PTA-Forum online
Mehr als nur dicke Lippe

Der Clan der Herpesviren

Virologen teilen die Herpesviren anhand ihrer Merkmale in drei Unterfamilien ein. Zu den Alphaherpesviren gehören die Herpes-Simplex- und die Varizella-Zoster-Viren. Das Humane Cytomegalie-Virus und die Humanen Herpesviren HHV-6A, -6B und -7 sind Betaherpesviren. Vertreter der Gammaherpesviren sind das Epstein-Barr-Virus und das Kaposi-Sarkom-assoziierte Virus.

Alphaherpesviren sind kaum auf bestimmte Wirtszellen spezialisiert. So kann das Herpes-Simplex-Virus Infektionen auf der Haut, im Auge oder im Nervensystem verursachen. Die Hautinfektionen treten bevorzugt, aber nicht ausschließlich, am Übergang der Haut zur Schleimhaut auf. Mund und Genitalbereich sind bevorzugte Orte für den Ausbruch der bekannten Herpes-Bläschen (Herpes labialis, Herpes genitalis). Auch eine Infektion der Mundschleimhaut ist möglich, die von Fieber und schmerzhaften Aphthen gekennzeichnete Gingivostomatitis herpetica. Vor allem Kleinkinder leiden an dieser unangenehmen Erkrankung. Sie heilt in der Regel nach zehn Tagen von allein aus, aber auch schwerere Verläufe mit einem Befall des Naseneinganges, der Lippen und der Finger sind möglich.

Eine schwerwiegende Komplikation ist die Herpes-Simplex-Enzephalitis, die auch bei Erwachsenen auftreten kann. Ohne Behandlung versterben 70 Prozent der Patienten, mit einer frühzeitig eingeleiteten adäquaten Therapie immerhin noch 20 Prozent. Ein Drittel der Überlebenden leidet an bleibenden Lähmungen.

Das Varizella-Zoster-Virus verursacht beim Erstkontakt, meist im Kindesalter, die Windpocken. Auch diese an sich harmlose Kinderkrankheit kann einen schweren Verlauf nehmen. Neugeborene, Schwangere und immungeschwächte Personen können eine Varizellen-Pneumonie oder -Meningoenzephalitis erleiden und sind daneben für eine bakterielle Sekundärinfektion anfällig. Staphylococcus aureus oder Streptococcus pyogenes können Superinfektionen der Haut, Rachenentzündungen oder im schlimmsten Fall eine Sepsis auslösen. Für Schwangere ist eine Erstinfektion im ersten oder zweiten Trimenon gefährlich, weil eine Infektion des Fetus zu einer Fehlgeburt oder schweren Schädigungen des Kindes führen kann. Auch unter der Geburt kann die Mutter Virionen auf das Neugeborene übertragen, für das diese Infektion tödlich enden kann. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt aus diesem Grund die Varizellenimpfung für Kinder, Jugendliche und Frauen im gebärfähigen Alter. Auch Patienten, die immunsuppressive Wirkstoffe einnehmen, zum Beispiel Fingolimod (Gilenya®), sollten vor Beginn der Therapie geimpft werden.

Nach einer jahrzehntelangen Latenzphase kann des Varizella-Zoster-Virus eine Gürtelrose auslösen. Diese ist für den Betroffenen zwar schmerzhaft, jedoch an sich harmlos, kann aber noch Jahre nach der akuten Phase mit einer Postherpetischen Neuralgie starke Schmerzen bereiten. Auch hiergegen ist eine Impfung möglich. Für Personen ab einem Alter von 50 Jahren ist seit 2013 ein Herpes-Zoster-Lebendimpfstoff (Zostavax®) verfügbar.

Seite<123>
TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa