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Internationaler Handhygienetag

Desinfizieren statt seifen

Wer hätte das gedacht? Als die Weltgesundheitsorganisation WHO vor 12 Jahren den 5. Mai zum Welttag der Handhygiene ausrief, sollte vor allem medizinisches Personal auf die Wichtigkeit der Handhygiene hingewiesen werden. Doch jetzt in Corona-Zeiten hat Hygiene für alle an Bedeutung gewonnen.
Elke Wolf
05.05.2021  07:00 Uhr

Jedes Jahr findet am 5. Mai der internationale Tag der Handhygiene statt. Das Datum symbolisiert zweimal fünf Finger der menschlichen Hand. Denn Handhygiene ist ein wichtiger Schutz vor Infektionen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat den internationalen Tag der Handhygiene bereits im Jahr 2009 initiiert, um vor allem medizinisches Personal auf die Wichtigkeit des Themas aufmerksam zu machen. Doch seit Ausbruch der Coronarvirus-Pandemie hat dieser Tag noch stärker an Bedeutung gewonnen – nicht nur für Mitarbeiter des Gesundheitswesens, sondern für uns alle.

Heute – im zweiten Jahr der Pandemie – gibt es auch einen kräftigen Erkenntnisgewinn.  Handekzeme treten seit Beginn der Coronavirus-Pandemie um 80 bis 90 Prozent häufiger auf. Als Grund sehen Hautärzte die intensivierte Handhygiene. Bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Dermatologie Mitte April sprachen sich Experten dafür aus, dass anstelle von häufigem Händewaschen mit Seife die Hände desinfiziert und anschließend eingecremt werden sollten.

»Zu beachten ist, dass die für die Handhygiene verwendeten Mittel nicht nur den erwünschten Effekt einer Ablösung oder Abtötung des Krankheitserregers haben, sondern auch die Haut schädigen«, sagte Professor Dr. Peter Elsner vom Universitätsklinikum Jena. Durch die eingesetzten Substanzen können die in der Hornschicht interzellulär vorhandenen Lipid-Doppellamellen, aber auch dem Wasserhaushalt dienende Peptide – auch bekannt unter der Bezeichnung Natural Moisturizing Factor - angegriffen werden. Das begünstigt dann die Entstehung eines irritativen Kontaktekzems.

Und das sei häufiger durch Detergenzien als durch Desinfizienzien der Fall. »Wir haben auch beobachtet, dass sich die negativen Detergenzieneffekte durch das anschließende Tragen von Handschuhen verstärken. Bei alkoholischen Desinfektionsmitteln ist dies nicht der Fall«, erklärt Elsner. Die anschließende Pflege mindere zudem nicht die antiseptische Wirkung der alkoholischen Desinfizienzien.

»Aus dermatologischer und arbeitsmedizinischer Sicht raten wir in Pandemiezeiten vom Einsatz von Detergenzien ab. Hautschonender ist das Desinfizieren in Verbindung mit intensiver Hautpflege.« Das Hautmikrobiom werde durch häufiges Desinfizieren nur unwesentlich beeinträchtigt. Schon nach kurzer Zeit habe es sich wieder regeneriert. 

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