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Traditionelle Chinesische Medizin

Die Fünf-Elemente-Ernährung

Die Fünf-Elemente-Ernährung der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) findet auch hierzulande immer mehr Anhänger. Nach den Lehren der TCM werden Speisen und Getränke so ausgewählt und zubereitet, dass sie bekömmlich und leicht verdaulich sind. Dem Verdauungstrakt wird in der TCM ohnehin eine große Bedeutung beigemessen, da er die Hauptquelle zur Gewinnung der Lebensenergie Qi ist.
Britta Odenthal
27.02.2019
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Die Fünf-Elemente-Ernährung nach der TCM ist Teil einer Jahrtausende alten Erfahrungsmedizin aus China. Bei dem Ernährungsansatz geht es vor allem darum, die Mitte zu stärken.

Aus der Nahrung wird über eine starke Mitte Energie gewonnen, die an die fünf Organkreise weitergegeben wird. Diese Organkreise lassen sich nicht 1:1 auf die tatsächlichen Organe übertragen. Sie sind in der TCM entwickelt worden, um den Menschen und seine inneren energetischen Abläufe und Vorgänge abzubilden. Denn als die Erfahrungsmedizin entstand, waren die Organe und deren Funktionen noch weitgehend unbekannt. Auch war es zu dieser Zeit noch unüblich, Menschen zu Forschungszwecken zu obduzieren. Deshalb behalf sich die TCM mit einem eigenen Vorstellungssystem.

Den fünf Elementen, auch als Organ- beziehungsweise Funktionskreise bezeichnet, werden in der TCM Organpaare zugeordnet, ebenso Farben, Geschmacksrichtungen, Emotionen und Jahreszeiten. Dies dient unter anderem zur Diagnostik. Ein Beispiel: Ist die Energie des Organkreises Wasser (Niere/Blase) aus der Balance geraten, kann es sein, dass der Mensch entweder Salziges hasst oder es so sehr liebt, dass er es mit dem Salzkonsum übertreibt. Er salzt zum Beispiel jedes Essen stark nach, und die Tüte Chips darf am Abend auf keinen Fall fehlen.

Zu viel Salz trocknet nach TCM-Vorstellung aber die Säfte im Körper aus, und so gerät der Organkreis Wasser aus der Balance. Dem Element Wasser sind in der TCM außerdem die Farbe Blauschwarz und die Jahreszeit Winter zugeordnet. Die winterliche Kälte kann Niere und Blase schwächen.

Es gibt Speisen, die das Wasser­element stärken können. Diese kommen oft selbst aus dem Wasser, sind salzig (Fisch), reich an Mineralstoffen (Algen) und von dunkler Farbe, etwa Bohnen, Linsen, Heidelbeeren, Brombeeren, schwarzer Sesam, schwarze Oliven und vieles mehr. Es geht nicht darum, große Mengen davon zu sich zu nehmen, sondern diese möglichst täglich in den Speiseplan zu integrieren, um das Wasserelement zu stärken. Werden Linsen und Bohnen nicht gut vertragen, empfiehlt es sich, diese besonders lange zu kochen und mit kleinen Mengen zu beginnen.

Wasser  Holz  Feuer  Erde  Metall 
Funktionskreis  Niere/Blase  Leber/ Galle  Herz/Dünndarm  Milz/ Magen  Lunge/ Dickdarm 
Farbe  Blauschwarz  Grün  Rot  Gelb  Weiß 
Geschmack  salzig  sauer  bitter  süß  scharf 
Emotion  Angst  Wut/Zorn  Liebe/ Freude  Zuwendung, sich kümmern  Trauer 
Jahreszeit  Winter  Frühling  Sommer  Spätsommer/Herbst  Herbst
Tabelle: Die fünf Elemente nach TCM

Mensch als Mikrokosmos

Die TCM arbeitet in ihren Erklärungsmodellen oft mit eingängigen Bildern. Sie betrachtet den Menschen als Mikrokosmos, der mit der Welt und anderen Menschen im Makrokosmos verbunden ist. Der Mensch ist ein in sich geschlossenes System, das sich autark durch seine fünf Organkreise nährt und ausbalanciert. Durch Natur, Wetter, Wohnung und Beziehung tritt er auch mit der Außenwelt in Verbindung. In der TCM wird unterschieden, ob ein pathogener Faktor von außen auf den Menschen einwirkt oder innerhalb des Mi­krokosmos, also im inneren System, entstanden ist. Ist der Mensch zum Beispiel lange Zeit Kälte und Wind ausgesetzt und wird daraufhin krank, hat die »pathogene Kälte von außen« sein System gestört. Ausgleichend kann man mit Wärme, sowohl von außen als auch innen, entgegenwirken. In der Ernährung kann man also zum Beispiel auf warme Suppen und Kompotte setzen, von außen­ wärmt zum Beispiel ein Vollbad.

Ernährt man sich längere Zeit ungesund, isst unregelmäßig, zu viel und/oder spät abends, kann dies das System von innen aus der Balance bringen: Die Körpermitte ist geschwächt. Sie gehört zum Organkreis Erde, der sich aus dem Organpaar Milz/Magen zusammensetzt. Hier wird nach der Lehre der TCM die Lebensenergie Qi aus der Nahrung gewonnen und an alle Organkreise weitergegeben.

