für deren Attraktivität?

Pfeiffer: Für das Praktikum gibt es eine klare Regelung zur Vergütung. Die Attraktivität eines Berufes bemisst sich aber nicht nur nach finanziellen Aspekten, sondern im Wesentlichen auch nach den Perspektiven, die Absolventen aufgezeigt werden können. Diese müssen nun durch qualifizierte Weiterbildungen ermöglicht werden, welche auch in der Apotheke zu mehr Kompetenzen und Verantwortung führen, sonst wandern PTA zukünftig in noch höherem Maße aus der Apotheke ab, als es bisher schon der Fall ist.

PTA-Forum: Wie genau sollte sich nach Ihren Vorstellungen eine Vertretungsbefugnis von PTA gestalten?

Pfeiffer: Eine Vertretungsbefugnis ohne fundierte Weiterbildung ist nicht möglich. Hierzu müssen erstmal tragfähige Konzepte erarbeitet werden. Ein Gehaltsanstieg ist grundsätzlich immer Verhandlungssache. Zukunftsorientierte ApothekerInnen wären hier sicher auch bereit, wenn klare Vorteile oder sogar Existenzsicherungen durch eine derartige Regelung für den Betrieb der Apotheke entstehen würden.

PTA-Forum: Wie viele der PTA-Absolventen gehen in die öffentliche Apotheke, wie viele in die Industrie oder in einen Großhandel?

Pfeiffer: Noch immer ist der Anteil an PTA in den öffentlichen Apotheken am höchsten. Hier arbeiten etwa 66.900. Viele PTA wandern in den ersten fünf Jahren aus der Apotheke ab. Die genaue Zahl ist hier schwer zu ermitteln.

PTA-Forum: Wie lässt sich die Attraktivität des Berufs steigern, um einem Fachkräftemangel entgegenzuwirken?

May: Der Wegfall des Schulgeldes ein ganz wichtiger Punkt. Und dann sind natürlich auch die tariflichen Gehälter für die fertig ausgebildeten PTA relevant – und zwar die Einstiegsgehälter wie auch die Gehälter von berufserfahrenen Kollegen in den oberen Berufsjahresgruppen. Außerdem muss sich das Fort- und Weiterbildungsengagement finanziell widerspiegeln.

Pfeiffer: Die Attraktivität lässt sich mit einem zeigemäßen Berufskonzept steigern. Hierfür sind wir in den letzten Monaten eingetreten. Dazu gehört eine dreijährige Ausbildungszeit, eine klare Verantwortungsregelung mit dem Abschluss der Ausbildung und eine sinnvolle Regelung zur Weiterbildung, damit verbindliche Perspektiven sichtbar werden. Letztendlich gehört natürlich im Hinblick auf den Einsatzort Apotheke auch eine starke Standesvertretung dazu, die PTA wertschätzt und die Notwendigkeit der Weiterentwicklungen auch einsieht. Nur so kann nach außen ein Berufsbild authentisch und positiv kommuniziert werden.

PTA-Forum: Wie steht es im Moment bundesweit um die Abschaffung des Schulgeldes?

May: Wir haben vor kurzem bei den Schulen nachgefragt: 35 Schulen sind derzeit schulgeldfrei, 52 schulgeldpflichtig. Durchschnittlich werden rund 170 Euro Schulgeld erhoben, das Maximum lag bei 415 Euro. Angekündigt ist ab Ende 2019 eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu diesem Thema. Und wir hoffen, dass sich die Abschaffung nicht mehr lange hinzieht.

PTA-Forum: Denken Sie, dass das Apothekensterben den Bedarf an PTA auf längere Sicht senken wird?

May: Wir glauben nicht, dass der Bedarf an PTA sinken wird, sondern eher noch ansteigen. Die Personaldecken sind vielerorts zu dünn, und in Ostdeutschland gehen laufend Pharmazieingenieure in Rente, die zumindest teilweise durch PTA ersetzt werden müssen.

Pfeiffer: Eine qualifizierte, persönliche pharmazeutische Versorgung sollte das Ziel sein. Und diese lässt sich nur mit qualifiziertem Personal umsetzen. Auch mit dem Fortschritt der Digitalisierung wird der Bedarf an PTA sehr hoch bleiben.

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