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»Nebenher« schreiben

Der Weg zum eigenen Buch

Neben der Arbeit noch einer anderen Leiden­schaft zu folgen, das ist gar nicht so leicht. Man muss schon dafür brennen, will man alles unter einen Hut bekommen. Das ist so bei Sandra Lehmann. Neben ihrer Arbeit als Apothekerin schreibt sie Kinderbücher. Dabei schweift sie gerne in die Ferne.
Isabel Weinert
18.01.2021  08:30 Uhr

PTA-Forum: Wie ist bei Ihnen der Gedanke entstanden, Buchautorin zu werden?

Lehmann: Das Manuskript für mein erstes Kinderbuch »Matti und Max – Abenteuer auf Kreta« schrieb ich für meinen Sohn. Auf der Suche nach einer spannenden Ferienlektüre, die auf der griechischen Insel spielt und neben Mädchen auch Jungen anspricht, hatte ich kein Glück. Fasziniert vom Leben der Blumenkinder in den Höhlen des kleinen Fischerortes Matala, beschloss ich, selbst eine Geschichte zu schreiben. Das Abenteuer machte im Freundeskreis die Runde und fiel so auch Illustratorin Manja Adamson in die Hände. Gemeinsam entschieden wir, das Buch zu veröffentlichen, und so wurde ich Kinderbuchautorin.

PTA-Forum: Welche Gründe gibt es für Ihre Entscheidung, Kinderbücher zu schreiben?

Lehmann: Bücher öffnen Kindern neue Welten, wecken die Phantasie und Empathie, bringen einen zum Lachen, trösten und lehren, Dinge zu hinterfragen. Wenn ich hierzu etwas beisteuern kann, macht mich das glücklich.

PTA-Forum: Wie kommen Sie auf die Ideen für Ihre Bücher?

Lehmann: Ich schreibe Reiseabenteuer, weil ich selbst so gerne die Welt erkunde. All meine Bücher spielen an Schauplätzen, die ich schon besucht habe. Diese Orte liefern mir jede Menge an Ideen. Da habe ich an Kultur und Architektur, Geschichte oder Kulinarik einen reichen Fundus zum Stöbern. Am liebsten erlaufe ich übrigens Reiseziele und lasse die Eindrücke auf mich wirken.

Für das neue Paris-Abenteuer, das voraussichtlich im Mai erscheinen wird, und in welchem Düfte eine große Rolle spielen, habe ich vor Ort bei einer »Nase« recherchiert und ein Parfum gemischt. Das war ungeheuer spannend und lieferte viel Input für die Geschichte. Das Grundwissen zu ätherischen Ölen habe ich natürlich auch schon aus der Apotheke mitgebracht.

PTA-Forum: Gibt es reale Vorbilder für Ihre Buch-Charaktere?

Lehmann: Die Figuren in meinen Büchern sind alle fiktiv. Es gibt jedoch durchaus Inspirationen aus meinem privaten Umfeld, die zu der Namensgebung der Protagonisten führten. Autobiographische Elemente findet man in all meinen Abenteuern. Es ist sicher kein Zufall, dass die Eltern von Max Apotheker sind und in Berlin wohnen. Nach dem Studium habe ich selber lange Jahre in der Hauptstadt gelebt und in einer Apotheke gearbeitet. Meine Familie stammt aus Berlin und obwohl ich in Darmstadt zu Hause bin, fühle ich mich dort verwurzelt. »Matti und Max – Abenteuer in Berlin« ist daher ein absolutes Herzensprojekt und führt die Abenteurer in die wechselvolle Geschichte der Stadt zwischen Rosinenbombern und Mauerfall.

PTA-Forum: Helfen Ihnen Eigenschaften, die Sie in der Apotheke brauchen, auch dabei, beim Schreiben am Ball zu bleiben?

Lehmann: Ja, ich kenne diszipliniertes, strukturiertes und zeitorientiertes Arbeiten aus der Apotheke. Das hilft mir sicherlich auch beim Schreiben. Während in der Apotheke der Patient und seine Gesundheit an oberster Stelle stehen, habe ich beim Schreiben das Buch als Ziel vor Augen.

PTA-Forum: Wie motivieren Sie sich immer wieder, an einem Buch weiterzumachen, auch wenn es mal nicht so gut läuft?

Lehmann: Das Schreiben der Geschichte macht mir Spaß, und es braucht nicht viel, um mich zu motivieren. Die Überarbeitung danach – bevor ich das Manuskript zum Lektorat einreiche – empfinde ich dagegen als trocken und mühsam. Da ist es für mich wichtig, vom Verlag einen Abgabetermin zu haben, nach dem ich mich richten muss. Bisher hat das glücklicherweise immer geklappt.

PTA-Forum: Was im Gehirn entsteht, in spannende Worte zu fassen, ist ja nicht einfach. Wie gelingt Ihnen das, und wie sieht ein Schreibtag bei Ihnen aus?

Lehmann: Nachdem das Grundgerüst mit dem Spannungsbogen steht, schreibe ich, wie es mir in den Sinn kommt. Dabei formuliere ich in kindgerechter Sprache so, wie ich es Bekannten auch live erzählen würde. Es wunderte mich nicht, dass eine Freundin beim Lesen eines meiner Abenteuer anmerkte, sie hätte das Gefühl, ich würde aus dem Buch mit ihr sprechen.

Neben der Familie und meiner Arbeit in der Apotheke bleibt nicht viel Zeit zum Schreiben. Einen Vormittag die Woche halte ich mir dafür aber frei und blende dabei Chaos im Haushalt aus. Dann setze ich mich mit meinem Laptop auf die Couch mit Blick in den Garten, stelle den Milchkaffee neben mir ab und fange an zu schreiben.

Da ich auch auf Social-Media-Kanälen für »Matti und Max« aktiv bin und für die jungen Leser einen Reiseblog mit Fotos der Originalschauplätze gestalte, muss ich aufpassen, mich zeitlich nicht zu verzetteln. Kurz vor einem Abgabetermin reicht dieser eine Vormittag nicht mehr aus. Da sitze ich dann jede freie Minute am Laptop.

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