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Grün beruhigt

Die besten Heilpflanzen für die Haut

Auf der Verpackung von Kosmetika ist oft von natürlichen Inhaltsstoffen, pflanzlichen Ölen oder Extrakten die Rede. Welche Pflanzen haben sich bei der Pflege von irritierter und entzündeter Haut bewährt?
Elke Wolf
15.08.2022  12:00 Uhr

Die Pflanzenheilkunde kann neben der Schulmedizin Teil der Behandlung von Hauterkrankungen sein. Das gilt vorrangig für trockene, gereizte und zu Neurodermitis neigende Haut. Dabei haben sich vor allem Borretsch- und Nachtkerzensamenöl einen Namen gemacht. Ihr Öl ist besonders reich an Gamma-Linolensäure. Ein Mangel dieser Fettsäure führt zu einer gestörten Hautbarriere und gilt als eine der Ursachen für die Hautkrankheit.

Aber der Reihe nach: Die Haut von Neurodermitikern ist trocken, spröde, schuppig und rau. Die Talgdrüsen produzieren nur wenig Talg, sodass sich kein flächendeckender Fettfilm über die Haut ziehen kann. Außerdem fehlt ihr ein effektives Wasserspeicher-System, von Geburt an mangelt es an natürlichen Feuchthaltefaktoren. Der transepidermale Wasserverlust ist erhöht. Und auch der Zellkitt, der den Raum zwischen den Hornzellen abdichtet, hat eine veränderte Zusammensetzung. Unterm Strich kann Neurodermitikerhaut ihre Barriereschutzfunktion nicht mehr richtig erfüllen, und so können Stoffwechselprodukte von Pilzen und Bakterien die Haut leicht durchdringen und als Allergene zu einer Sensibilisierung führen.

Eines der wichtigsten Pflegeanliegen ist deshalb die Stabilisierung dieses Hydrolipidfilms. Dazu sollten Kosmetika einen höheren Lipidanteil enthalten. So empfehlen sich etwa Wasser-in-Öl-Emulsionen, denen Jojoba-, Weizenkeim-, Mandel-, Traubenkern-, Nachtkerzen- oder Borretschöl zugesetzt ist (wie Allergika® Nachtkerzenöl Creme, Dr. Theiss® Nachtkerzen Intensivsalbe, Eucerin® AtopiControl, Caudalie® Vinosource-Hydra). Die beiden Letzteren zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an Gamma-Linolensäure aus – das Öl von Borretsch (18 bis 25 Prozent) noch mehr als das der Nachtkerze (7 bis 14 Prozent) – und gehören damit zu den besten Lieferanten aus der Natur.

Neurodermitiker zeigen eine verminderte Aktivität des Schlüsselenzyms Delta-6-Desaturase, wodurch Linolsäure nur mangelhaft in Gamma-Linolensäure umgewandelt werden kann. In der Folge kann nur wenig Arachidonsäure und damit auch zu wenig antiinflammatorisches Prostaglandin E1 gebildet werden, so ein Erklärungsansatz für die pathologischen Abläufe im Neurodermitis-Geschehen. In Form von Salben oder Lotionen regenerieren Borretsch- und Nachtkerzensamenöl die Hautbarriere und regulieren die Talgdrüsenfunktion; Entzündungen und Juckreiz gehen zurück - wobei auch die innerliche Einnahme von entsprechenden Kapseln möglich ist.

Dafür muss zwei- bis dreimal täglich gecremt werden, am besten mit Präparaten, die zusätzlich Ceramide und Feuchthaltefaktoren wie Harnstoff, Glycerol oder Hyaluronsäure enthalten (wie Physiogel® A. I. Lotion, Excipial® U10 Lipolotio, Dermasence® Polaneth Lotion, Imlan® Creme, Avène® Xeracalm). Welches Präparat sich für wen eignet, ist individuell verschieden. Betroffene werden meist einige Präparate ausprobieren müssen, um ein für sie geeignetes zu finden.

Von A wie Aloe…

Apropos Feuchthaltefaktoren: Das Gel aus den Blättern der Aloe vera ist ob seiner befeuchtenden Eigenschaften in der Kosmetikindustrie und der Getränkeherstellung stark gefragt. Aufgrund seiner Wasserbindungsfähigkeit findet man das Gel oft in Präparaten gegen trockene Haut (wie Dermasence® Aloe Vera Active Gel). Da es darüber hinaus kühlend und entzündungshemmend wirkt, ist es auch eine gute Alternative bei Juckreiz, Ekzemen und Sonnenbrand.

Um das Gel zu gewinnen, wird das dicke Blatt geschält, bis ein glänzendes Filet zum Auspressen übrigbleibt. Es besteht aus dünnwandigen Zellen, die mit Schleim gefüllt sind. Dieses schleimige Parenchym wird als Aloe-vera-Gel bezeichnet. Die Filets werden gewaschen und zu einem naturtrüben Saft verarbeitet. Als wertbestimmende Inhaltsstoffe gelten Glucomannan-Polysaccharide, Glykoproteine, Enzyme und Salicylsäure. Anthrachinone, die gegen Verstopfung Anwendung finden, sind bei sauberer Präparierung nicht enthalten, da sich der Blattsaft in der Epidermis befindet.

…bis Z wie Zaubernuss

Eine weitere Indikation für einen Drogenauszug stellen Hämorrhoiden dar. Die größte Bedeutung dabei haben pflanzliche Auszüge mit Gerbstoffen, wie Extrakte aus den Blättern und der Rinde der virginischen Zaubernuss Hamamelis virginiana (wie Faktu lind mit Hamamelis, Hametum® Hämorrhoidensalbe, Posterine® Salbe, Haenal® fact Salbe). Die Gerbstoffe verfestigen durch Vernetzung von Proteinen die obersten Kolloidschichten der Haut und dichten so in niedrigen Konzentrationen die Zellmembranen ab. In höheren Konzentrationen bewirken sie eine oberflächliche Proteindenaturierung, wodurch eine schützende, reizmildernde Koagulationsmembran entsteht.

Adstringierend und wundheilungsfördernd wirken auch Sitzbäder mit Kamillenextrakt (wie Kamillosan®), Eichenrinde oder synthetischen Gerbstoffen (wie Tannolact® Badezusatz, Tannosynt® flüssig, Delagil® Pulver). Für schuppige und gereizte Haut gibt es die Gerbstoffe auch in Form von Cremes und Lotionen.

Die Kamille gilt als Allround-Talent unter den Heilpflanzen. Sie lässt sich sowohl innerlich bei entzündlichen Erkrankungen und Krämpfen im Magen-Darm-Bereich (wie Kamillosan®, Iberogast®, Myrrhinil-Intest®) als auch äußerlich bei Haut- und Schleimhautentzündungen, einschließlich der Mundhöhle sowie des Anal- und Genitalbereichs (wie Kamillosan®, Kamillin® extern Robugen Lösung), anwenden. Dabei nutzt man in Form von Umschlägen, Sitzbädern oder Mundspüllösungen ihre reizlindernde, antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung.

Vorsicht: Bei bestehender Allergie gegen Korbblütler (Asteraceae) keine Kamillenzubereitungen anwenden. Es besteht die Gefahr einer Kreuzallergie. Auch Ringelblume, Schafgarbe und Arnika gehören zu den Korbblütlern. Entsprechende Zubereitungen deshalb am besten in der Armbeuge testen. Menschen mit empfindlicher Haut sollten auch Propolis und Teebaumöl meiden.

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