Wenn die Verdauungskraft nachlässt oder durch Qi-arme Speisen wie etwa ungesundes Fastfood nicht genug genährt wird, kann nicht genug Energie für unseren Körper zur Verfügung gestellt werden. Der Mensch verliert Vitalität und Leistungskraft. Schwächt er seine Verdauungskraft auf längere Zeit, können die Verdauungsorgane ihre Arbeit schlechter verrichten und die Nahrung kann nicht ausreichend verarbeitet werden, was nach der TCM-Lehre zu Verschleimung und Schlacken führt. In der TCM nennt man dies einen Milz-Qi-Mangel. Die Milz ist in der TCM maßgeblich für die Gewinnung von Qi zuständig. Ist sie geschwächt, kann nicht genug Lebensenergie gewonnen werden.

Die Milz kann mit warmen Speisen gestärkt werden, das ist wohl auch ein Grund, warum in Asien an nahezu jeder Ecke transportable Suppenküchen anzutreffen sind. Auch der Magen spielt bei der Qi-Gewinnung eine große Rolle. Er soll gut befeuchtet werden, seine Säfte sollen nicht durch zu stark erhitze Speisen – zum Beispiel frittiertes und scharfes Essen – getrocknet werden. Die TCM empfiehlt zur Stärkung der Mitte Suppen, Kompotte und Breie, zum Beispiel­ Porridge oder Reis-Congee, eine spezielle Reissuppe. Diese Speisen sollen die Milz wärmen und den Magen befeuchten.

Köchelnde Suppe

Die TCM bedient sich dem Bild einer leicht köchelnden Nahrungssuppe im Körper. Dies kann man sich wie einen alten gusseisernen Topf vorstellen, der – quasi mitten im Körper – auf dem Feuer steht. Die enthaltende Nahrungssuppe soll stets leicht köcheln­, sodass leichter Dampf aufsteigt. Der Dampf ist das gewonnene Qi, das alle anderen Organkreise mit Energie versorgt.

Isst man beispielsweise zu viel Rohkost, gibt man zu viel Kaltes (Yin-lastig) in die köchelnde Suppe. Dann kann kein Dampf aufsteigen, und es kann kein Qi gewonnen werden. Gibt man hingegen zu viel scharf Angebratenes (Yang-lastig­) in den Nahrungsbrei, verbraucht man zu viel Flüssigkeit (Yin) im Topf. Mit weniger Flüssigkeit und gleicher Flamme kocht die Suppe zu stark.

Zwei Beispiele: Nach scharf ge­bratenem und pikant gewürztem Essen­ bekommt man meist großen Durst: ein Zeichen, dass der Körper zu viele Säfte verbraucht hat und Flüssigkeit nach­fordert. Lebt man zu hitzig, dreht man das Feuer (Yang) unter dem Kessel zu stark auf. Die Suppe kocht stärker, mehr Dampf steigt auf, irgendwann fliegt der Deckel vom Kessel. Dies spiegelt­ sich in der TCM-Vorstellung auch in den Emotionen des Menschen wider. Er explodiert bei Kleinigkeiten, und nach längerer Zeit fehlt ihm Energie. Denn diese ist nur verpufft, anstatt durch leicht aufsteigenden Dampf Qi zu gewinnen. Sein System wird ihn zur Ruhe zwingen, damit es sich wieder regulieren kann. Ideal sind dann Bettruhe und leichte Suppen, Kompotte und Breie.

Thermische Wirkweisen

Die thermischen Wirkweisen sind auch im Westen nicht fremd. Man isst zum Beispiel im Winter Gerichte, die von innen wärmen, etwa warmen Apfelkuchen mit Zimt oder einen Eintopf. Ein weiteres Beispiel für die Nutzung der thermischen Wirkweise ist der Pfefferminztee. In arabischen Ländern wird dieser auch bei großer Hitze reichlich getrunken, da Pfefferminze thermisch kühlend wirkt, und das obwohl sie in heißem Wasser serviert wird. Meist ist dort auch reichlich Zucker im Tee. Zucker hat laut TCM eine befeuchtende Wirkung, die die austrocknende Hitze ausbalancieren soll.

Auch im Westen nutzt man die befeuchtende Wirkung von Süßem. Man trinkt etwa Honig im Tee, wenn man trockenen Husten hat. Große Vorsicht ist jedoch bei zu viel Süßem geboten. Im Übermaß verzehrt können Süßigkeiten zu pathogener Feuchte führen. Auf das Beispiel des Suppentopfs übertragen: Es ist zu viel Wasser darin. Bei gleichbleibendem Feuer kann die Suppe im Kessel nicht mehr so erhitzt werden, dass genug Dampf, also Qi, entstehen kann. Die pathogene Feuchte zeigt sich in der Vorstellung der TCM auch im Körper. Zum einen durch Wasser, das sich etwa in Form von Ödemen in den Beinen ablagert, und durch Gewichtszunahme.

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