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Arbeitsleben

Der richtige Umgang mit dem Chef

Bestimmte Verhaltensweisen von Vorgesetzten erschweren die Arbeit unnötig, oder es werden Entscheidungen getroffen, mit denen die Mitarbeiter nicht einverstanden sind. So etwas dauerhaft hinzunehmen oder den Chef hinter seinem Rücken zu kritisieren, ist aber keine gute Lösung. Mit einigen einfachen Maßnahmen gelingt es häufig, das Verhalten von Vorgesetzten bewusst zu beeinflussen und mit den unterschiedlichen Cheftypen konstruktiv umzugehen.
Andreas Nagel
20.03.2019  15:32 Uhr

Vielleicht haben Sie sich auch schon einmal den perfekten Chef (oder die perfekte Chefin) gewünscht: fachlich kompetent, berechenbar, entscheidungsfreudig, und alle Arbeitsabläufe und Zuständigkeiten in der Apotheke hat er klar geregelt. Er kann gut mit Menschen umgehen, ist offen für Vorschläge und kann das Team inspirieren und motivieren. Er gesteht eigene Fehler ein und ist auch tolerant gegenüber Fehlern seiner Mitarbeiter. Er lässt Stimmungsschwankungen nie an den Mitarbeitern aus und vergreift sich in Gesprächen nicht im Ton. Natürlich hat er stets ein offenes Ohr für die Probleme seiner Mitarbeiter, und er würde niemals einzelne Mitarbeiter bevorzugen oder ungerecht behandeln.

In der Realität trifft man solche Chefs leider kaum. Vorgesetzte sind eben auch Menschen mit Launen, Macken und Defiziten. Und leider gibt es auch unter ihnen Choleriker, Pedanten, Kontrollfreaks und Ausbeuter. Wer die Erwartungen zu hoch setzt, kann daher nur enttäuscht werden. In vielen Apotheken funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Chef und Mitarbeitern weitgehend problemlos. Wenn die Beziehung allerdings schwierig ist, entsteht im Team häufig eine allgemeine Unzufriedenheit. Manche Mitarbeiter denken dann über einen Jobwechsel nach. Vielleicht kennen Sie die Redewendung: »Mitarbeiter kommen wegen des Jobs und gehen wegen des Chefs.«

Ein Jobwechsel bringt allerdings nicht immer die erhoffte Verbesserung, weil man am neuen Arbeitsplatz mit den Eigenarten eines anderen Chefs konfrontiert wird. Deshalb ist es häufig sinnvoll, zunächst die Zusammenarbeit mit dem derzeitigen Chef so weit wie möglich zu verbessern. Mit dem Begriff »Cheffing« bezeichnet man umgangssprachlich die bewusste und gezielte Einflussnahme von Mitarbeitern auf Verhaltensweisen und Entscheidungen ihrer Vorgesetzten. Cheffing wird auch als »Führung von unten« bezeichnet, weil Mitarbeiter den Chef in ihrem Sinne führen. Dabei geht es nicht um eine Manipulation im negativen Sinne, sondern vielmehr darum, die Zusammenarbeit optimal zu gestalten und dadurch das Arbeitsklima und die Zufriedenheit im Team zu steigern.

Verständnis aufbringen

Wer Einfluss auf seinen Chef nehmen will, sollte zunächst seine Denk- und Verhaltensweisen erkennen und verstehen. Welcher Typ ist Ihr Chef? Mit welchen persönlichen Stärken und Schwächen würden Sie ihn beschreiben? Ist er entscheidungsfreudig oder eher abwartend und unentschlossen? Blockiert er neue Ideen durch seinen autoritären Führungsstil oder führt sein zurückhaltendes Verhalten zu fehlenden Vorgaben und Unklarheiten?

Versetzen Sie sich auch einmal bewusst in die Situation Ihres Chefs. Wie sieht sein Tagesablauf aus? Welche Ziele, Wünsche und Probleme hat er vermutlich? Bedenken Sie dabei, dass Ihr Chef neben der pharmazeutischen Tätigkeit viele unternehmerische und organisatorische Aufgaben hat, die aus seiner Sicht manchmal dringender oder wichtiger sein können, als kleinere Alltagsprobleme einzelner Mitarbeiter. Auch wenn Sie die Situation nicht vollständig überblicken können, verstehen Sie nach diesen Überlegungen seine Entscheidungen und sein Verhalten vielleicht etwas besser. Dann können Sie sich zukünftig im persönlichen Umgang darauf einstellen.

Klarheit schaffen

Klären Sie in einem Einzelgespräch oder in Mitarbeiterbesprechungen möglichst genau, welche Erwartungen Ihr Chef an Sie und an das Team hat. So können Sie klare Regeln für eine optimale Zusammenarbeit entwickeln. Betonen Sie zum Abschluss der Diskussion, dass es im Interesse der Apotheke und aller Mitarbeiter ist, dass die gemeinsam getroffenen Vereinbarungen auch von allen Beteiligten eingehalten werden. Ergänzend können Sie Ihren Chef in regelmäßigen Abständen um ein kurzes Feedback zu Ihrer derzeitigen Tätigkeit und zur Qualität der Zusammenarbeit bitten. So erkennen Sie frühzeitig, ob sich Erwartungen geändert haben und ob es aktuell Verbesserungsbedarf gibt.

