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Schnittmengen finden

Der pH-Wert in der Rezeptur

Der pH-Wert ist ein Faktor, der über das Gelingen einer Rezeptur entscheidet. Dabei sind Grundlagen, Arzneistoffe und auch Konservierungsstoffe zu berücksichtigen. Ob eine Rezeptur letztendlich machbar ist, sei eine Frage der Abwägung, sagte Claudia Peuke, PTA und Apothekerin, im Rahmen des 8. Westfälisch-lippischen Apothekertags (WLAT) am 12. September.
Juliane Brüggen
17.09.2021  11:00 Uhr

Der pH-Bereich gehört zur Plausibilitätsprüfung einer Rezeptur, wenn Arznei- oder Konservierungsstoffe in wasserhaltigen Grundlagen verarbeitet werden. PTA sind laut Peuke bei Rezepturen klar im Vorteil: »Manchmal denke ich, dass Apotheker, die keine PTA-Ausbildung haben, sich richtig einbringen müssen, um mitzuhalten. Weil das Know-how – die Erfahrung – liegt bei den PTA. Die Evidenz liegt bei den Apothekern.« Nur als Teamleistung könne die Rezepturherstellung wirklich funktionieren.

Während früher vor allem das pH-Optimum im Fokus stand, sei mittlerweile der rezeptierbare pH-Bereich relevant, berichtete Peuke. pH-Optimum heiße nicht, dass ein Wirkstoff diesen pH-Wert hat, sondern, dass er Bedingungen anstrebt, unter denen dieser Wert vorliegt. Der pH-Bereich, den der Wirkstoff toleriert, sei weiter gefasst: der rezeptierbare pH-Bereich. Letzterer ermögliche es, Schnittmengen zwischen verschiedenen Wirkstoffen und Rezepturbestandteilen zu finden. Wenn man für jeden Wirkstoff das pH-Optimum anstreben würde, gäbe es kaum noch Wirkstoffkombinationen. Mit Blick auf die kurzen Aufbrauchfristen von Rezepturen von wenigen Wochen bis Monaten sei es völlig ausreichend, den rezeptierbaren pH-Bereich heranzuziehen. »Das bedeutet, dass wir nicht das perfekte Rezepturarzneimittel herstellen, aber eines, das funktioniert«, stellte Peuke fest.

Um die Problematik deutlich zu machen, zeigte Peuke eine Beispielrezeptur: Betrachtet man die pH-Optima, kann die Rezeptur nicht kompatibel sein:

  • Erythromycin (pH 8,5)
  • Prednisolon (pH 2,5) beziehungsweise Prednisolonacetat (pH 4,5)
  • Basiscreme (pH 5 bis 6)

Ergebnis: »Das passt nicht zusammen. Wir können diese Kombination nicht herstellen.« Schaue die herstellende Person hingegen auf die rezeptierbaren pH-Bereiche, sehe es anders aus:

  • Erythromycin (pH 7–10)
  • Prednisolon (pH 3–6,5) beziehungsweise Prednisolonacetat (pH 3–7)
  • Basiscreme (pH 2–12)

Hier lassen sich Überschneidungen finden. Zur Optimierung der Rezeptur könne man dem Arzt Prednisolonacetat vorschlagen, so Peuke. Ob es auch mit Prednisolon gehe, müsse man ausprobieren.

Wirkstoff Rezeptierbarer pH-Bereich pH-Stabilitätsoptimum
Betamethason-17-valerat pH 2 bis 5 pH 3,5
Clotrimazol zwischen pH 3,5 und 10 zwischen pH 7 und 8
Erythromycin Suspension: pH 7 bis 10, Lösung: pH 8 bis 9 zwischen pH 8 und 8,5
Harnstoff zwischen pH 1 und 12 pH 6,2
Metronidazol zwischen pH 3 und 8 pH 5 (pH 4,6 bis 5,7)
Triamcinolonacetonid zwischen pH 2 und 9 pH 4 (NRF)
pH-Optima und rezeptierbare pH-Bereiche einiger Wirkstoffe

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