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Transitorische ischämische Attacke

Der kleine Schlaganfall

TIA ist ein medizinischer Notfall

»Eine unmittelbare stationäre Abklärung der Ursachen auf der Schlaganfallspezialstation, einer Stroke Unit, ist zwingend notwendig, denn sie kommt ja nicht ohne einen Grund«, so der Mediziner. Dort beobachten Spezialisten die Krankheitsentwicklung des TIA-Patienten für drei bis vier Tage und können, wenn nötig, sofort eingreifen. Mittels Ultraschall untersuchen sie die hirnversorgenden Gefäße und das Herz, betrachten das Gehirn anhand einer Schichtbilddarstellung und analysieren etwaige Herzrhythmusstörungen kontinuierlich am Monitor, um nach Risiken für einen Schlaganfall zu fahnden.

»Eine TIA hinterlässt klinisch keine bleibenden Schäden. Trotzdem ist sie gefährlich und stellt für Neurologen einen medizinischen Notfall dar«, sagt Bardutzky. Eine umfassende, rasche Abklärung der Symptome und Ursachen kann das Risiko eines nachfolgenden richtigen Schlaganfalls deutlich reduzieren. So können die Ärzte etwa mit blutverdünnenden und lipidsenkenden Arzneimitteln einem Schlaganfall vorbeugen oder eine verengte Halsschlagader operativ weiten. Von einer ambulanten Ursachenforschung beim Hausarzt rät Bardutzky »ausdrücklich ab«. Manchmal verwechselten Patienten die Symptome einer schweren Migräne oder eines taubgewordenen Beins mit einer TIA und kämen zur Station, aber das sei besser, als gar nicht zu handeln.

Wie wichtig die rechtzeitige Abklärung der Symptome ist, zeigt auch die sogenannte Framingham-Studie: Den Ergebnissen zufolge ist das Risiko, nach einer TIA einen großen Schlaganfall zu erleiden, in den vergangenen Jahren gesunken. Das berichteten Forscher in diesem Jahr im »Journal of the American Medical Association«. Im Rahmen der Studie, die seit 1948 in der Stadt Framingham im US-Bundesstaat Massachusetts läuft, beobachteten die Mediziner zwischen 1948 und 1985 bei 16,7 Prozent innerhalb von 90 Tagen nach einer TIA einen Schlaganfall, von 1986 bis 1999 bei 11,1 Prozent und zwischen 2000 und 2017 noch bei 5,9 Prozent. Den Autoren zufolge stecken vermutlich eine bessere Nachsorge und Behandlung der Patienten dahinter.

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