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Behandlungsvielfalt

Diabetes-Therapie: Individuell und mit Zusatznutzen

In den letzten Jahren hat die Diabetes-Therapie an Vielfalt gewonnen – dank neuer Arzneistoffe und Insuline. Sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetiker profitieren davon, brauchen jedoch auch eine gute Beratung, um die Vorteile und möglichen Nebenwirkungen ihrer Diabetesmittel zu kennen.
Isabel Weinert
25.10.2019  16:00 Uhr

Typ-2-Diabetiker machen weltweit den Löwenanteil der Diabetes-Patienten aus. In Deutschland leben etwa sechs Millionen Betroffene. 300.000 Menschen in Deutschland leiden an Typ-1-Diabetes, die Zahlen steigen, warum, ist noch nicht klar. Während Mediziner Faktoren klar benennen können, die den Ausbruch von Typ-2-Diabetes triggern, hat sich das Mosaik der Ursachen bei Typ-1-Diabetes noch nicht zu einem vollständigen Bild zusammengesetzt. Klar ist jedoch: Typ-1-Diabetiker brauchen in jedem Fall lebenslang Insulin, Typ-2-Diabetiker können mit Tabletten behandelt werden. Oft kommt bei ihnen Insulin hinzu, wenn die Erkrankung fortschreitet.

Die Palette der Medikamente bei Typ-2-Diabetes hat sich vergrößert. Bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe kommt es Wissenschaftlern nicht nur darauf an, dass die Substanzen den Blutzucker senken, sie sollen vielmehr außerdem möglichst günstig auf den Blutdruck, die Blutfette und das Körpergewicht wirken sowie am besten keine Unterzuckerungen verursachen. Die unterschiedlichen Substanzklassen, die bei Typ-2-Diabetes zum Einsatz kommen, erreichen diese Ziele nicht alle.

Metformin

So alt und immer noch auf der Höhe der Zeit: Das gilt für Metformin – das Mittel der Wahl für Menschen, deren Typ-2-Diabetes diagnostiziert wurde und bei denen ein geänderter Lebensstil die Blutzuckerwerte nicht senken konnte. Der Wirkstoff hat einige Vorteile, er löst keine Unterzuckerungen aus, scheint das Herz-Kreislauf-System eher zu schützen und ist preisgünstig.

Eine aktuelle Studie zeigt zudem, dass Metformin bei einer Langzeitbehandlung von bis zu 15 Jahren zu einer anhaltenden Gewichtsreduktion bei Typ-2-Diabetes führt. Das ist bemerkenswert, weil gerade der langfristige Erhalt eines niedrigeren Körpergewichts der Mehrheit Abnehmwilliger nicht gelingt. Der Arzneistoff wirkt hauptsächlich an der Leber, wo er Gluconeogenese und Glycogenolyse hemmt. Darüber hinaus erhöht Metformin die Insulinempfindlichkeit in der Muskulatur. Arbeiten die Nieren eines Diabetikers nur noch sehr schlecht (GfR unter 30 ml/min), ist Metformin kontraindiziert. Liegt die GfR zwischen 30 bis 44 ml/min, darf eine Maximaldosis von zwei Gramm nicht überschritten werden. Denn der Arzneistoff verschlechtert die Nierenfunktion, dadurch steigt die Gefahr für eine Laktatazidose.

Scheidet Metformin als Medikament aus, weil es der Patient nicht verträgt oder seine Nieren zu schlecht arbeiten, kommen weitere orale Antidiabetika in Frage. Die Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) führen sie ohne Priorisierung auf. Die Experten machen damit klar, dass es keine für jeden gültige Therapiereihenfolge gibt, sondern dass der Arzt in jedem Fall über die für den jeweiligen Patienten beste Therapie entscheidet. Dabei spielen Faktoren wie Multimorbidität und Patientenpräferenzen mit hinein.

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