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Seelenbalsam

Die Kraft des Zuhörens

Zuhören heißt nicht, stets Ja zu sagen. Das ist Kommunikations-Expertin und Buchautorin Martina Dressel ganz wichtig: »Zuhören darf nicht mit Übereinstimmung verwechselt werden. Sie dürfen anderer Meinung sein. Machen Sie dem anderen aber deutlich, dass Sie bereit sind, die Sache auch aus seiner Sicht zu sehen, statt rein aus Ihrer. Ziel ist es, den anderen zu verstehen.« Damit das klappt, empfiehlt Dressel, es zu vermeiden, ein Fazit oder Urteil zu fällen, bevor das Gegenüber fertig gesprochen hat. Manchmal folgen am Satzende Infos, mit denen man anfangs nicht gerechnet hat. Daher gilt: Andere ausreden lassen!

Ihnen fällt es schwer, mal nicht der Erzählende zu sein? Dann sollten Sie laut Dressel eines bedenken: Sie haben jetzt die Chance zu lernen. Wenn Sie sprechen, wiederholen Sie nur, was Sie bereits wissen. Aber wenn Sie zuhören, ist es möglich, dass Sie etwas Neues erfahren.

Auch auf die Körperhaltung kommt es an: »Wenn Sie sich zurücklehnen und die Arme verschränken, wirken Sie ablehnend. Ebenso, wenn Sie nervös mit dem Fuß wippen oder auf der Tischplatte trommeln. Besser ist es, Aufmerksamkeit zu zeigen, indem man sich dem Sprecher zuwendet, ihm ab und zu ins Gesicht sieht, manchmal nickt oder sogar lächelt. Das alles bereitet dem anderen jedoch nur ein gutes Gefühl, wenn es authentisch ist. Unnatürliches Grinsen wirkt irritierend«, weiß Dressel.

Das Gehirn kann Wörter schneller aufnehmen, als wir sie aussprechen. Beim Zuhören ist es also unterfordert. Diese »Langeweile« nutzt es dazu, um über andere Dinge nachzudenken. Dressel: »Versuchen Sie, Störquellen möglichst zu vermeiden: also Tür zu, E-Mail-Programm schließen, Smartphone ausschalten. Je ruhiger die Umgebung, desto besser für die Konzentration. Falls Sie dennoch mal abwesend sind, bitten Sie höflich um Entschuldigung. Das ist besser, als sich durch eine überflüssige Frage als Weghörer zu outen.«

Neben dem Weghören und Ins-Wort-Fallen ist es laut Dressel tabu, jede Geschichte des anderen als Stichwort zu nehmen, um vom eigenen Erlebten zu erzählen («Das kenne ich gut. Mir ist mal was viel Schlimmeres passiert …«), vorschnell Ratschläge zu erteilen («Wenn ich du wäre, würde ich …«) und das Gesagte zu relativieren (»Das wird schon wieder«). »Damit nehmen Sie den Anderen und seine Sorgen nicht ernst. Und zeigen, dass Sie sein Thema nur als Sprungbrett nutzen, um selbst wieder im Mittelpunkt zu stehen.«

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