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Pflege zur Vorbeugung

Diabetes prägt die Haut

Dass Diabetikerfüße besondere Aufmerksamkeit verlangen, ist bekannt. Dass aber auch die übrige Haut von Diabetikern nach einer Extra-Portion Pflege lechzt, dürfte den wenigsten bewusst sein. Mindestens jeder zweite Diabetiker hat eine Hauterkrankung. Mit einer angepassten Pflege lässt sich vorbeugen.
Elke Wolf
11.12.2019
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Zwischen 30 bis 70 Prozent der Diabetiker zeigen dermatologische Symptome und Erkrankungen, informiert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Pressemitteilung. Die Experten gehen davon aus, dass mehr als 50 Hautkrankheiten in Verbindung mit der Stoffwechselerkrankung stehen. Warum sich Haut und Diabetes gegenseitig beeinflussen, ist nicht vollständig geklärt. Vermutlich begünstigen Entzündungsprozesse, Ablagerungen von zuckerhaltigen Substanzen in der Haut und die geschwächte Immunabwehr Infektionen, fasst die DDG zusammen.

Diabetikerhaut altert schneller. Der erhöhte Blutzuckerspiegel heizt den normalen Alterungsprozess der Haut erst richtig an. Altern bedeutet für die Haut unter anderem, dass der Garant für Elastizität, also das Kollagen, durch Zucker abgefangen wird und seine dreidimensionale Struktur verliert. Beim Diabetiker läuft dieser Prozess wegen des erhöhten Blutzuckerspiegels entsprechend rascher ab. Zellmembranen werden dadurch starr. Das macht es den Blutzellen nicht eben leicht, durch sie hindurchzudringen, so die vereinfachte Vorstellung.

Und so erscheint die Haut von Diabetikern, die ihren Blutzucker nicht konstant in den Griff bekommen, oft welk und schlecht durchblutet, zeigt Fältchen, spannt und schuppt, ist trocken und neigt zu Juckreiz. Ihr Wasserbindungsvermögen ist reduziert. Häufig zeigt sich im Gesicht auch eine Couperose, bei der die feinen Gefäße erweitert sind. Vermutlich liegt das an den schlechten Fließeigenschaften des Blutes. Dadurch staut sich das Blut in den kleinsten Venen der obersten Hautschichten.

Haut als Hinweisgeber

Doch Vorsicht: Trockene, schuppige Haut ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern birgt vor allem gesundheitliche Risiken. Zu den häufigsten Hauterscheinungen bei Menschen mit Diabetes gehören bräunliche, narbenähnliche, rundliche Flecken, die sich meist über dem vorderen Schienbein zeigen. Die diabetische Dermopathie, wie die Pigmentveränderungen auch genannt werden, findet sich bei bis zu 70 Prozent aller Patienten. »Sie ist sehr oft das erste Anzeichen eines nicht erkannten Diabetes«, wird Professor Dr. Claudia Pföhler von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Universitätsklinikum des Saarlandes in der Pressemitteilung zitiert. Wer solche Flecken an Schienbeinen, Unterarmen oder Füßen bemerkt, sollte beim Hausarzt oder Diabetologen seinen Nüchternblutzucker überprüfen lassen. Die gute Nachricht: »Die Flecken verschwinden, sobald der Diabetes eingestellt ist«, versichert die Dermatologin.

Da der natürliche Säureschutzmantel der Haut angegriffen ist, haben es Pilze und Bakterien leicht, in die Haut einzudringen. Schlecht eingestellte Diabetiker neigen denn auch auffällig oft zu Ekzemen, Mundsoor, Rhagaden in den Mundwinkeln sowie Pilzinfektionen an Füßen, in den Leisten oder der Achselhöhle, unter der Brust, in der Scheide oder im Analbereich. »Chronische Pilzinfektionen mit ihrem quälenden Juckreiz gelten als Marker-Erkrankung für Diabetes mellitus«, betont Pföhler. Candida albicans ist der häufigste Erreger. Auch hier gilt: Unbedingt nüchtern den Blutzuckerwert messen lassen. »Sobald der Blutzuckerwert normalisiert ist, können die Pilzinfektionen oft mit örtlichen Cremes und Zäpfchen erfolgreich behandelt werden«, berichtet die Hautexpertin.

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