Neue Aufgaben

Hier sind einige Beispiele für typische Situationen, die zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern auftreten. Manchmal überträgt der Chef zum Beispiel neue Aufgaben auf den Mitarbeiter, etwa nach dem Motto: »Erledigen Sie das doch bitte mal eben!« Der Vorgesetzte erkennt dabei oft nicht, dass der Mitarbeiter bereits voll ausgelastet oder sogar überlastet ist. Verweigern oder Jammern sind in diesem Fall aber sicherlich keine geeigneten Reaktionen. Antworten Sie: »Ich erledige das gerne. Welche meiner derzeitigen Aufgaben kann ich dafür stoppen oder reduzieren? Welche meiner derzeitigen Tätigkeiten ist nicht so wichtig wie diese neue Aufgabe?«

Manche Chefs haben nur noch wenig Kontakt zum Alltagsgeschäft in der Apotheke. Das zeigt sich gelegentlich an ihren Entscheidungen und Arbeitsanweisungen. Wenn Ihr Chef offensichtlich sinnlose Anweisungen gibt, können Sie den Zeit- und Arbeitsaufwand, Hürden bei der Umsetzung oder mögliche Negativkonsequenzen detailliert ansprechen. Vielleicht erkennt Ihr Chef erst dann bestimmte Auswirkungen, an die er vorher zunächst nicht gedacht hat. Zeigen Sie dann sinnvollere Alternativen und deren Vorteile auf.

Kann sich Ihr Chef nur schwer entscheiden und zögert oft sehr lange? ­Bekommen Sie auf Fragen oder Verbesserungsvorschläge oft lange Zeit keine konkrete Antwort? Dann sollten Sie ihn konsequent daran erinnern und Ihre Vorschläge oder Fragen nicht aus Höflichkeit oder Unsicherheit in Vergessenheit geraten lassen. Vielleicht ist Ihr Chef einfach überlastet und konnte sich aus zeitlichen Gründen nicht mit dem Thema beschäftigen.

Stellen Sie mögliche Entscheidungsalternativen zukünftig immer sofort mit ihren Vor- und Nachteilen dar und empfehlen Sie dann eine der Alternativen mit entsprechender Begründung: »Wir könnten A, B oder C machen. Ich schlage vor, dass wir A machen, weil …« Ihr Chef ist dann in der Lage, anhand Ihrer Informationen sofort eine Entscheidung zu treffen. Zugleich wird er das Gefühl haben, dass er frei entschieden hat und Sie ihm nur eine wertvolle Entscheidungsgrundlage geliefert haben.

Fachliche Defizite

Mitarbeiter haben gegenüber Ihrem Chef in fachlicher Hinsicht oft einen Wissensvorsprung in ihrem Aufgabengebiet. Das ist nicht ungewöhnlich und war vielleicht sogar der Grund, aus dem Sie eingestellt wurden. Wenn Ihr Chef aus fachlicher Sicht falsche oder ungeeignete Aussagen trifft oder ihm fachliche Fehler unterlaufen, sollten Sie ihn trotzdem nicht in Gegenwart anderer Mitarbeiter darauf hinweisen. Wenn Sie das Ego oder die Autorität des Chefs verletzen, wird ihr zwischenmenschliches Verhältnis nachhaltig beschädigt. Führen Sie daher in diesen Fällen ein Einzelgespräch. Stellen Sie Ihre Sichtweise dar und begründen Sie Ihre Meinung mit Ihren besonderen Fachkenntnissen oder praktischen Erfahrungen.

Leider gibt es auch Chefs, die persönliche Stimmungsschwankungen an Mitarbeitern auslassen oder einen wenig respektvollen Umgangston haben. Als Mitarbeiter müssen Sie sich aber nicht alles gefallen lassen. Sprechen Sie unangemessene Umgangsformen immer sofort an. Sagen Sie Ihrem Chef höflich, aber bestimmt, was Sie stört. Begegnen Sie Ihrem Chef dabei auf Augenhöhe, denn Unterwürfigkeit ist für ein gutes Chef-Mitarbeiter-Verhältnis genauso ungeeignet wie Überheblichkeit.

Lob und Anerkennung

Vorgesetzte freuen sich wie jeder Mensch über Lob, Dank und Anerkennung. Bedanken Sie sich daher ruhig einmal ausdrücklich für etwas, ohne dabei in »Schleimerei« zu verfallen, zum Beispiel wenn Ihr Chef eine Zusage aus der letzten Mitarbeiterbesprechung erfüllt oder etwas Gutes für das Team tut. Ein kurzer Satz genügt meist: »Danke, dass Sie jetzt …« Oder: »Ich finde es toll, wie gut es jetzt mit XY klappt!«. Aus der Psychologie weiß man, dass Verhaltensweisen, die auf diese Weise bekräftigt werden, von der betreffenden Person meist dauerhaft beibehalten oder sogar verstärkt werden.

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